Von Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt
Nach dem Ende der Apartheid ging die Karriere des ANC-Kämpfers steil bergauf, bis er 1999 schließlich Stellvertreter Mbekis als Partei- und Staatschef wurde – und damit dessen geborener Nachfolger.
Doch im Sommer 2005 schien plötzlich alles zu Ende zu sein. Jacob Zuma war politisch tot. Ein Comeback schien damals ausgeschlossen. Mbeki jagte ihn aus seinem Amt als Vizepräsident, nachdem Zumas Intimus und Finanzberater Shamir Shaik in einem Korruptionsprozess zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war. Es ging um Bestechungsgelder in Millionenhöhe, die unter Beteiligung deutscher Firmen bei einem gigantischen Waffendeal geflossen sein sollen – angeblich auch an Zuma. Häuser, Appartements, Reisen, Klamotten, Unterhalt für Zumas zahlreiche Kinder und Frauen soll Shaik Zuma finanziert haben. Nach seinem Rausschmiss legte Zuma von sich aus auch sein Abgeordnetenmandat nieder.
Aber es kam noch schlimmer: Anfang Dezember wurde ein Vergewaltigungsprozess gegen ihn eröffnet. Er sollte, so die Anklage, in seinem Luxushaus im Johannesburger Stadtteil Forest Town die 31-jährige Tochter eines ANC-Genossen sexuell missbraucht haben. Er erreichte zwar einen Freispruch. Doch der Prozess machte ihn zur Lachnummer nicht nur Südafrikas: Zuma erklärte, er habe nach dem ungeschützten Beischlaf mit der HIV-infizierten Frau geduscht, um sich vor einer Ansteckung mit dem Aids-Virus zu schützen. Seitdem wird er von den Karikaturisten als der Mann dargestellt, aus dessen Kopf eine Dusche wächst. Er war nach einem anscheinend unaufhaltsamen Aufstieg ganz unten angekommen, war Depp und Buhmann der Nation zugleich.
"Bringt mir mein Maschinengewehr"
Nur sein Amt als ANC-Vize hatte er zum Ärger Mbekis nie aufgegeben. Das war die Plattform für seinen Wiederaufstieg: Getreu seinem Lebensmotto noch aus der Kuhhirtenzeit "Ich kämpfe meinen Kampf zu Ende" führte er 2007 einen gnadenlosen innerparteilichen Feldzug gegen Mbeki. Das alte ANC-Kampflied "Bringt mir mein Maschinengewehr" waren Song und Markenzeichen für ihn. Im Dezember 2007 gelang ihm bei der Neuwahl des Parteichefs ein Erdrutschsieg über Mbeki. Nach ANC-Spielregeln wird er damit automatisch auch Staatspräsident, wenn Mbekis Amtszeit 2009 ausläuft. Doch noch während Zuma in seiner Zulu-Heimat ausgelassen feierte, kam der nächste Schlag: Er wurde wegen Korruption angeklagt. Im August soll der Prozess eröffnet werden.
Aber noch einmal will Zuma nicht verlieren, nicht so kurz vor dem Ziel. Er kämpft einen Zwei-Fronten-Krieg um die Macht: Mit allen juristischen Tricks und Finten will er den Prozess verhindern. Seine Partei gibt ihm Schützenhilfe: Die Eliteeinheit "Scorpions", die die Untersuchung gegen ihn geführt hat, soll per ANC-Parteitagsbeschluss aufgelöst werden. ANC-Generalsekretär Gwede Mantashe beschimpfte die Sondertruppe vergangene Woche als rassistische Organisation, die führende ANC-Mitglieder wie Jacob Zuma vernichten wolle. Zuma hat nach Einschätzung politischer Beobachter gute Chancen davonzukommen.
Wettlauf zwischen Hase und Igel
Parallel kämpft er gegen sein Image als gnadenloser Populist, als Mann ohne Linie, der jedem nach dem Mund redet. Er will sein politisches Profil schärfen. Geschickt nutzte er in den vergangenen Wochen jede Schwäche seines Erzrivalen Mbeki, um Punkte zu machen. Ob es um Simbabwe ging, um die wachsende Kriminalität oder das desolate Schulsystem Südafrikas – Zuma ist Mbeki immer einen Schritt voraus. Es ist wie beim Wettlauf zwischen Hase und Igel. Schon wird spekuliert, dass Mbeki entnervt aufgibt, den Weg für Zuma ins höchste Staatsamt freimacht, noch bevor der vor Gericht muss. Schon schwenken führende südafrikanische Medien vorsichtig um: Mbeki wird zum Buhmann, Zuma zum Hoffnungsträger.
Das ließ den Rektor der Universität von Südafrika (UNISA), Barney Pityana, jede akademische Zurückhaltung vergessen. Zuma sei ein "haltloser Charakter", schimpfte er Ende März bei einer Versammlung der juristischen Elite des Landes in Stellenbosch. Das Staatsschiff dürfe man einem solchen Menschen nicht anvertrauen. Selbst Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu mag an Zumas neue Kleider noch nicht so recht glauben. "Wir begeben uns in unerforschte Gewässer," orakelt der streitbare Erzbischof angesichts der anscheinend unaufhaltsamen Rückkehr des Mannes mit dem strahlenden Lachen an die Macht. Nur die südafrikanische Ikone Nelson Mandela hält sich auffällig zurück. Kolportiert wird allerdings, er habe sich schon 1999 nicht Thabo Mbeki, sondern seinen alten Zellennachbarn aus Robben Island als Nachfolger gewünscht.
Anmerkung: Ursprünglich hatte es in dem Text geheißen, Zuma tanze mit seinem Zulu-Stamm im traditionellen Tigerfellkostüm. Es handelt sich aber natürlich um ein Leopardenfell. Wir bitten um Entschuldigung.
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