Von Henning Lohse, Paris
Das Versprechen klang, wie so oft bei Nicolas Sarkozy, großartig. "Ich werde in meine Regierung gleich viele Frauen und Männer aufnehmen", kündigte der Wahlkämpfer vollmundig an. Das war im Frühjahr 2007. Der Kandidat Sarkozy befand sich im Rennen um den Elysée-Palast auf der Zielgeraden, und sein Kontrahent war eine Frau. Nach dem Wahlsieg über die Sozialistin Ségolène Royal aber sündigte der selbsternannte Kämpfer für Frauenstimmen und Frauenrechte.
Kabinett Sarkozy: Die Damen setzen sich durch - soweit der Übervater es zulässt
Tatsächlich landete Sarkozy mit seinen Ministerinnen und Staatssekretärinnen einen Überraschungscoup, der anhält. Am Ende des ersten Amtsjahres haben Sarkozys Regierungsdamen sich in der politischen Landschaft Frankreichs etabliert. Dabei sind die Politladys dank prägnanter Auftritte deutlich präsenter als die meisten ihrer männlichen Kollegen.
Sarkozys Image braucht die Frauen
Dem ehrgeizigen Sarkozy, der sehr auf die öffentliche Meinung achtet, ging es bei der Mischung seiner Regierung mehr ums Image als um Gleichberechtigung. Der 53-Jährige wollte sich vor allem vom väterlich auftretenden Vorgänger Jacques Chirac unterscheiden. Deshalb holte Sarkozy Frauen, Jugend, Farbe und Minderheiten in die Regierung. Der Neue will erklärtermaßen "die französische Politik entstauben" - und das ist ihm auch auf spektakuläre Weise gelungen.
| Frauen in Frankreichs Kabinett | |
| Inneres | Michèle Alliot-Marie |
| Justiz | Rachida Dati |
| Landwirtschaft | Christine Lagarde |
| Kultur | Christine Albanel |
| Forschung, Hochschule | Valérie Pécresse |
| Gesundheit, Jugend, Sport | Roselyne Bachelot-Narquin |
| Wohnungs- und Städtebau | Christine Boutin |
Da sowohl die konservative UMP-Partei als auch die Sozialisten noch männergeführte Bastionen sind, setzte Sarkozy bei seiner Damenoffensive notgedrungen auf qualifizierte Seiteneinsteiger. Und die haben im ersten Regierungsjahr ihren Spielraum genutzt, so gut es unter dem omnipräsenten Sarkozy eben geht.
Rachida Dati, 42, die vom Richterposten auf den Stuhl des Justizministers wechselt, hat gegen viele Widerstände eine seit langem überfällige Reform der Justiz angeschoben. Schlagzeilen machte die aus einfachen Verhältnissen stammende Dati vor allem aber mit ihrem Hang zu schönen Roben. Im Dezember 2007 lächelte sie im teuren Dior-Outfit und mit hochhackigen Stiefeln vom Titel der Glamour- und Peoplezeitschrift "Paris-Match". Ihre Mitarbeiter äußerten sich erstaunt, teils schockiert über das Amtsverständnis der Chefin, die linke Tageszeitung "Liberation" ernannte Dati flugs zur "Barbie-Ministerin".
Nicht nur Kleidchen, auch Köpfchen
Solche zwiespältigen Auftritte erlaubt sich Christine Lagarde, 52, nicht. Wenn die Wirtschafts- und Finanzministerin mit Kurzhaarschnitt und Blazer vor die Mikrofone tritt, geschieht das mit damenhafter Eleganz und viel Professionalität. Lagarde hat eine atemberaubende Karriere als Juristin in den USA hingelegt. In der renommierten Kanzlei Baker & McKenzie arbeitete sie sich zwischen 1981 und 2004 bis in die Spitze des Weltvorstands hoch, war am Ende Chefin von 4400 Mitarbeitern in 35 Ländern.
Von ihren europäischen Ministerkollegen erntete die fachlich gut aufgestellte Lagarde schon mal Mitleid, wenn sie vom deutlich kleineren Sarkozy düpiert wird. Etwa, wenn der Präsident beschließt, kurz nach seinem Wahlsieg den skeptischen EU-Kollegen höchstpersönlich die Gründe für das französische Haushaltsdefizit zu erklären - und Lagarde beim Blitzbesuch ihres Präsidenten stumm im Schlepptau mitlaufen muss. Das macht sie ohne mit der Wimper zu zucken. Die ehemalige Synchronschwimmerin der französischen Nationalmannschaft kommt auch unter schwierigen Bedingungen nicht aus dem Takt.
Die Ex-Konkurrenz ist jetzt Innenministerin
Disziplin und Loyalität zum Staatschef gelten auch als Stärke von Michèle Alliot-Marie. Die 62-jährige Vollblutpolitikerin hat unter Chirac bereits fünf Jahre als Verteidigungsministerin gedient, sie wurde sogar als Kandidatin der Konservativen für den Elysée gehandelt. Um die Siegeschancen des rechten Lagers nicht zu schmälern, trat sie nach langem Zögern nicht gegen Nicolas Sarkozy an. Zum Dank erhielt sie nach dessen Wahl das einflussreiche Innenministerium zugesprochen.
Damit sichert sich "MAM", wie sie in der Öffentlichkeit genannt wird, zumindest theoretische Chancen auf das Amt des Staatsoberhauptes. Es ist in Frankreich ein offenes Geheimnis, dass ein amtierender Innenminister als Chef der Geheimdienste Zugang zu vielen nützlichen Informationen hat. Diese delikaten Aktenkenntnisse über Politikerkollegen und Wirtschaftsführer sind nicht von Nachteil beim weiteren politischen Aufstieg. Einer der Vorgänger von "MAM" im Innenministerium hieß übrigens Nicolas Sarkozy.
Auch auf der Ebene der Staatssekretäre hat der gewitzte Sarkozy überrascht, indem er auf die Macht der Frauen setzt. Dabei haben Staatssekretäre in den französischen Politsphären mehr Einfluss als etwa in Deutschland. Sie gelten als vollwertige Regierungsmitglieder, erhalten ein ähnlich hohes Gehalt wie die Minister plus einen Dienstwagen mit Chauffeur. Die Staatssekretäre werden einem bestimmten Minister zugeteilt. Im Ministerrat sind sie nicht vertreten, es sei denn sie werden zu ihrem Aufgabenbereich angehört.
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