Von Gregor Peter Schmitz, Washington
Washington - Das Xcel Energy Center in St. Paul bebt: Endlich steht Barack Obama als demokratischer Präsidentschaftskandidat fest, gerade ist er mit Ehefrau Michelle auf die Bühne mitten im Stadionrund geklettert. Sie winken der jubelnden Menge zu, dann ballen sie beide die Faust zum Begrüßungsritual der Schwarzen, "pound" sagen sie dazu in den USA, Faust tippt auf Faust. Das Ehepaar blickt sich dabei tief in die Augen - und gibt den US-Medien Rätsel auf: Die versuchen seither beinahe nonstop zu deuten, was die Geste genau bedeutete. "Sie begeisterte viele Schwarze", zitierte die "Washington Post" am Donnerstag den Autor Ta-Nehisi Coates - denn die hätten solche Gesten lange in der Öffentlichkeit unterdrückt, um nicht "zu schwarz" zu erscheinen.
Designierter Präsidentschaftskandidat: Barack Obama
Die fiel bereits betont präsidial aus. Obama, der im Vorwahlkampf Hillary Clinton noch für ihre harte Haltung zu Iran kritisiert hatte, erschien mit einem Mal beinahe entschlossener als der amtierende Präsident George W. Bush. Er werde "alles" tun, um eine iranische Atombombe zu verhindern, versprach er den jüdischen Zuhörern - und wiederholte nach kurzer Pause noch einmal ernst: "Alles!"
"Wir stecken mitten im Kampf"
Vielleicht wird der Moment einmal als offizieller Startschuss des Kampfes gegen die Republikaner gelten. Obama hat nach dem Ende der demokratischen Vorwahlen umgehend begonnen, sich den Amerikanern neu vorzustellen. Als ein optimistischer Kandidat, der Wandel und Hoffnung verspricht - aber solide in der Mitte der amerikanischen Gesellschaft verankert ist. Zu dieser Strategie gehört auch: Wenn Gefahr für die USA droht, kann Kandidat Obama ein außenpolitischer Falke sein. Am Donnerstagabend legte er in Virginia bei seinem ersten großen Wahlkampfauftritt als offizieller Kandidat mit kämpferischen Worten nach: "Wir stecken mitten im Kampf", gab er als Parole für den Wahlkampf gegen die Republikaner aus.
Die entschlossene Rhetorik soll wohl beweisen: Der Kandidat ist allein stark genug. Will heißen: Auch ohne seine Rivalin Hillary Clinton, die ihm über Monate Naivität und fehlende Eignung für das Weiße Haus attestiert hat. Schon am Dienstagabend in St. Paul war zu spüren, wie ärgerlich das Obama-Lager auf Clintons Auftritt am selben Abend reagierte. Die hatte bei ihrer Ansprache in New York ihre Niederlage nicht eingestanden und weiter ihre Stärke als Kandidatin hervorgehoben. Obama-Berater machten keinen Hehl aus ihrem Frust, dass Clinton sich offensichtlich immer noch durchringen könne, ihren Bewerber als Sieger anzuerkennen.
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