Von Erich Follath
Behauptung: Die Chinesen sagen, da Tibet Teil der Volksrepublik sei, müsse der Nachfolger des jetzigen Dalai Lama von ihnen bestimmt werden. Die Tibeter sagen, es sei unklar, ob es nach dem Ableben des jetzigen Gottkönigs noch einen weiteren Dalai Lama geben werde, und behalten sich jede Regelung dieser Frage selbst vor.
Es ist absurd, wenn sich eine atheistische Kommunistische Partei nun plötzlich auch für Reinkarnationen zuständig fühlt. Aber die Pekinger Herrscher wollen sich - wie ja schon bei dem von ihnen eingesetzten Pantschen Lama - alle Machtoptionen offenhalten.
Der 14. Dalai Lama hat angekündigt, eventuell im Exil nach einem Nachfolger zu suchen, wenn er nicht mehr zu Lebzeiten nach Lhasa zurückkehren kann. Er hält aber auch andere Varianten für möglich, die für Tibet revolutionär wären: zum Beispiel ein Konklave nach Art der Papstwahl; ein Abschaffen der Institution und eine Übertragung der weltlichen Regierungsfunktionen auf einen gewählten Premier - eine Art konstitutionelle Monarchie. Einen Volksentscheid über all das. "Und wenn es weiter Dalai Lamas geben soll, warum dann nicht mal eine Frau?"
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