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23.04.2008
 

Vorwahl in Pennsylvania

Clintons Sieg rettet ihre Bewerbung

Aus Philadelphia berichtet Gregor Peter Schmitz

Hillary Clinton kann weitermachen. Bei den Vorwahlen in Pennsylvania holt sie einen deutlichen Sieg - den sie prompt zur Trendwende erklärt. Während Barack Obama die Niederlage kleinredet, graut vielen Demokraten vor einer Fortsetzung der Schlammschlacht im Duell der Kandidaten.

Philadelphia - Die Schilder im Park Hyatt in Philadelphia weisen zum "Celebration Event". Doch wer nur auf die Worte achtet, kann sich auch bei einer Arbeiterkundgebung fühlen. Der erste Vorredner dröhnt: "Sie ist eine harte Frau." Der zweite verspricht: "Sie wird jeden Tag für uns arbeiten." Vom Band tönt ein Lied mit dem Refrain: "Sie wird nicht klein beigeben."

Dann tritt Hillary Clinton selbst ans Mikrofon. Die US-Fernsehsender haben ihren Sieg bei der Vorwahl in Pennsylvania schon verkündet. Deutlich fällt der am Ende aus: 55 Prozent für Clinton, 45 Prozent für den Rivalen Barack Obama. Und die Senatorin aus New York feiert, wie sie seit Wochen Wahlkampf führt. Als harte Kämpferin, die jeden Morgen die Ärmel hochkrempelt - und notfalls die Ellenbogen ausfährt.

"Der Einsatz ist hoch, die Herausforderungen sind groß", ruft Clinton. "Wir müssen uns an die Arbeit machen mit einem Präsidenten, der vom ersten Tag bereit ist." Sie dehnt den Satz genießerisch, denn nicht wenige hatten sie ja schon aufgefordert, aus dem Rennen gegen Obama auszusteigen. Und: "Amerikaner geben nicht auf - und sie verdienen keinen Präsidenten, der aufgibt."

Die Zuhörer im überfüllten Saal jubeln. Sie schwenken Schilder mit der Botschaft: "Hillary ist die schlaue Wahl." Ein Mann ruft: "So was gibt es nur in Pennsylvania." Laut dröhnt der Applaus, als Clinton schließlich verkündet: "Die Stimmung hat sich gedreht."

Nur: wohin? Zwar hat Hillary Clinton einen deutlichen Sieg errungen, der ihre Kandidatur am Leben hält. Aber es ist auch kein Triumph, auf den ihr Team zwischenzeitlich gehofft hatte - vor Wochen lag die Senatorin aus New York in diesem Bundesstaat noch rund 20 Prozent vor Obama.

Diese Nuancen sind wichtig. Denn es geht nicht einfach mehr um Sieg oder Niederlage im erbitterten Duell der Demokraten. Es geht um Erwartungen, um Abstände, um Erfolge bei bestimmten Wählergruppen.

"Ein Sieg ist ein Sieg"

Clintons Berater wollen von Nuancen freilich nichts wissen. "Ein Sieg ist ein Sieg", donnern sie in die Mikrofone. Sie rattern herunter: Barack Obama habe mehr als doppelt so viel für TV-Spots in Pennsylvania ausgegeben wie Clinton. Obama könne aber offensichtlich große US-Bundesstaaten mit weißen demokratischen Kernwählern nicht gewinnen - die jedoch besonders wichtig seien im Kampf gegen die Republikaner im November. Ihre Schlussfolgerung ist immer gleich: Clinton sei einfach die stärkere Kandidatin gegen den republikanischen Hoffnungsträger John McCain.

Die Berater können sich in ihren Argumenten-Stakkatos auf Zahlen stützen. In wichtigen Wählergruppen hat Clinton ihren Rivalen erneut deklassiert: bei weißen Arbeitern. Bei älteren weißen Frauen. Wie sehr gerade die sie lieben, zeigt sich wieder bei der Siegesfeier. Die Filmmusik aus "Rocky" ertönt, die Boxer-Durchhaltestory aus den Siebzigern, mit der Clinton ihren Kampf häufig verglichen hat. Eine Dame fortgeschrittenen Alters im rosafarbenen Polohemd erkennt die Melodie sofort und beginnt ausgelassen neben der Bühne zu tanzen. Oben auf der Bühne haben Clintons Helfer jede Menge junge Frauen postiert - doch die können mit dem ollen "Rocky" wenig anfangen, sie winken eher gelangweilt mit ihren Schildern.

