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28.05.2008
 

Elizabeth Paulson, Südafrika

"Wie kriege ich sie heute wieder satt?"

Aufgezeichnet von Karl-Ludwig Günsche

Elizabeth Paulson hat als einzige in ihrer Familie feste Arbeit. Doch die Kosten für Lebensmittel, Strom und Wasser sind so stark gestiegen, dass das Geld nur noch für die Grundversorgung reicht. Meist gibt es Marmeladenbrot oder Maisbrei - und die nächste Preiserhöhung steht schon fest.

Mein erster Gedanke jeden Morgen: Wie kriege ich sie heute wieder alle satt. Dabei sparen wir schon an allen Ecken und Enden. Weil das Wasser so teuer geworden ist, waschen wir uns nur noch jeden zweiten Tag. Auch der Strom ist kaum noch zu bezahlen: Früher bekam ich für fünf Rand (0,43 Euro) elf Einheiten, jetzt muss ich zehn Rand für zwölf Einheiten hinlegen. In Delft, wo ich mit meiner Familie seit 15 Jahren lebe, bekommen wir Strom nur gegen Vorkasse.

Elizabeth Paulson, 52: "Dabei geht's uns noch gut"
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Karl-Ludwig Günsche

Elizabeth Paulson, 52: "Dabei geht's uns noch gut"

Ich weiß oft wirklich nicht, wie wir über die Runden kommen sollen. Dabei geht es uns im Vergleich zu vielen meiner Nachbarn noch gut. Ich habe wenigstens einen Job und kann die Familie zusammenhalten. Seit mein Mann Kevin krank geworden ist, kann er mit seinen 52 Jahren nicht mehr arbeiten. Auch meine beiden Söhne verdienen kaum etwas: Clayton arbeitet - wenn er etwas findet - auf dem Bau, Ricardo macht hin und wieder Gelegenheitsjobs. Deborah, meine jüngste Tochter, ist mein Sorgenkind: Wir mussten sie in eine psychiatrische Anstalt bringen, nachdem Tatum, ihre kleine Tochter, mit noch nicht einmal vier Jahren gestorben ist.

Unser aller Hoffnung ist Melanie. Sie studiert Journalismus. In einem Jahr wird sie fertig. Für dieses Ziel kämpfen wir alle. Ihr Studium habe ich mit einem Kredit finanziert, für den ich immer noch Monat für Monat 340 Rand (29 Euro) abzahle.

Aber - und deshalb sage ich, es geht uns immer noch gut - ich arbeite seit acht Jahren in einem Gästehaus in Kapstadt und habe damit als einzige in der Familie wenigstens ein festes Einkommen. Rund 2500 Rand (214 Euro) sind das jeden Monat. Das Sammeltaxi nach Kapstadt kostet mich jeden zweiten Tag 18 Rand. 740 Rand (63 Euro) muss ich Miete für unser kleines Haus zahlen, zwei Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küche für uns sechs.

"Früher konnten wir uns manchmal Luxus leisten"

Obwohl ich sowieso nur bei Shoprite einkaufe, weil da vieles ein oder zwei Rand billiger ist, als in den anderen Supermärkten, bin ich jedes Mal wieder geschockt, wie teuer die Lebensmittel geworden sind. Zucker kostet jetzt 17 Rand, Öl, Butter, Brot: Alles ist kaum noch zu bezahlen. Früher konnten wir uns hin und wieder ein bisschen Luxus leisten - Milch zum Beispiel. Jetzt reicht es nur noch für die Grundbedürfnisse, für Reis, Mehl, Öl, Kaffee, Eier, etwas Seife zum Waschen.

