Brüssel - Rund 400 Demonstranten besetzten eine der Hauptstraßen des EU-Viertels, warfen Steine und Feuerwerkskörper gegen Polizisten, ein Auto wurde umgestürzt. Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen die aufgebrachten Fischer ein.
Zuvor hatten die mit Schutzanzügen und Gasmasken ausgerüsteten Beamten das Gebiet um den Sitz der Europäischen Kommission abgeriegelt. Nahegelegene U-Bahnstationen wurden geschlossen.
"Wir sind hier, weil unsere Regierung uns immer sagt, es sei die Schuld Brüssels. Also sind wir nach Brüssel gekommen", sagte der französische Fischer Alain Rico.
Die Proteste vor dem Sitz der EU-Kommission in Brüssel eskalierten, nachdem die Behörde Sofortmaßnahmen gegen den hohen Ölpreis abgelehnt hatte. Der Kabinettschef von Fischereikommissar Joe Borg sagte bei einem Treffen mit rund 30 Demonstranten, die Kommission werde keine kurzfristigen Schritte einleiten. Das eigentliche Problem des Fischereisektors seien "Überkapazitäten und die Notwendigkeit einer Umstrukturierung", sagte Kabinettschef Patrick Tabone.
Die Demonstranten sehen dies anders: "Die hohen Preise machen unsere Arbeit unmöglich", klagte der Fischer Pierre D'Acunto aus der französischen Hafenstadt Sète. Er kündigte weitere Proteste beim nächsten Treffen der EU-Fischereiminister an, die am 23. Juni in Luxemburg zusammenkommen.
In Frankreich blockieren die Hochseefischer bereits seit Wochen mehrere Häfen, um eine Deckelung der Dieselpreise zu erzwingen. In der vergangenen Woche schlossen sich auch italienische, spanische und portugiesische Fischer den Protesten an.
Der Preis für Dieselöl ist in den vergangenen vier Monaten um 30 Prozent gestiegen und liegt derzeit in Frankreich bei 80 Cent. Die französischen Fischer fordern verbilligtes Dieselöl für 40 Cent, um nicht pleite zu gehen. Sie verlangen zudem, dass die Europäische Kommission die finanziellen Hilfen anhebt, die eine Regierung dem Fischereisektor gewähren kann, ohne in Konflikt mit der EU-Regulierungsbehörde zu geraten.
Die Finanzminister der 27 EU-Staaten hatten sich gestern mehrheitlich gegen einen Vorschlag des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy gewandt, die Mehrwertsteuer auf Mineralölprodukte einzufrieren. Allerdings verwiesen sie ausdrücklich auf die Möglichkeit, besonders von dem Preisanstieg betroffenen Gruppen finanziell unter die Arme zu greifen.
Auch EU-Fischereikommissar Borg erklärte in der vergangenen Woche, Beihilfen seien grundsätzlich zulässig, die zu einer Modernisierung des Sektors beitrügen. Als Beispiele nannte er Fördermittel zur Ausstattung von Fischerbooten mit sparsameren Motoren. Borg hielt sich heute nicht in Brüssel auf, weil er an einer Konferenz der Ostsee-Staaten in der lettischen Hauptstadt Riga teilnahm.
asc/AP/Reuters/dpa
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