Samstag, 21. November 2009

Politik



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04.06.2008
 

Hungerkrise

Wie Entwicklungshelfer den Tod nach Afrika bringen

Ein Kommentar von Thilo Thielke

In Afrika müsste niemand hungern. Der Hunger dort ist ein Machwerk skrupelloser Herrscher - und ihrer Freunde im Westen. Paradoxerweise sind es Entwicklungshilfeminister, die sich dem Fortschritt in den Weg stellen.

Folgt man der Logik des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen, dann ist das ostafrikanische Kenia mit seinen rund 32 Millionen Einwohnern ein einziges Hungerkatastrophengebiet. In dem beliebten Reiseland, berühmt für Nationalparks wie Tsavo, Samburu oder Meru, verteilen die Uno-Leute nämlich jedes Jahr mehr Lebensmittel als im Südsudan - das jahrzehntelang von Bürgerkriegen verheert wurde. Stirbt Kenia nun also den Hungertod?

Wenn es so wäre, würde es Afrikas Aussichten, sich jemals selbst ernähren zu können, recht düster erscheinen lassen. Ein Blick auf die Landkarte zeigt nämlich, dass Kenia am Victoriasee liegt. Der Victoriasee, von seinem britischen "Entdecker" John Hanning Speke weiland nach dessen Queen benannt, ist eigentlich wie ein Meer - trotz seines stetig sinkenden Wasserpegels. Dieses Binnenmeer verbindet Tansania und Uganda mit Kenia. Es ist ungefähr 68.000 Quadratkilometer groß und damit der größte See Afrikas. Und: Er ist voller Süßwasser.

In Kenia stellt sich also - ähnlich übrigens wie in Malawi, aus dem ebenfalls regelmäßig von Hungersnöten berichtet wird - die Frage: Kann man eigentlich neben einem solch gigantischen Süßwasserreservoir verhungern?

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Natürlich ist Kenia groß. Es verfügt über Savannen, Hochland, Trockenzonen im Norden, Gebirge und feuchtschwüle Gegenden wie die 480 Kilometer lange Ostküste am Indischen Ozean oder den Kakamega-Regenwald im Westen - wo geradezu Treibhausklima herrscht. Wenn man es nur halbwegs geschickt anstellt, dürfte in so einem Land niemand verhungern - und zwar auch ohne die Hilfe der Philanthropen von der Weltgemeinschaft.

Was im Westen dieses gesegneten Landes an Überschüssen produziert wird, müsste einfach in den Norden geliefert und dort verkauft werden. Was den Landwirten einen Anreiz verschaffen würde, mehr zu produzieren. Wenn sie mehr verdienen, zahlen sie auch mehr Steuern. Der Staat nimmt mehr ein und kann in den Ausbau der desaströsen Infrastruktur stecken.

Wie ist das aber nun in Afrika?

Natürlich würde der afrikanische Staat das eingenommene Geld nur äußerst ungern in den Ausbau des Straßennetzes stecken. Gerade erst hat der kenianische Finanzminister Amos Kimunya verkündet, er müsse dringend an der Infrastruktur sparen, weil er sonst das Kabinett nicht bezahlen kann. Kenia hat jetzt 94 Minister und Hilfsminister. Jeder verdient mehr als 20.000 Dollar im Monat und benötigt dazu noch einen eigenen Hofstaat. Im kenianischen Haushalt klafft aus diesem Grund ein Riesenloch von rund 300 Millionen Dollar. Demnächst werden die Kenianer deshalb erklären, die reiche Welt müsse diese Rechnung bezahlen. Andernfalls verhungerten die Kenianer, und der - unter anderem erst durch die Schaffung dieses voluminösen Kabinetts - mühsam erkämpfte Frieden sei in Gefahr.

Die Straßen sind also katastrophal, und sie bleiben es für eine Weile, weswegen der Mais aus dem Westen Tage oder Wochen benötigen würde, um in den Norden des Landes zu gelangen. Aber was soll er da auch? Herrschte im Norden des Landes ein Engpass, war bisher meist schon das World Food Program da und hat kostenlos Lebensmittel verteilt. Dafür werden die Mitarbeiter bezahlt: dass sie Hunger bekämpfen. Und deshalb schreiben sie in der Regel Berichte, in denen die Lage in Afrika dramatisch geschildert wird und die meistens mit Appellen enden, dass mehr Lebensmittel gespendet werden müssten.

Die Entwicklungshelfer, deren Berichte unser Afrikabild maßgeblich prägen, tun das gewissermaßen aus einem Selbsterhaltungstrieb, von dem sie glauben, er sei bei den Afrikanern nicht vorhanden. Die würden ohne Hilfe alle verhungern, sagen die Helfer. Die Helfer würden ohne Hilfe allerdings alle arbeitslos.

Und wenn die Hilfe da ist? Leiden erst einmal die Händler, denn die Lebensmittelpreise fallen ins Bodenlose. Vorratslager anzulegen, lohnt bei der gegenwärtigen Praxis also nicht. Außerdem leiden die Landwirte, denn ihre Ernte wird wertlos. Besser beraten ist folglich, wer sich in der Nähe der Helfer tummelt. Dort gibt es alles umsonst, und arbeiten muss man auch nicht.

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