Preise in Südafrika (in Euro)


Weizenmehl 1 kg = 0,66 Euro
Milch 1 l = 0,58 Euro
Zucker 1 kg = 0,56 Euro
Huhn 1 kg = 1,54 Euro
Kartoffeln 1 kg = 0,54 Euro
Gemüse ist nicht so teuer. Für zwei, drei Rand kriege ich ein Bund Karotten. Ganz selten habe ich mal ein Stück Fleisch im Topf - mit viel Kartoffeln zum Sattwerden. Die kaufe ich bei einem "fliegenden" Händler. Da kostet das Kilogramm nur sechs Rand.

Gestern war ein Festtag: Ich hatte ein preiswertes Huhn mit nach Hause gebracht und habe Hühner-Curry mit Reis gekocht. Meistens muss ein Topf Porridge reichen. Oder Pap, das ist unser traditioneller Brei aus Maismehl. Aber oft genug haben wir nur Brot und etwas Marmelade. Das Brot backe ich selber, weil das billiger kommt. Brot ist wirklich unser Hauptnahrungsmittel. Bei allen festen Ausgaben, Miete, Strom, Wasser, Sammeltaxi, Studienkosten für Melanie bleiben einfach nicht mehr als 600 Rand für das Essen.

Ich schreibe meine Ausgaben ganz genau auf. Vor 15 Jahren habe ich zwei Rand für ein Brot gezahlt, heute sieben, einen Rand mehr als 2007. Reis wird schon wieder um ein Drittel teurer. Ich fürchte, wie werden bald hungern.

Karl-Ludwig Günsche

Elizabeth Paulson, Südafrika:
"Wie kriege ich sie heute wieder satt"
Elizabeth Paulson hat als einzige in ihrer Familie feste Arbeit. Doch die Kosten für Lebensmittel, Strom und Wasser sind so stark gestiegen, dass das Geld nur noch für die Grundversorgung reicht. Meist gibt es Marmeladenbrot oder Maisbrei - und die nächste Preiserhöhung steht schon fest. Aufgezeichnet von Karl-Ludwig Günsche mehr...


Andreas Lorenz

Yu Liping, Peking:
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Die Sekretärin Yu Liping spürt den Preisanstieg im Supermarkt deutlich - was jedoch für sie und ihren Mann kein großes Problem ist: Sie sind Doppelverdiener mit einem Kind. Die abendliche Milch für den Sohn und die regelmäßigen Restaurantbesuche sind weiterhin drin. Aufgezeichnet von Andreas Lorenz mehr...


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Hilja Müller

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Brenda Ondisa, Kenia:
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Jürgen Kremb

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"Die Inflation macht uns sehr zu schaffen"
Eine typische Mittelstandsfamilie in Singapur: er selbständig, sie Hausfrau, drei Kinder, keine Sorgen. Doch inzwischen sind die Lebensmittelpreise so gestiegen, dass die 44-jährige Catherine Chin auf jeden Cent achten muss, um ihre Familie satt zu bekommen. Aufgezeichnet von Jürgen Kremb mehr...


Britta Petersen

Vijayama, Indien:
"Wir essen jetzt mehr Sardinen - die sind nahrhaft und preiswert"
Vijayama muss von umgerechnet 130 Euro im Monat 13 Kinder satt bekommen - kaum möglich mit den heutigen Preisen. Viele Lebensmittel sind komplett gestrichen. Mangos und Spinat gibt's nur deshalb noch, weil sie sie selber im Garten anbaut. Aufgezeichnet von Britta Petersen mehr...


Asèta Ouédraogo, Burkina Faso:
"Schulgeld für die Kinder können wir nicht mehr bezahlen"
Statt Reis mit Gemüse gibt es meist nur noch Maisfladen: Drei Viertel ihrer Einkünfte muss Asèta Ouédraogo aus Burkina Faso für Nahrungsmittel ausgeben. Wenn die Preise so hoch bleiben, kann bald keines der vier Kinder mehr zur Schule gehen. Aufgezeichnet von Hannes Mehrer mehr...


Amira El Ahl

Tahia Alwi Mohammed, Ägypten:
"Am Monatsende ist das Geld weg"
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