Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



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21.04.2008
 

Simbabwe

Mugabe wartet auf das Geisterschiff

Von Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt

Simbabwes Machthaber Mugabe muss noch länger auf den Nachschub an Waffen und Munition aus China warten: Der Frachter "An Yue Jiang" irrt zwischen Indischem Ozean und Atlantik umher - weil kein Hafen das Schiff anlegen lassen will.

Sprite Zungu hat seinen Koffer vorsorglich schon gepackt. "Wo immer Mugabes Munitionsschiff seine Ladung löschen will: Ich werde vorher da sein und die Transportarbeiter, die Dockarbeiter, die Lastwagenfahrer und die Eisenbahner dazu bringen, alles zu tun, damit die gefährliche Fracht Simbabwe nicht erreicht," sagt der Vertreter der "International Transport Workers Federation" in Südafrika. "Sie würden doch höchstwahrscheinlich benutzt, um unbeteiligte Zivilisten zu töten."

Chinesischer Frachter "An Yue Jiang": Kein Hafen will das Waffenschiff anlegen lassen
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DPA

Chinesischer Frachter "An Yue Jiang": Kein Hafen will das Waffenschiff anlegen lassen

Nicht nur Südafrikas Mann im internationalen Bund der Transportarbeiter macht mobil gegen Mugabe. Auch die 300.000 Mitglieder starke südafrikanische Transportarbeitergewerkschaft Satawu hat ihre Kollegen in der ganzen Welt am Montag aufgerufen, das chinesische Schiff zu boykottieren, das nach Dokumenten, die der südafrikanischen Presse zugespielt worden sind, über 70 Tonnen Waffen und Munition für den Diktator an Bord hat. Doch seit die "An Yue Jiang" am vergangenen Freitag vor der südafrikanischen Hafenstadt Durban fluchtartig den Anker lichtete, überschlagen sich die Spekulationen über das Schicksal des Frachters.

Robert Mugabes Munitionstransporter wird immer mehr zum Geisterschiff – irgendwo zwischen Indischem und Atlantischem Ozean. Die renommierte "Lloyd's Maritime Intelligence Unit", die weltgrößte maritime Datenbank mit Zugriff auf über 120.000 Schiffe, meldete nach Angaben der "Cape Times", ein Schiff mit Namen "An Yue Jiang" sei möglicherweise am Sonntagvormittag gegen 11 Uhr vor der Küste Ostafrikas gesunken. Das Dementi kam prompt: Die Sprecherin der südafrikanischen Küstenrettung, Sarene Kloren, beteuerte, die "An Yue Jiang" habe Port Elizabeth mit Südkurs passiert und sei von der südafrikanischen Marineaufklärung am Sonntag gegen 15 Uhr in der Nähe vom Kap St. Francis geortet worden. Es habe auch "zwischen unserer Küste und der Antarktis" keinerlei Notruf gegeben.

Verteidigungssprecher Siphiwe Dlamini versichert: "Wir halten ein Auge drauf." Sobald der Frachter in südafrikanische Gewässer einläuft, muss Kapitän Sunaijun damit rechnen, dass sein Schiff an die Kette gelegt wird. Nicht nur der streitbare anglikanische Erzbischof Rubin Phillip hatte am vergangenen Freitag einen Gerichtsbeschluss erwirkt, nach dem die Fracht erst einmal beschlagnahmt werden muss, sondern offenbar auch die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Südafrikanische Medien berichten, die KfW habe am gleichen Tag wie der Erzbischof beim Obersten Gerichtshof von Durban einen Pfändungsbeschluss für die heiße Fracht erwirkt. Grund: Simbabwe habe einen Kredit über 40 Millionen Euro nicht zurückgezahlt, den die KfW der staatseigenen simbabwischen "Iron & Steel Company Ltd." im Jahr 2000 gewährt habe. Der KfW-Vertreter in Südafrika, Michael Fischer, sagte SPIEGEL ONLINE: "Mir ist davon nichts bekannt." Unternehmenssprecher Michael Helbig erklärte: "Wir prüfen diese Berichte."

In Schifffahrtskreisen wird unterdessen gerätselt, wohin der chinesische Kapitän sein Schiff steuert. Zunächst schien er einen Hafen in Mosambik anlaufen zu wollen. Doch Mosambiks Transportminister Paulo Zucula wollte die heiße Fracht auch nicht im Land haben. "Wir wissen, dass das Schiff Luanda als nächsten Bestimmungsort angegeben hat. Wir würden ihm ein Einlaufen in unsere Gewässer auch nicht ohne weiteres erlauben," versicherte er gegenüber Journalisten.

Seitdem gilt Angola als wahrscheinliches Ziel des Geisterschiffes. Doch ob die "An Yue Jiang" Luanda überhaupt erreichen kann, wird in Schifffahrtskreisen inzwischen bezweifelt: Sie hat wahrscheinlich nicht genug Treibstoff an Bord. "Wir wissen zwar nicht genau, wie viel sie noch hat. Aber da sie in Durban keinen Treibstoff gebunkert hat, könnte sie nur mit einer außergewöhnlich sparsamen Fahrweise überhaupt einen der südlichen Häfen Angolas erreichen," hieß es. Bei einer Reisegeschwindigkeit von rund 30 Kilometern pro Stunde würde das bedeuten, dass der Frachter frühestens am Dienstagabend Angolas Küstengewässer erreichen könnte.

Doch selbst wenn Kapitän Sunaijun die in Simbabwe dringend erwartete Ladung dort löschen könnte: Auf dem Landweg könnten die Container aus Angola nicht nach Simbabwe gebracht werden, da beide Länder keine gemeinsame Grenze haben. Sie müssten entweder über namibisches oder sambisches Gebiet gebracht werden. Doch kein Nachbarland Simbabwes will sich die Hände bei diesem Deal noch schmutzig machen, nachdem selbst die Afrikanische Union bei einer Konferenz in Ghana am Sonntag die Geduld mit Mugabe verloren und "angesichts wachsender Spannungen" ultimativ die unverzügliche Veröffentlichung der Wahlergebnisse vom 29. März verlangt hat.

Mugabes Schergen bleibt nur der Luftweg. Um die 70 Tonnen zu transportieren sind allerdings zwei der in Afrika häufig eingesetzten russischen Transportflugzeuge vom Typ IL 76 notwendig - für Mugabes finanziell ruinierte Staatsbank ein teures Vergnügen.

Südafrikanische Zeitungen berichten unterdessen, dass Militär, Polizei, der Geheimdienst und sogar Mugabes Leibwache dringend neue Munition und neue Waffen brauchten. Mehrere Lieferungen – Hauptlieferant China - hätten storniert werden müssen, weil die Staatsbank die Rechnungen nicht habe bezahlen können. Am Sonntag habe deshalb ein Krisentreffen der Generalität von Simbabwe stattgefunden, bei dem darüber beratschlagt worden sei, wie die ersehnte Lieferung aus China ihre Empfänger doch noch erreichen könne. Dabei sei auch der Weg über das ostafrikanische Tansania erwogen worden. Aber auch dort seien Mugabes Gefolgsleute bei entsprechenden Sondierungen auf Ablehnung gestoßen.

Dennoch beteuert der stellvertretende Informationsminister Simbabwes, Bright Matonga, trotzig: "Da die Waffen für uns bestimmt sind, werden sie auch irgendwie nach Simbabwe gelangen. Wofür sie eingesetzt werden, geht niemanden etwas an."

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