Von Juliane von Mittelstaedt, Rom
Rom - Mahmud Ahmadinedschad, Präsident der Islamischen Republik Iran, blieb am Dienstag bei der FAO-Konferenz in Rom ziemlich allein bei seinem ersten Besuch in einem EU-Land seit drei Jahren. Dabei seien die Italiener doch so gastfreundlich, wie er später scherzte, die Iraner würden hier so gerne Urlaub machen, überhaupt, die kulturelle Nähe der beiden Völker – schade nur, dass "meine Zeit so begrenzt ist, dass ich leider niemanden treffen kann".
Viele blieben da ohnehin nicht übrig, der Papst hat schon Ende vergangener Woche die diplomatische Notbremse gezogen, um dem bekennenden Antisemiten aus Teheran nicht die Hand schütteln zu müssen. Auch der Gastgeber Silvio Berlusconi, der bis dahin alle Redner persönlich angekündigt hatte und es sichtbar genoss, endlich wieder den Staatsmann spielen zu dürfen, auch Berlusconi war 20 Minuten vor Ahmadinedschads Rede plötzlich vom Podium verschwunden.
Es soll eine Weile gedauert haben, bis ein Nachfolger gefunden war unter den sieben Stellvertretern, am Ende dachte man offenbar, dass der diplomatische Kollateralschaden am geringsten für jemanden aus dem Nahen Osten sein würde, und so hatte Ägypten einen neuen Vorsitzenden aufs Podium geschickt. Der kündigte Ahmadinedschad brav an auf seinem Redeplatz zwischen Kroatien und Madagaskar, Nummer 13 von 41 Staats- und Regierungschefs, darunter so hungerkrisenerfahrene Staatschefs wie Zimbabwes Präsident Robert Mugabe oder so herrschaftsaffine Gestalten wie Hosni Mubarak.
Ahmadinedschad, der Sozialreformer, der Prediger für Frieden und Mitleid und gegen Hunger, er läuft zur Hochform auf, seine hochgezogenen Augenbrauen setzten hinter jeden Satz ein Ausrufezeichen. Eine vollkommen "künstliche Situation" wittert er, "versteckte und sichtbare Hände", die daran arbeiteten, ihre politischen und wirtschaftlichen Ziele durchzusetzen. Und alles diene nur dazu, die Besatzung und die Kriege zu finanzieren – und Iran davon abzuhalten, Nuklearenergie zu produzieren, "die sauber und billig ist". Zur Lösung der Hungerkrise schlägt er ein Acht-Punkte-Programm vor, das unter anderem den Vorschlag enthält, alle Kriege zu beenden sowie "reine und monotheistische Manager" an die Macht zu bringen. Iran sei bereit, seine Erfahrungen in dieser Hinsicht zu teilen.
Fünfzehn Minuten statt fünf
Die Pressekonferenz findet im Raum "Iran" statt, reiner organisatorischer Zufall, wie versichert wird. Auf der grünen Auslegeware ein abgetretener roter Perserteppich, an der Wand persische Kalligrafien. Fast wie in Teheran, und auf jeden Fall die perfekte Bühne für Ahmadinedschads Auftritt. Ein Heimspiel. Wie jeder richtige Star kommt er zu spät, eine Dreiviertelstunde, dann rauscht er ein im Schutz seiner Sicherheitsleute. Steht wie festgefroren im Blitzlichtgewitter, presst die Zähne zusammen und zieht die Mundwinkel nach außen, so sieht es weniger aus wie ein Lächeln und mehr wie ein Zähnefletschen.
Er wiederholt seine Suada, die er schon vor der Staatengemeinschaft gehalten hat, nur interpretiert er sie hier etwas freier, so dass auch die Schrecken der israelischen Besatzung in den palästinensischen Gebieten, die Besatzung des Iraks und Afghanistans nicht zu kurz kommen. Nur dass er diesmal noch ein Loblied auf Jesus, "Friede sei mit ihm", und den Republikgründer Chomeini eingebaut hat, "beides große Männer", die Frieden und Gewaltlosigkeit vertraten und gegen Krieg und Aggression waren. Die vier bärtigen Getreuen, die neben ihm sitzen, schauen derweil reglos ins Publikum der Journalisten und Fotografen, die vor dem Podium auf dem Boden hocken.
Nach der Rede darf gefragt werden, und natürlich sind es zuerst die Israelis, die höflich wissen wollen, warum seine Exzellenz ihr Land unbedingt von der Landkarte fegen wolle und wie das mit seiner Botschaft der Liebe und des Mitgefühls vereinbar sei. Ahmadinedschad lässt die Vorlage für einen Sturm von Agenturmeldungen nicht verstreichen, also sagt er: Ob mit oder ohne Hilfe Irans, das "zionistische Regime" werde schon bald von der Landkarte verschwinden. "Das ist ein Fakt."
Nach fast anderthalb Stunden kommt er zum Ende: "Ich habe mich heute um die Menschheit bemüht. Ich tue mein bestes, um ein Massaker zu vermeiden." Noch ein Appell an die Amerikaner und die Medien, für freie Wahlen und freie Berichterstattung, dann ist er durch den Seitenausgang verschwunden. War noch was? Ach ja, die Hungerkrise. Wie die Hungerkrise nun zu beheben sei? Das hat Ahmadinedschad schon in seinem Vortrag vor den Staatsoberhäuptern beantwortet: "Ich bete zu Gott dem Allmächtigen für die Beseitigung dieses Problems der Menschheit und für Solidarität und Brüderlichkeit."
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