Von Michael Braun, Rom
Ebenso wenig ging die Erwartung auf, wenn überhaupt werde die Niederlage knapp ausfallen, werde Berlusconi mit der gleichen hauchdünnen Mehrheit im Senat regieren müssen wie bisher Prodi. Nein: Berlusconi hat ein klares Mandat, und er hat eine überzeugende Mehrheit, genauso wie 2001, als er für fünf Jahre Regierungschef wurde. Schlimmer noch für die Linke: Heute ist seine Koalition homogener als damals. Die Christdemokraten der UDC, die Berlusconi in den fünf Jahren an der Regierung immer wieder bremsten, sind diesmal nicht mehr dabei. Entscheidendes Gewicht hat dafür die Lega Nord des rüden Rechtspopulisten Umberto Bossi erlangt, der immer noch mit der Sezession des reichen Nordens vom Rest des Landes liebäugelt, wenn er nicht gerade gegen Einwanderer hetzt.
Die christdemokratische UDC dagegen wird an der Seite Veltronis die Oppositionsbänke drücken – und dort womöglich nach Berührungspunkten für einen Neuanfang nach Berlusconi suchen.
Rückschlag für den Regenbogen
Neuanfang: Das wird auch das Stichwort auf der radikalen Linken sein. Sie wurde abgestraft wie keine andere politische Kraft im Land. Gut zehn Prozent hatten die zwei kommunistischen Parteien und die Grünen vor zwei Jahren auf sich vereinen können. Diesmal traten sie mit der gemeinsamen Liste "Die Linke – der Regenbogen" an. Doch das neue Einheitsprojekt überzeugte die Wähler nicht. Die einen stimmten lieber für Veltronis gemäßigte Linke, um Berlusconi zu verhindern, die anderen blieben gleich zu Hause, weil sie der radikalen Linken das Mittun in Prodis Koalition nicht verziehen hatten – und am Ende scheiterte die Liste nicht bloß an der Acht-Prozent-Hürde im Senat, sondern gegen alle Vorhersagen auch an der Vier-Prozent-Hürde im Abgeordnetenhaus. Zum ersten Mal seit 1945 sind damit in Italiens Parlament Kommunisten nicht mehr vertreten.
Zum ersten Mal – und das ist für Italien eine wahre Revolution – werden im Abgeordnetenhaus auch nur vier Fraktionen sitzen. Es ist also vorbei mit den 23 bis 30 Parteien, die bisher römische Politik ausmachten. Links Veltronis Demokraten, in der Mitte die christdemokratische UDC, rechts Berlusconis "Volk der Freiheit" und die Lega Nord: Eine völlig ungewohnte Übersichtlichkeit wird in Italiens Politik einziehen. Mit dem alten Hauptdarsteller Berlusconi allerdings, der seit 14 Jahren die politische Bühne Roms beherrscht, und der bis zum Jahr 2020 weitermachen will: erst einmal fünf Jahre als Regierungschef – und dann vielleicht weitere sieben als Staatspräsident.
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