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31.05.2008
 

Rassenhatz in Südafrika

"Wir haben alle gejagt"

Dutzende Tote, Hunderte Verletzte, Tausende Flüchtlinge - die verheerende Bilanz der Rassenunruhen in Südafrika. Woher kommt der Hass? Der 18-jährige Malibongwe berichtet im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE von Neid, Brutalität und den Tricks, mit denen die Jugendgangs ihre Opfer auswählten.

SPIEGEL ONLINE: Was habt ihr gegen die Fremden?

Malibongwe: Nichts besonderes. Aber es gibt halt ein Problem mit denen. Es gibt die Somalis, und es gibt die anderen Afrikaner, die Kwerekwere, wie wir sie nennen.

Ausländerfeind Malibongwe: "Es gibt halt ein Problem mit denen"
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Toby Selander

Ausländerfeind Malibongwe: "Es gibt halt ein Problem mit denen"

SPIEGEL ONLINE: Was macht den Unterschied?

Malibongwe: Die Somalis haben die Geschäfte. Und sie machen mit ihren Läden unsere Läden kaputt.

SPIEGEL ONLINE: Was machen die Somalis besser als die südafrikanischen Händler?

Malibongwe: Na ja, sie sind billiger, und sie haben einen besseren Service. Und wenn es sein muss, bringen sie die Sachen auch nach Hause, die man haben will.

SPIEGEL ONLINE: Und warum habt ihr die Kwerekwere gejagt?

Malibongwe: Die dealen mit gestohlenen Handys, sie handeln mit Diamanten, Falschgeld und Tricksereien. Und manchmal zahlen sie auch einfach nicht und hauen ab.

SPIEGEL ONLINE: Aber doch nicht alle.

Malibongwe: Natürlich nicht. Aber als es losging, haben wir alle gejagt, egal ob gute oder schlechte.

SPIEGEL ONLINE: Wie erkennt ihr die Fremden?

Malibongwe: Das ist nicht schwer. Die haben andere Frisuren, sie sind anders angezogen, und wir fragen sie einfach, was Ellenbogen auf Xosa heißt?

SPIEGEL ONLINE: Warum das?

Malibongwe: Weil in der Xosa-Sprache für das Wort Ellenbogen ein Gluckslaut drin ist, den sie nicht sprechen können, und daran erkennt man sie.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat es in Kapstadt angefangen?

Malibongwe: Wir haben die Bilder aus Johannesburg gesehen. Und dann ging es auch schon hier los. Die Somalis haben am Tag vorher noch eine schriftliche Warnung gekriegt, handgeschrieben, dass sie verschwinden sollen. Dann haben sie versucht, ihre Sachen in Sicherheit zu bringen. Einen Teil haben sie irgendwo untergestellt. Aber dann war die Zeit abgelaufen, und dann ging es los.

SPIEGEL ONLINE: Was heißt, dann ging es los?

Malibongwe: Na ja, da waren schon die Leute an der Tür des Ladens um die Ecke. Meine Jungs und ich – wir sind zu acht – kamen dann mit unserem Werkzeug dazu. Mit unserem Stemmeisen war die Tür schnell offen. Wir haben alles mögliche rausgeholt, Chips, Getränkedosen, Reissäcke, dann sind wir noch mal wiedergekommen und haben auch die Tiefkühltruhe mit dem Fleisch weggebracht.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Leute waren zusammengekommen?

Malibongwe: Ach, da waren bestimmt hundert Leute. Schüler, überwiegend junge Leute, aber auch arbeitslose Frauen.

SPIEGEL ONLINE: Was ist mit der Tiefkühltruhe passiert?

Malibongwe: Wir haben sie aufgebrochen, das Fleisch rausgenommen und sie dann verkauft – für 400 Rand (etwa 35 Euro/d. Red.).

SPIEGEL ONLINE: Und die Polizei?

Malibongwe: Die kam auch irgendwann. Sie hat mit Gummigeschossen auf uns geschossen. Aber da war der Tiefkühler schon weg.

SPIEGEL ONLINE: Kanntest du den Ladenbesitzer?

Malibongwe: Ja, natürlich. Den kannten hier die meisten. Ich bin ab und zu bei ihm gesessen, und wir haben zusammen geraucht.

SPIEGEL ONLINE: War er dabei, als sein Laden aufgebrochen wurde?

Malibongwe: Nein, er ist vorher abgehauen.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn er dabei gewesen wäre?

Malibongwe: Dann hätten wir ihn verjagt.

SPIEGEL ONLINE: Tut er dir nicht leid, immerhin kanntest du ihn ganz gut?

Malibongwe: Nein, nicht wirklich. Wir wollten halt an die Sachen ran. Ein bisschen leid tut mir höchstens, dass die Sachen, die er in seinem Laden hatte, jetzt nicht mehr so billig sind hier im Viertel.

SPIEGEL ONLINE: Die Kwerekwere habt ihr aber auch gejagt.

Malibongwe: Na ja, denen haben wir auch Steine hinterher geworfen. Einer saß im Auto, wir haben seine Scheibe eingeworfen, aber er konnte noch wegfahren. In seinem Laden hatte er die Handys versteckt. Wir sind übers Dach eingestiegen und haben sie gefunden.

SPIEGEL ONLINE: Was sagen eigentlich deine Eltern zu deinen Taten?

Malibongwe: Nicht viel. Meine Mutter hat ihren Job im Laden eines Moslems verloren. Der hat gesagt, ihr Afrikaner seid doch zu blöde und hat alle südafrikanischen Angestellten rausgeschmissen.

SPIEGEL ONLINE: Hätte die Polizei früher kommen müssen, um euch aufzuhalten?

Malibongwe: Ich glaube nicht, dass das was genützt hätte. Wenn Soldaten gekommen wären, wäre es wahrscheinlich anders gewesen. Die spielen nicht, die sind hart.....

SPIEGEL ONLINE: Würdest du dich bei dem somalischen Händler entschuldigen wollen?

Malibongwe: Nein. Frieden schließen muss ich nicht. Und auch entschuldigen werde ich mich bei einem Somali nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wie soll es denn hier nun weitergehen?

Malibongwe: Weiß nicht. Jetzt sind sie erst mal weg. Von mir aus können sie auch wieder kommen. Kann aber auch gut sein, dass es noch mal losgeht.

Das Interview führte Horand Knaup

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