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13.04.2008
 

Afghanistan

Nato-Soldaten werfen Waffenkiste über Taliban-Gebiet ab

Unfreiwilliges Waffengeschenk an den Feind: Ein Nato-Hubschrauber in Afghanistan hat versehentlich Munition über einem Gebiet der radikal-islamischen Taliban abgeworfen - die Lieferung mit Maschinengewehren und Raketen soll nun in den Händen eines Taliban-Kommandeurs sein.

Kabul - Eine Kiste mit Maschinengewehren, Kalaschnikows, Raketen und Nahrung - eine explosive und wertvolle Ladung von Nato-Soldaten, auf dem Weg zu einem Kontrollpunkt. Dort kam die Kiste allerdings niemals an, sondern landete offenbar bei einem Taliban-Kommandeur.

Nato-Soldaten in Kandahar: "Später kamen die Taliban und sammelten den Inhalt der Kiste ein"
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AP

Nato-Soldaten in Kandahar: "Später kamen die Taliban und sammelten den Inhalt der Kiste ein"

Der afghanische Geheimdienstchef Amrullah Saleh sagte am Sonntag vor einem Parlamentsausschuss, die Soldaten hätten in einem Hubschrauber Ende März in der Provinz Sabul Munition und Nahrungsmittel zu einem Kontrollpunkt der Polizei bringen wollen - dann hätten sie die Ladung versehentlich über einem Taliban-Gebiet abgeworfen.

Ein Abgeordneter aus Sabul, Hamidullah Tuchi, sagte vor dem Ausschuss, die Waffen seien nur hundert Meter vom Haus des Taliban-Kommandeurs mit Namen Mullah Mohammed Alam gelandet. "Aus Versehen wurde die Kiste weit weg vom eigentlichen Ziel abgeworfen. Später kamen die Taliban und sammelten es ein."

Abgeordnete hätten den Vorfall auch mit Präsident Hamid Karzai und Nato-Oberkommandeur Dan McNeill besprochen, sagte Tuchi. Unklar ist, Nato-Soldaten welcher Nation die Waffenkiste abgeworfen wurde. Eine offizielle Bestätigung gab es bislang ebenfalls nicht: Richelle Dowdell, Sprecherin der Nato-Truppe Isaf, sagte, keiner ihrer Hubschrauber sei in den Zwischenfall verwickelt gewesen.

Die Sicherheitslage in Nordafghanistan hatte sich in den vergangenen Wochen seit dem Ende des Winters massiv verschlechtert. Binnen vier Wochen verübten die Taliban drei Anschläge auf die Bundeswehr, sechs Entwicklungshelfer wurden getötet.

Wolfgang Schneiderhan, Generalinspekteur der Bundeswehr, warnte in der vergangenen Woche den Verteidigungsausschuss des Bundestags vor der bedrohlichen Sicherheitslage am Hindukusch. Wörtlich sprach Schneiderhan vor den Verteidigungsexperten von einer "beunruhigenden Entwicklung" im Einsatzgebiet der Bundeswehr. Die Soldaten der Truppe seien im Norden aufgrund der Zunahme der Gewalt "neuen Herausforderungen" gestellt, so Schneiderhan.

amz/AP

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