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22.05.2008
 

Taliban-Kommandeur

"Wichtig ist, Deutsche zu töten"

Seine Aussagen sind brutal und menschenverachtend. Taliban-Befehlshaber Qari Bashir Haqqani droht der Bundeswehr in Afghanistan mit tödlichen Attacken. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE kündigt er verstärkt Selbstmordattentate in Kunduz an.

Kabul - An einem geheimen Ort war Qari Bashir Haqqani, 40, nach wochenlangen Verhandlungen zum Interview bereit. Der militärische Befehlshaber der Taliban in Kunduz gab sich offen, aber auch selbstbewusst und kämpferisch. Die Radikal-Islamisten wollten die Deutschen, den sie als ihren "wichtigsten Feind" im Norden Afghanistans sehen, bekämpfen, kündigte er martialisch an.

Bundeswehr-Soldat in Afghanistan: "Die Deutschen stoppen"
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DDP

Bundeswehr-Soldat in Afghanistan: "Die Deutschen stoppen"

Deutschland hat als Führungsnation rund 3000 Bundeswehrsoldaten in Nordafghanistan im Einsatz. Kunduz, wo die deutschen Soldaten stationiert sind, hat eine hohe Symbolik für die Taliban. Die Stadt, in der viele Paschtunen leben, ist in der Geschichte Afghanistans ein traditioneller Kampfplatz. Das Interview im Wortlaut:

SPIEGEL ONLINE: Vor einem Jahr tötete ein Selbstmordattentäter auf dem Marktplatz von Kunduz drei deutsche Soldaten und mehrere Afghanen. Gaben Sie den Auftrag dafür?

Haqqani: Das war der erfolgreichste Schlag der Mudschahidin in Kunduz seit dem Fall der Taliban. Der Bomber hatte von unseren Aufklärern gute Informationen und wartete über eine Woche auf die günstigste Gelegenheit, bevor er zuschlug. Der Bomber war ein Einwohner von Kunduz, und er tötete immerhin sieben Soldaten der deutschen Streitkräfte.

SPIEGEL ONLINE: Die drei Soldaten waren gar keine Kämpfer, sondern Versorger, die für die Truppenküche Kühlschränke kaufen wollten.

Haqqani: Es ist völlig bedeutungslos, was für Soldaten das waren. Wichtig ist, die Deutschen in Kunduz zu bekämpfen und zu töten. Die Deutschen sind der wichtigste Feind im Norden und wegen ihrer Stationierung in Kunduz wird diese Stadt bald zum Kandahar des Nordens werden.

SPIEGEL ONLINE: Was genau haben Sie vor?

Haqqani: Wir werden die Deutschen mehr und mehr in ihre Lager verbannen. Sollten sie ihre Lager verlassen, werden auf jeder Straße IEDs (Sprengfallen Anm. d. Red) und Feddajin ("Bomber") auf die Deutschen warten. Wegen seines historischen Dschihad-Hintergrunds und seiner anti-westlichen und antiamerikanischen Grundhaltung ist Kunduz ein bedeutsamer Ort für die Taliban-Bewegung.

SPIEGEL ONLINE: Wer steckt hinter den jüngsten Attentatsversuchen?

Haqqani: Sie verstehen es einfach nicht: Es bedarf keiner besonderen Befehle mehr. Die Mudschahidin folgen einfach ihrem Auftrag. Deutsche anzugreifen und zu töten ist das Ziel und das ist allen klar. Verantwortlich ist die gesamte Kette, das ganze Netzwerk.

SPIEGEL ONLINE: Von wem nehmen Sie selbst Befehle entgegen? Von der Taliban-Shura in Peshawar oder dem Entscheidungsgremium in Quetta?

Haqqani: Es gibt keine Taliban-Shura außerhalb Afghanistans. Also: Jeder lokale Kommandeur ist auf seiner Ebene für seinen Raum verantwortlich. Die örtlichen Kommandeure haben sich mit den Distrikt-Gouverneuren abzustimmen, diese wiederum mit den Provinz-Gouverneuren, diese mit den sogenannten Provinz-Exekutiv-Räten und diese sind dann der Taliban-Militär-Shura verantwortlich sind.

