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28.05.2008
 

Wirbel um angebliche Reisepläne

Ist Obama ein Berliner?

Von Gregor Peter Schmitz, Washington

Einmal Brandenburger Tor und zurück? Barack Obama könnte nach Berlin reisen - so hat es der SPD-Politiker Karsten Voigt angedeutet. Tatsächlich haben die Helfer des Demokraten mehrfach über einen Europa-Trip nachgedacht, doch einen Zeitplan gibt es nicht.

Als Transatlantik-Beauftragter der Bundesregierung ist man für die großen Visionen im Verhältnis zwischen Europa und den USA zuständig. Karsten Voigt, Koordinator der Bundesregierung für deutsch-amerikanische Zusammenarbeit, schien sich bei einem Kanada-Besuch am Wochenende selbst mit Visionen nicht zurückzuhalten.

Präsidentenbewerber Obama: Aufregung um hypothetischen Berlin-Besuch
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AFP

Präsidentenbewerber Obama: Aufregung um hypothetischen Berlin-Besuch

Das Wahlkampfteam des demokratischen Hoffnungsträgers Barack Obama arbeite derzeit an Plänen für eine Europa-Reise, wurde der SPD-Politiker nach einem Pressegespräch vom "Tagesspiegel" zitiert.

Mehr noch: Obama denke sogar über einen Abstecher in die deutsche Hauptstadt nach. "Wenn ein US-Präsidentschaftswerber Berlin besucht, am Brandenburger Tor eine Rede hält und hinterher das Kennedy-Museum besucht - das brächte starke Bilder für die Wähler in den USA", warb Voigt euphorisch für diese Idee.

Die Schlagzeilen folgten prompt: "Obama nach Berlin?" - "Wie Kennedy?" Es schien fast so, als stünde der Senator aus Illinois schon vor den Toren der Hauptstadt.

Obamas Berater halten Reise für unwahrscheinlich

Doch das scheint wenig realistisch: Obamas Team hat zwar viele Ideen, aber noch keine konkreten Pläne. Zwar kursieren seit langem Gerüchte, der Demokrat werde bald nach Europa reisen. Schon nach den Vorwahlen in Iowa im Januar berichteten Obama-Helfer europäischen Journalisten von dieser Absicht. Doch der Trip sollte erst stattfinden, wenn Obama offizieller Kandidat der Demokraten ist - was er noch nicht ist.

Und selbst wenn er die Kandidatur sicher hat, ist jede Voraussage schwierig. Eine Europa-Beraterin des Obama-Teams, die auf Vertraulichkeit bestand, sagte: "Ich bin mehrmals gebeten worden, bei der Planung einer solchen Reise zu helfen. Doch dann ist alles immer wieder abgeblasen worden. Ich glaube mittlerweile gar nicht mehr, dass er vor dem Nominierungsparteitag Ende August reisen wird. Und selbst im Herbst, kurz vor der Wahl, ist es wenig wahrscheinlich. Alles kommt auf die Umfragezahlen im Duell gegen John McCain an."

Andere Obama-Vertraute in Washington bestätigten diese Einschätzung auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. "Obama bald nach Europa? Daran habe ich große Zweifel ", sagte einer. Über Reiseroute oder einen Berlin-Abstecher mochte niemand spekulieren.

Europa spielt so gut wie keine Rolle im US-Wahlkampf

Natürlich ist eine Europa-Reise Obamas in den nächsten Monaten nicht ausgeschlossen, ebenso wenig wie ein Berlin-Besuch. Es stimmt, dass der junge Senator sein außenpolitisches Profil schärfen will. Reisen können dabei helfen. Und im Gegensatz zu seinem republikanischen Rivalen John McCain kennt Obama Europa und dessen Politiker so gut wie gar nicht. Dass er als Vorsitzender des Europa-Unterausschusses im US-Senat kaum Engagement zeigte, brachte Partei-Rivalin Hillary Clinton gerne gegen ihn vor.

Doch Europa spielt so gut wie keine Rolle im US-Wahlkampf. Andere Regionen sind viel wichtiger: Gerade erst hat McCain Obama vorgehalten, er müsse unbedingt in den Irak reisen, um die Lage dort beurteilen zu können.

Für Aufsehen sorgte in diplomatischen Kreisen eine weitere Bemerkung Voigts. Der betonte nicht nur, die Bundesregierung würde Obama in Berlin gerne willkommen heißen, sondern fügte hinzu: "Das gilt für jeden Präsidentschaftskandidaten, aber für ihn ganz besonders." Eine erstaunlich parteiische Aussage mitten im Wahlkampf aus dem Mund eines Regierungskoordinators. Anhänger von Hillary Clinton und vor allem John McCain dürften so etwas nicht gerne hören. Deutsche Diplomaten zeigten sich im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE entsprechend "verblüfft" über diesen Satz.

Reise erst nach Kandidatennominierung wahrscheinlich

Voigt, der am gestrigen Dienstag noch in Kanada weilte, war nicht persönlich für eine Stellungnahme zu erreichen. Doch sein Büro äußerte sich. Zu der Bemerkung über die besonders freundliche Einladung an Obama hieß es: Es sei ja kein Geheimnis, dass Voigt dem US-Demokraten sehr positiv gegenüber stehe.

Zu Obamas vermeintlichen Reiseplänen sagte Voigts Büro, der Transatlantik-Beauftragte habe eher generell über die Möglichkeit eines Europa-Besuchs Obamas gesprochen. Ihm sei bewusst, dass eine Reise erst nach der Nominierung des Kandidaten denkbar sei und bisher keine konkreten Pläne existierten - auch nicht für einen Stopp in Berlin.

Präsident George W. Bush wird deshalb wohl der prominenteste Deutschland-Besucher im Juni bleiben. Am 10. Juni wird er für eine Nacht in Schloss Meseberg, dem Gästehaus der Bundesregierung, wohnen. Ein Abendessen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist geplant, auch ein Treffen der Außenminister.

Bush plant offenbar keine öffentlichen Termine in Berlin, schon gar nicht vor dem Brandenburger Tor. Dort würden Bush, anders als Obama, wohl auch kaum jubelnde Einheimische empfangen, sondern eher Demonstranten.

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