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17.05.2008
 

Dubioses Geisterschiff

Chinesische Waffen offenbar doch in Simbabwe - Südafrikas Mbeki in Erklärungsnot

Von Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt

2. Teil: Berichte über geplanten Mordanschlag auf Tsvangirai

"Ein Desaster" sei dieses Wahlergebnis gewesen, jammerte Mugabe am Freitag vor der Zanu-Spitze. Zugleich schwor er allerdings, dass er die Macht niemals an eine Opposition abgeben werde, "die von einer feindlichen Achse machtvoller ausländischer Regierungen und westlicher Imperialisten" getragen werde.

Seit dem Wahltag vom 29. März ziehen Mugabes Schlägertrupps durch Simbabwe und foltern, verschleppen und erschlagen Wähler und Aktivisten der MDC. Die Bilanz des Schreckens ist erschütternd. Seit dem Wahltag sind nach Ermittlungen der Vereinigung "Ärzte für Menschenrechte" in Simbabwe 22 Menschen von Mugabes Schlägertrupps umgebracht worden. Rund 900 wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt.

Allein im Norden von Simbabwes Hauptstadt Harare wurden nach Angaben des Oppositionsanwalts Alec Muchadehama in den vergangenen Tagen 56 MDC-Anhänger eingesperrt. Jugendliche werden in "Umerziehungslagern" auf Mugabe-Kurs gebracht.

US-Botschafter James McGee erklärte am Wochenende, in diesem Klima von Gewalt und Einschüchterung sei eine faire Stichwahl unmöglich. Doch nach langem Zögern hat die staatliche Wahlkommission ZEC den Wahltermin auf den 27. Juni festgesetzt. Herausforderer Tsvangirai allerdings wagt nicht, in seine Heimat zurückzukehren. Schon kurz nach dem 29. März hatte er Simbabwe verlassen, weil er um Leib und Leben fürchtet.

Mugabe hatte kurz darauf ankündigen lassen, dass dem MDC-Chef in Simbabwe eine Anklage wegen Hoch- und Landesverrat droht. Am Samstag erklärte Tsvangirais Sprecher George Sibotshiwe der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir haben von einer glaubwürdigen Quelle Informationen über einen geplanten Mordanschlag gegen Tsvangirai bekommen." Die Rückkehr des Gegenspielers von Robert Mugabe, ursprünglich schon für vergangenen Montag angekündigt, wurde erneut auf unbestimmte Zeit verschoben.

Ausländerfeindliche Ausschreitungen in Elendvierteln

Doch mittlerweile kämpft nicht nur Mugabe um den Erhalt der Macht: Auch für Thabo Mbeki könnte die Krise um Simbabwe zum Todesstoß werden. Vor einer Woche hatten die Kommunistische Partei und der südafrikanische Gewerkschaftsbund – beide Mitglieder seiner Drei-Parteien-Koalition – Mbekis vorzeitigen Rücktritt verlangt.

Sie hatten ihm unter anderem sein völliges Versagen als Vermittler im Simbabwe-Konflikt vorgeworfen und die Sorge geäußert, die Gewalt könne aus dem Nachbarland nach Südafrika überschwappen.

Die Warnung ist inzwischen blutige Wirklichkeit geworden: In den Elendsvierteln Alexandra, Diepsloot und Olifantsfontain vor den Toren von Johannesburg ziehen seit Anfang der Woche Schlägertrupps durch die Straßen und machen Jagd auf Ausländer, vor allem auf Flüchtlinge aus Simbabwe. Drei Tote und zahlreiche Verletzte wurden bisher gezählt.

Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" hat eine mobile Klinik in das Krisengebiet geschickt, um Erste Hilfe leisten zu können. Über tausend Simbabwer haben sich vor den herumziehenden Banden in Polizeistationen geflüchtet, wo sie notdürftig untergebracht wurden. Die Straßen gleichen einem Schlachtfeld.

Die Polizei ist massiv präsent, um die Lage unter Kontrolle zu halten. Corne Mulder von der Freiheitsfront-Plus-Partei legte im südafrikanischen Parlament den Finger in die Wunde: "Der wahre Grund für diese ausländerfeindlichen Ausschreitungen ist, dass die Krise in Simbabwe eskaliert und nun von dort in die gesamte Region im südlichen Afrika übergreift", erklärte er in dieser Woche im Parlament in Kapstadt.

Thabo Mbeki schweigt. Bei seinem Besuch in Harare zeigte er sich vor zehn Tagen vor laufenden Kameras erneut lachend und händchenhaltend mit Mugabe. KP-Generalsekretär Blade Nzimande sagt – und es klingt wie eine Drohung: Der Rücktritt Mbekis sei bei den Beratungen der Regierungskoalition lediglich als Option erörtert, aber es sei kein Beschluss gefasst worden. Nach den jüngsten Berichten über Mugabes Geisterschiff und Mbekis Rolle dabei könnte sich das allerdings schnell ändern.

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