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29.04.2008
 

Uno und Weltbank

Milliarden-Notprogramm gegen Hungerkrise

Uno und Weltbank schlagen Alarm: Um die Explosion der Lebensmittelpreise zu stoppen, wurden milliardenschwere Soforthilfen beschlossen. Die reichen Staaten sollen den ärmsten Länder der Welt dringend Saatgut finanzieren.

Bern - Alle Kräfte der Vereinten Nationen sollen gebündelt werden: Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon schlägt Alarm. Um den Hungernden zu helfen und weitere Lebensmittelkrisen zu verhindern, seien zunächst 755 Millionen Dollar (485 Millionen Euro) Soforthilfe notwendig, wie sie das Welternährungsprogramm (WFP) schon gefordert habe. Außerdem will die Landwirtschaftsorganisation der Uno Bauern in den ärmsten Ländern der Welt für 1,7 Milliarden Dollar (1,09 Milliarden Euro) Saatgut zur Verfügung stellen.

Unterernährtes Kind in Nicaragua: Großhändler halten Vorräte zurück
AP

Unterernährtes Kind in Nicaragua: Großhändler halten Vorräte zurück

Im Kampf gegen die Explosion der Lebensmittelpreise gründete die Uno zusammen mit der Weltbank eine Eingreifgruppe. Die jüngsten Preissteigerungen seien für die Staatengemeinschaft eine beispiellose Herausforderung globalen Ausmaßes, erklärten die Vereinten Nationen zum Abschluss eines halbjährlichen Treffens ihrer Organisationen in Bern. "Die Krise trifft die Schwächsten der Welt."

Die Weltbank gab die Verdoppelung ihrer Kredite für landwirtschaftliche Projekte in Afrika innerhalb eines Jahres bekannt. Die Summe werde 800 Millionen Dollar (rund 515 Millionen Euro) erreichen. Es wird außerdem erwogen, armen Staaten zur Bewältigung der Nahrungskrise Schnellkredite anzubieten.

Warum die Lebensmittelpreise so hoch sind

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Neue Essgewohnheiten

Biokraftstoffe

Spekulationen

Schlechte Ernten

In Asien, Nordafrika und der Karibik ist es wegen der Verteuerung von Lebensmitteln wiederholt zu Protesten gekommen. Grund für die Preissteigerungen sind höhere Energiekosten, eine stärkere Nachfrage nach Nahrungsmitteln in Asien und der durch staatliche Subventionen geförderte Biosprit-Boom.

Der Chef des Uno-Umweltprogramms (Unep), Achim Steiner, hatte zuvor Spekulanten für die massiven Preissteigerungen bei Lebensmitteln verantwortlich gemacht. Es gebe ausreichend Lebensmittel, um alle Menschen in der Welt zu ernähren, sagte der deutsche Uno-Diplomat in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Aber die Spekulation an den Märkten bringe die Ärmeren durch überhöhte Preise ins Abseits.

Der Unep-Generaldirektor warnte die Regierungen vor Panikreaktionen und mahnte langfristige Lösungen an. Steiner sprach sich für eine nachhaltige Landwirtschaft in der Welt aus. Er forderte in diesem Zusammenhang ein Stopp des exzessiven Einsatzes von Düngemitteln und Wasser. Beides sei teuer und verschwenderisch.

Mit Notmaßnahmen wollen die Regierungen der Philippinen und Malaysias die Folgen der Reisknappheit für die Ärmsten der Armen mindern. Die malaysische Regierung kündigte am Montag Subventionen für die heimische Reisproduktion an, die derzeit rund zwei Drittel der Bevölkerung versorgt.

In Manila sollen Reiskarten ausgegeben werden, mit denen Grundnahrungsmittel zur Hälfte des Marktpreises gekauft können. Der heimische Reisanbau soll mit einem Investitionsprogramm von 750 Millionen Euro angekurbelt werden.

In Vietnam drohen harte Strafen für jeden, der aus der Krise Profit schlagen will. Die Behörden erklärten, in den vergangenen Tagen hätten mehrere Unternehmen massenhaft Reis aufgekauft, um ihn später mit Profit weiterzuveräußern. Außerdem hielten Großhändler Vorräte zurück, sagte eine Sprecherin. Die Reisvorräte in Vietnam seien für den heimischen Verbrauch ausreichend, betonte Ministerpräsident Nguyen Tan Dung den staatlichen Medien zufolge. Die Tageszeitung "Phapluat" titelte am Montag mit der Schlagzeile "Keine Panik".

Hart getroffen von der Entwicklung werden auch die israelischen Verbraucher. Die Preise für Reis stiegen in der vergangenen Woche um 60 Prozent, für Mehl um 25 Prozent und für Nudeln um 12 Prozent. Eine Supermarktkette begrenzte den Einkauf auf zwei Beutel Reis pro Kunden.

als/Reuters/AP

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