Washington - Er ist der einzige Journalist eines internationalen Medienunternehmens, der bislang in Guantanamo festgehalten wurde: Über sechs Jahre war der Sudanese Sami al-Hadsch in dem US-Gefangenenlager auf Kuba inhaftiert. Der Kameramann des arabischen Fernsehsenders al-Dschasira wurde nie offiziell angeklagt.
Kameramann al-Hadsch nach seiner Rückkehr (mit seinem Sohn): "Es ist ein Fehler gemacht worden"
Der Guantanamo-Leiter Jeffrey Gordon rechtfertigte die lange Gefangenschaft des Sudanesen. Al-Hadsch sei ein "entschlossener feindlicher Kämpfer", sagte Gordon. Die Überstellung in den Sudan bedeute, dass die USA der dortigen Regierung zutraue, die Bedrohung durch al-Hadsch "effektiv zu unterbinden".
Neben al-Hadsch wurden acht weitere Häftlinge in ihre Heimatländer abgeschoben. Wie das US-Verteidigungsministerium mitteilte, wurden fünf der Freigelassenen nach Afghanistan gebracht, zwei weitere in den Sudan und einer nach Marokko.
Gebetsverbot für Häftlinge?
Al-Hadsch, über dessen Freilassung al-Dschasira live berichtete, warf den US-Behörden schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Die Häftlinge seien daran gehindert worden, entsprechend den muslimischen Gepflogenheiten zu beten. Auch sei der Koran "beleidigt worden", sagte al-Hadsch, der von al-Dschasira in seinem Krankenhausbett in Khartum gezeigt wurde.
Der Kameramann war im Dezember 2001 in Pakistan festgenommen worden, als er nach Afghanistan einreisen wollte, um dort über die US-geführte Invasion zu berichten. Er wurde an die US-Truppen übergeben und im Januar 2002 nach Guantanamo gebracht. Seitdem war er dort ohne Anklage inhaftiert. Die Gefangenname des 38-Jährigen hatte weltweit Proteste ausgelöst.
"Ich bin keine Bedrohung für die USA"
Die US-Streitkräfte hatten ihm vorgeworfen, als Kurier für eine militante islamische Organisation tätig gewesen zu sein. Er soll sich in den neunziger Jahren mit einem ranghohen Vertrauten von al-Qaida-Chef Osama Bin Laden getroffen und mehrfach als Geldkurier für ein Getränke-Unternehmen gearbeitet haben, das islamische Extremisten unterstützte.
Al-Hadsch wirft den USA vor, sie hätten ihn gefangengenommen, weil er über Menschenrechtsverletzungen der US-Streitkräfte in Afghanistan berichtet habe. Den Vorwurf, er habe Verbindungen zu Terroristen, wies er stets zurück. "Bei allem Respekt: Es ist ein Fehler gemacht worden. Ich war niemals Mitglied einer terroristischen Vereinigung", erklärte er bei einer Anhörung im April vergangenen Jahres. "Ich kann ohne Zögern sagen, dass ich keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten bin."
Ausgemergelt, Probleme mit Leber und Nieren
Nach Angaben seiner Anwälte befand sich al-Hadsch seit Januar vergangenen Jahres im Hungerstreik, um gegen die Haftbedingungen auf Guantanamo zu protestieren. Sein Anwalt Zachary Katznelson hatte nach einem Treffen am 11. April berichtet, der 38-Jährige sei regelrecht ausgemergelt und habe Probleme mit Leber und Nieren. Häftlinge im Hungerstreik werden in Guantanamo zwei Mal täglich über einen durch die Nase eingeführten Schlauch zwangsernährt.
Die US-Regierung ist in der Vergangenheit von zahlreichen Regierungen und Menschenrechtsorganisationen wiederholt aufgerufen worden, das Lager Guantanamo zu schließen. Seit dem 11. Januar 2002 waren etwa 800 Männer und Jugendliche in dem Lager inhaftiert. Laut Angaben aus dem Pentagon werden in Guantanamo derzeit noch rund 270 Menschen aus mehr als 20 Ländern festgehalten, die der Verbindungen zu al-Qaida und den Taliban verdächtigt werden.
amz/AFP/AP
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