Von Erich Follath
Behauptung: Die Chinesen sagen, die "Clique" um den Dalai Lama habe die auf dem Gebiet der Volksrepublik lebende "nationale Minderheit" zur Gewalt aufgestachelt und brutale Angriffe gegen Han-Chinesen gebilligt. Die Tibeter bestreiten das vehement und verweisen darauf, dass die ganz überwiegende Mehrzahl der Getöteten - nach ihren Angaben 204, nach Pekings Rechnung 22 - Landsleute gewesen seien.
Der Dalai Lama, immerhin Friedensnobelpreisträger, hat Peking Abschriften aller seiner Reden und eine "Durchsuchung" seiner Privaträume im indischen Dharamsala angeboten - in der Gewissheit, dass sie von ihm keine aufrührerischen Reden finden werden. Seit langem fordert Tibets geistiger und politischer Führer nicht mehr die Unabhängigkeit, sondern nur noch eine "wahre kulturelle und religiöse Autonomie".
Sein friedlicher "Mittlerer Weg" hat ihm Vorwürfe und Kritik seiner ungeduldigen Jugendlichen im Exil eingebracht, von denen einige für Gewalt plädieren. Der Dalai Lama hat sie kritisiert, den Mund verbieten kann und will er ihnen nicht - Tibets demokratisch gewählte Exilregierung schützt die freie Meinungsäußerung. Die wiederholte Verleumdung des Dalai Lama durch den höchstrangigen KP-Vertreter in Lhasa ("Teufel", "Wolf in Menschengestalt") ist eine Unverschämtheit; Peking hat durch seine Abschottungspolitik die Recherchen über den wahren Hergang der Unruhen in Lhasa und anderen tibetischen Städten verhindert, was zumindest nahelegt, dass die Behörden einiges zu vertuschen haben.
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