SPIEGEL ONLINE: Was ist Ihr Ziel für dieses Jahr?

Haqqani: Derzeit läuft noch die Frühjahrsoffensive mit dem Namen "ABRAT" ("dem Feind eine Lektion erteilen", Anm. d. Red.), und unsere Bilanz ist sehr gut bisher. Wir haben in Kunduz sieben Selbstmordanschläge durchgeführt und 150 Gefechte unterschiedlicher Intensität mit deutschen und afghanischen Truppen. Wir werden bald auch neue Techniken einsetzen. Welche das im Detail sind und welche geheime Strategie wir anwenden, werden wir Zeitungen und Magazinen des Feindes natürlich nicht mitteilen. Das wäre ziemlich töricht. Die neuen Waffen umfassen jedenfalls IEDs, RPGs und unsere Spezialwaffe, die Feddajin (arab. "Die sich selbst aufopfern", Anm. der Red.). Die Deutschen werden noch viel mehr Särge mit den Leichen deutscher Soldaten auf ihre Schultern laden, wenn sie nicht zu der realistischen Einsicht kommen, dass sie ihre Streitkräfte aus unserem Lande abziehen müssen. Wir betrachten diese Soldaten als Handlanger der Amerikaner und Juden.

SPIEGEL ONLINE: Nato und US-Truppen töteten angeblich bereits jeden dritten Taliban-Kommandeur. Auf ihrer Zielliste stehen noch mehr. Fürchten Sie, Sie selbst könnten der nächste zu sein?

Haqqani: Das ist doch alles Feindpropaganda. Ja, wir haben einige Führer wie Mullah Dadullah, Osmani oder Mansoor Dadullah verloren, aber sehen Sie in die Geschichte der Taliban, in die Jahre 1995 und 1996. Auch damals verloren wir zwei der Hauptkommandeure, Mullah Mohammad und Mullah Borjan, und doch kontrollierten wir am Ende Kabul und schließlich fast ganz Afghanistan.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Selbstmordattentäter stehen derzeit unter Ihrem Kommando bereit?

Haqqani: Die "Bomber" sind unsere Waffe der ersten Wahl, weil die Deutschen Angst vor ihnen haben wie alle anderen. Das ist die Stärke der Mudschahidin, und natürlich werden wir sie genau deshalb gegen die Deutschen vielfach in Kunduz einsetzen, noch viel mehr als bisher. Diese Waffe ist ohnegleichen.

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insgesamt 15 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.05.2008 von Kurt2: #1

Ich halte es nicht für richtig, diesem Taliban (und anderen)per Spiegel ein Sprachrohr zu geben. Taliban-Befehlshaber oder Kommandeure und ähnliches sollte es im Sprachgebrauch nicht geben. Jemand, der kleine Kinder entführt, [...] mehr...

24.05.2008 von harmlos: wer sich ...

... in Gefahr begibt kommt darin um. Nicht immer vielleicht, jedoch bekanntlich immer öfters. Ich wüsste jetzt auch nicht so genau welche deutschen Freiheitsrechte wir in Afghanistan zu verteidigen hätten ? Das Recht auf die [...] mehr...

24.05.2008 von Helmut Pirkl: Die selbst mich verwunderten

Ich habe doch nur darauf hinweisen wollen, dass es deutschen Soldaten in Afghanistan nicht mehr so leicht gemacht wird, sich in Kundus, oder überhaupt außerhalb ihrer Stützpunkte frei zu bewegen. Das ist weder verletzend, [...] mehr...

23.05.2008 von DarmSpiegel: ...

Je mehr ich über diesen und ähnliche Typen nachdenke, desto eindeutiger befällt mich ein sehr schlichtes und in wenige Worte zu fassendes Gefühl: Sie sollen mich am Arsch lecken. P.s. Aber vorher das Zähneputzen nicht [...] mehr...

23.05.2008 von kabila: Pipelineargument...

Zum 1000. Mal: kein Meter der Pipeline ist gebaut! mehr...

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