Berlin - Demonstranten solidarisieren sich mit dem Dalai Lama, Tausende rufen China vor dem Brandenburger Tor zur Einhaltung der Menschenrechte auf, unter den Demonstranten sind auch viele Exil-Tibeter.
Zum Abschluss seiner Deutschland-Reise sprach das geistliche Oberhaupt der Tibeter in Berlin zu den Menschen - und äußerte sich glücklich über die Anteilnahme der Berliner am Schicksal seines Volkes. Es gehe in Tibet um eine gerechte, moralische Sache, sagte der Dalai Lama. Er rief die Teilnehmer auf, ihre Sorge und Anteilnahme auf alle Menschen der Welt auszudehnen, die unter Menschenrechtsverletzungen litten.
Zugleich appellierte der Friedensnobelpreisträger, wie die Tibeter auch konsequent den Weg der Gewaltlosigkeit zu gehen. Er freue sich, an diesem Ort in Berlin zu sein. Auch die Berliner Mauer sei nicht durch Gewalt, sondern durch eine friedliche Bewegung des Volkes eingestürzt. Das 21. Jahrhundert sollte nach den Worten des Dalai Lama das Jahrhunderts des Dialogs werden: "Wir können wirklich eine wahrhaft friedvolle Welt bauen," rief er unter Beifall aus.
Zu China äußerte sich der Dalai Lama sehr wohlwollend: Die tibetische Flagge, die Tausende Menschen in Berlin schwenkten, sei kein Symbol gegen China oder für Separatismus. Der frühere Staats- und Parteichef Mao Zedong selbst habe in den fünfziger Jahren die Erlaubnis gegeben, die tibetische Flagge zu behalten. "Wir wollen keine Separation", sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter. Es gehe um eine echte religiöse und kulturelle Autonomie innerhalb Chinas, sagte er unter dem Jubel der Kundgebungsteilnehmer.
Die rote Flagge Chinas mit den fünf Sternen sei das Symbol eines starken Staates, von dem die wirtschaftlich zurückgebliebenen Tibeter materiell profitieren könnten, sagte der Dalai Lama. Die Tibeter betrachteten sich selbst als spirituell fortgeschritten, aber das müsse jeder selbst entscheiden: "Wir unterstützen dieses große Land, das durch die rote Flagge repräsentiert wird," rief er aus.
Die Exilregierung in Indien beschloss nach Angaben des Friedensnobelpreisträgers einen Appell an die Tibeter, mit Rücksicht auf die schrecklichen Folgen der Erdbeben für einige Zeit auf Demonstrationen gegen die chinesischen Behörden zu verzichten. Dies sei ein Zeichen der Solidarität. Viele Eltern hätten als Folge der Einkindpolitik Pekings ihr einziges Kind verloren.
Der Friedensnobelpreisträger hielt sich bis Montag fünf Tage lang zu religiösen Vorträgen in Deutschland auf und führte zugleich zahlreiche Gespräche vorrangig mit führenden CDU-Politikern. Seitens der Bundesregierung empfing ihn am Morgen Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. China hatte gegen das Treffen protestiert. Auch aus der eigenen Partei wurde die SPD-Politikerin heftig kritisiert.
anr/Reuters/AP/ddp
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