Von Henning Lohse, Paris
Die gebürtige Senegalesin Rama Yade, 31, die im Außenministerium am Quai d’Orsay als Staatssekretärin über die Menschenrechte wacht, bot Sarkozy die schöne Stirn. Sie kritisierte den umstrittenen Paris-Besuch von Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi heftig: "Frankreich ist kein Fußabtritt, auf dem ein Staatsführer, ob Terrorist oder nicht, seine blutigen Füße abwischen kann." Sarkozy beorderte Yade zu sich, aber er ließ sie im Amt.
Die konservative Staatssekretärin für Umweltschutz, Nathalie Kosciusko-Morizet, zeigte ähnlichen Mut, als sie ihren Minister Jean-Louis Borloo hart anging. Beim Thema "Genmanipulierte Pflanzen" warf die 34-Jährige ihm "Feigheit und Uneleganz" vor, weil er sich nicht genug für eine Kontrolle der umstrittenen Gentechnik einsetzte.
Sarkozy, Premierminister Fillon und Borloo trafen sich am Tag darauf zum Krisengespräch in trauter Männerrunde. Fillon verkündete anschließend das Urteil zur "Affäre Kosciusko-Morizet" ("Le Parisien"). Die aufmüpfige Jungpolitikerin musste sich öffentlich entschuldigen, um Kopf und Amt zu retten.
Mit etwas Abstand erscheint "NKM", wie sie intern genannt wird, gestärkt durch den Showdown. Sie gilt als extrem ehrgeizig, ist im politischen Alltag eher mit Kerosin als mit Biosprit unterwegs. Elysée-Fachleute glauben, das Präsident Sarkozy "dieses brillante Arbeitstier" ("Le Parisien") als Staatssekretärin nur testet. Wenn sie es schafft, gibt es ein großes Ministerium, wenn nicht, fliegt sie.
Die Assemblée Nationale ist nur zu einem Fünftel weiblich
Doch die Damenoffensive ist erst am Anfang. Noch immer sind Politikerinnen im Land der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit dramatisch unterrepräsentiert. Zwar wurde 2000 ein Gesetz zur Gleichstellung von Männern und Frauen bei der Besetzung politischer Posten verabschiedet. Trotzdem bleiben die Frauen in den Parteien und Parlamenten eine Minderheit. In der Assemblée National etwa beträgt ihr Anteil im Jahr 2008 beschämende 18 Prozent. Damit dümpelt Frankreich im EU-Vergleich gerade mal im unteren Mittelfeld.
Hätte sich das unter Ségolène Royal schneller geändert? Im Wahlkampf repräsentierte die Kandidatin der Sozialisten das gewandelte Rollenbild im modernen Frankreich. Dabei liegt auch bei der Parti Socialiste noch so einiges im Argen. Nach den Kommunalwahlen im März waren nur 15 Prozent der neu gewählten sozialistischen Bürgermeister Frauen.
Noch schlechter schnitt die UMP ab, Sarkozys Partei. Sie schaffte gerade einmal acht Prozent Frauenanteil.
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