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Einwanderung in England Kulturkampf um Curryköche

2. Teil: Warum Briten, Polen und Tschechen nicht mit Curry kochen können

Seit Ende Februar gilt nun ein Punktesystem nach australischem Vorbild. Die kürzlich abgewählte konservative Regierung in Australien war bekannt für ihre besonders scharfe Einwanderungspolitik. Nur wer gut Englisch spricht, viel Geld mitbringt und bestens ausgebildet ist, bekommt in Zukunft eine hohe Punktzahl – und damit Einlass in Großbritannien. Ein bengalischer Hilfskoch gelangt nicht über diese Hürde, denn Gering-Qualifizierte dürfen bis auf Weiteres nicht einwandern. Die Regierung erklärte, EU-Bürgern sollten diese Stellen füllen.

Die Regierung geht sogar noch weiter: Wer illegale Immigranten beschäftigt, muss mit empfindliche Strafen von bis zu 12.500 Euro rechnen – genug, um ein Restaurant in den Ruin zu treiben.

Gegen die neuen Gesetze wehrt sich Azmal Hussain, Chef von vier Restaurants in der Brick Lane. Er will dafür kämpfen, dass die neuen Gesetze wieder gelockert werden. Hussain hat beste Verbindungen: Gerade wurde er zu einem der Botschafter für die Olympischen Spiele in London 2012 ernannt. Zusammen mit seinem Wahlkreisabgeordneten hat Hussain einen Antrag ins Parlament eingebracht, der eine Lockerung der Visabestimmungen für Kellner und Köche vorsieht. 29 Abgeordnete, darunter auch Labour-Mitglieder, haben schon unterschrieben. Mitte April demonstrierte Hussain zusammen mit Tausenden anderen Gastwirten, Kellnern und Köchen auf dem Trafalgar Square in der Londoner Innenstadt.

Doch Premier Brown gibt sich kompromisslos. Angesprochen auf die landesweit 25.000 freien Stellen in der Curry-Industrie, erklärte er, es gebe keine Pläne, die Regeln zu lockern. "Wir müssen die Menschen, die schon im Lande sind, besser ausbilden", sagte Brown vor Journalisten. Gemeint waren arbeitslose Briten und EU-Einwanderer. Das sei seine Antwort auf die Forderungen der Restaurantchefs. Das neue Einwanderungsrecht sei fair: "Es gibt uns die Möglichkeit zu entscheiden, was die britische Wirtschaft wirklich braucht", sagt Brown.

Curry ist in Gefahr - auch wegen der Reispreise

Alle Proteste kommen ohnehin zu spät, um das Curry als Nationalgericht für alle zu retten: Die weltweit steigenden Preise für Nahrungsmittel lassen auch die Restaurants nicht ungeschoren. Innerhalb des letzten Jahres ist der Preis für Reis um 60 Prozent gestiegen. Und der Personalmangel treibt die Lohnkosten in neue Höhen. Imbissunternehmer Abdul Shahid hat von Kollegen gehört, die ihren Mitarbeitern höhere Gehälter, freie Kost und Logis bieten, nur um sie zu halten. "Wir beginnen jeden Tag um zwölf und sind nie vor Mitternacht fertig", so Shahid: "Das ist nicht jedermanns Sache."

Für eine bestimmte Gruppe in England scheint das wirklich nichts zu sein: die nun reichlich eingereisten Osteuropäer. Die Restaurants könnten doch Polen und Tschechen einstellen, wenn es wirklich an Personal mangele, hatte die Brown-Regierung erklärt. Shahid hat es probiert – und war nicht begeistert. Er habe einen Osteuropäer vom Arbeitsamt zugewiesen bekommen. "Der kam zwei Tage lang – und dann nie wieder." Er habe wohl den Currygeruch in der Küche nicht ausgehalten. Außerdem werde bei ihm eben Bengalisch gesprochen – nicht gerade einfach für einen Polen, der gerade versucht, erst einmal Englisch zu lernen.

Dass hier zwei Kulturen aufeinanderprallen, davon ist auch "Curry Capital"-Wirt Ali Khan überzeugt: "Wir haben tausend Gewürze, um ein Curry zu machen. Das werden die Osteuropäer niemals verstehen." Er winkt ab. Allenfalls zum Abwaschen könnte er vielleicht einen von ihnen brauchen. Die Vorurteile sind so groß, dass mancher wohl lieber sein Restaurant dicht macht, als einen Polen einzustellen.

Am anderen Ende Londons, im Westen der Stadt, schießen übrigens gerade polnische Restaurants wie Pilze aus dem Boden.

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