Sie sind ohnehin nicht repräsentativ beim Clinton-Auftritt. Denn auch Obama kann Trost aus den Zahlen ziehen: Bei den Jungen, den besser Ausgebildeten, den Erstwählern liegt er nach wie vor deutlich vorne. Unter schwarzen Wählern siegte er gar mit 92 zu 8 Prozent. Seine Berater verkaufen das trotzig als Erfolg - und hatten ohnehin schon vor dem Wahltag die Erwartungen gesenkt. Weil Clintons Familie aus Pennsylvania stammt, weil in dem Bundesstaat viele alte, katholische, weiße, einfachere Demokraten leben. Alles Gruppen, die eher Clinton bevorzugen.

Obama ist schon nach Indiana weitergezogen

Der Bewerber selbst war am Abend schon gar nicht mehr in Pennsylvania, sondern bereits nach Indiana weitergereist, wo die nächste Vorwahl am 6. Mai stattfinden wird. Bei einem Auftritt in Evansville behandelt er die Ergebnisse aus Pennsylvania wie ein lästiges Schlagloch auf dem Weg ins Weiße Haus. "Wir haben den Vorsprung verringern können", sagt Obama bloß - und blickt nach vorne.

Denn in den Umfragen für die nächsten Abstimmungen in Indiana und North Carolina führt Obama wieder. Schon mit einem deutlichen Sieg in North Carolina könnte er die Verluste von heute wieder ausgleichen. Nach wie vor liegt er insgesamt klar vorne: bei der Zahl seiner Siege in Bundesstaaten, bei den Wählerstimmen, bei den Delegierten für den Nominierungsparteitag im August. Er hat auch noch viel mehr Geld auf der hohen Kante: 42 Millionen Dollar. Clintons Team ist hingegen so gut wie pleite - ihre Berater verkündeten freilich nach der Siegesfeier, innerhalb weniger Stunden seien schon mehrere Millionen Dollar frischer Spenden eingegangen.

Dennoch wirkt Obama angeschlagen. Der Messias sei zur Erde gefallen, hat der Kolumnist David Brooks vorige Woche treffend geschrieben. Ein natürlicher Prozess in Wahlkämpfen, doch für viele seiner jungen begeisterten Anhänger nur schwer zu verdauen.

Bittere Wochen liegen vor den Demokraten

Obama wird nach dem Wahlergebnis und seinen unglücklichen Bemerkungen über "verbitterte" Wähler in Gegenden wie Pennsylvania Fragen zu seiner Anziehungskraft auf einfache weiße Bevölkerungsschichten neu beantworten müssen. Und Clintons Helfer werden weiter versuchen, Obama als nicht hart genug für den Kampf gegen die Republikaner darzustellen. Gerade gegenüber den Super-Delegierten: jenen rund 800 Partei-Hierarchen, die beim Nominierungsparteitag in August über den Kandidaten entscheiden könnten.

In den vergangenen fieberhaften Tagen in Pennsylvania hatte Clinton ihren Rivalen indirekt gar mit George W. Bush verglichen: Amerika könne sich nicht noch einmal einem unerfahrenen Präsidenten anvertrauen. In der TV-Debatte am vorigen Mittwoch raunte sie über angebliche Kontakte Obamas zu linken Bombenlegern. In einen Werbespot baute Clintons Team ein Bild Osama Bin Ladens ein - und suggerierte, Obama sei auf Krisen einfach nicht vorbereitet.

Wird diese Schlammschlacht nun noch heftiger? In der Wahlnacht diskutieren Obamas Berater laut Medienberichten bereits, ob sie Clinton ähnlich hart attackieren sollen. Den Demokraten stehen weitere bittere Wochen bevor. Denn trotz aller Zahlenfixierung scheinen beide Bewerberlager eine Zahl zu ignorieren: Mehr als 40 Prozent der Demokraten sehen mittlerweile den einst so faszinierenden Zweikampf zwischen Obama und Clinton eher negativ.

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