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06.05.2008
 

Kaukasus

Georgien und Russland rasseln mit den Säbeln

Die Lage in Abchasien und Südossetien spitzt sich zu: Ein georgischer Minister spricht von einem drohenden Krieg mit Russland, die USA warnen Moskau vor der Eskalation. Das russische Militär hat seine Präsenz in den abtrünnigen georgischen Regionen verstärkt.

Tiflis/Washington - Georgien sieht sich nach den Worten eines Ministers kurz vor einem Krieg mit Russland. Der Staatsminister für Fragen der Reintegration, Temur Jakobaschwili, begründete seine Einschätzung am Dienstag in Brüssel mit der Stationierung zusätzlicher russischer Soldaten in der abtrünnigen georgischen Region Abchasien. "Wir müssen im wahrsten Sinne des Wortes einen Krieg abwenden", sagte er.

Auf die Frage, wie nah die Spannungen an einem Krieg seien, sagte Jakobaschwili: "Sehr nah, weil wir die Russen sehr gut kennen." Russland hatte die Verstärkung seiner Truppen in Abchasien damit begründet, einen georgischen Angriff auf die Region verhindern zu wollen. Die Führung in Tiflis hat den Vorwurf ebenso wie die Anschuldigung zurückgewiesen, den Westen in einen Krieg verwickeln zu wollen.

Die USA forderten von Russland ein "Ende der Provokationen". Man rufe "die russische Regierung erneut auf, Georgiens territoriale Integrität und Souveränität zu respektieren", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, am Dienstag in Washington. Russland habe in den vergangenen Tagen und Wochen mit "provokanten Aktionen" die Spannungen mit Georgien noch verschärft. Perino warnte vor diesem Hintergrund vor der Gefahr eines Krieges und bekräftigte die Unterstützung Georgiens seitens der USA.

Das Weiße Haus warf Russland in dem ungewohnt scharfen Appell zudem vor, ein unbemanntes georgisches Flugzeug abgeschossen zu haben, was Moskau jedoch bestreitet. "All diese Schritte haben die Spannungen mit Georgien erheblich und unnötigerweise verschärft", hieß es.

Der Streit zwischen Russland und Georgien hatte Mitte April begonnen, als Moskau bekanntgegeben hatte, seine wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen mit Abchasien und Südossetien vertiefen zu wollen. Die beiden Kaukasus-Regionen hatten sich in den 90er Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Unabhängigkeitskriegen von Georgien gelöst. Völkerrechtlich betrachtet gehören sie zu Georgien, wirtschaftlich sind sie jedoch von Russland abhängig. Die meisten der dort lebenden Menschen haben zudem einen russischen Pass. Zusätzliche Spannungen gibt es zwischen Georgien und Russland, weil die Kaukasusrepublik in die Nato strebt.

Der abchasische "Außenminister" Sergej Schamba schlug unterdessen vor, dass Russland die militärische Kontrolle über die Region übernehmen solle. Im Gegenzug verlange Abchasien Sicherheitsgarantien von der Moskauer Regierung, sagte Schamba der Zeitung "Iswestija".

flo/AFP/Reuters

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