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US-Wahlkampf Obama probt die präsidiale Pose

2. Teil: Clintons taktischer Rückzug

Der Senator aus Illinois hat sich solche Kritik bislang verkniffen - zumal Clinton ja mittlerweile ihren Ausstieg für Samstag ankündigte. Auch am Donnerstag betonte er wieder, seine Rivalin habe Geschichte geschrieben und sei eine "außergewöhnliche Dienerin des Gemeinwohls". Gut möglich, dass derlei Sätze nicht nur taktisches Buhlen um die 18 Millionen Clinton-Wähler sind.

Denn Obama hat Clinton viel zu verdanken. Ihre unermüdlichen Attacken haben ihn abgehärtet. Sie haben ihn daran erinnert, dass er sich mit weißen Wählern in Staaten wie Ohio oder Pennsylvania schwer tut. Dass er oft zu Wählern predigt, statt mit ihnen zu sprechen. Clintons Zähigkeit hatte auch praktische Vorteile: Das Endlos-Duell erleichterte es Obamas Team, Wahlkampfstrukturen in allen US- Bundesstaaten aufzubauen. Ihr ausdauernder Kampf hat Millionen Demokraten mobilisiert - und den Republikaner John McCain lange aus den Schlagzeilen verbannt.

Sollte Obama also Clinton aus Dankbarkeit zum Vize ernennen? Clinton schien damit zu rechnen, so war aus ihrem Verhalten in den vergangenen Tagen abzulesen. Doch am Donnerstag erkannten ihre Helfer wohl, dass sie damit zu weit gegangen war. Sie veröffentlichten eine Stellungnahme, Clinton bewerbe sich nicht um den Vizeposten - und die Entscheidung darüber liege allein bei Obama. Das mag nur ein taktischer Rückzug sein. Aber der designierte Kandidat machte unmissverständlich klar, dass er sich bei seiner ersten großen Entscheidung nicht drängen lassen will. Alles andere würde auch wenig präsidial erscheinen. Die beiden einstigen Rivalen trafen zwar am Donnerstagabend überraschend in Washington zusammen. Doch zuvor hatte Obama erneut betont, Clinton stehe zwar auf jeder Liste, doch ein dreiköpfiges Auswahlkomitee werde nun erst einmal Namen sichten. Er konnte sich den Seitenhieb nicht verkneifen, Hillary Clinton kenne diese Art von Verfahren sicher noch vom Wahlkampf ihres Ehemannes Bill.

Am Samstag hat Clinton nun in Washington Gelegenheit, bei ihrer offiziellen "Abschieds"-Veranstaltung vor Tausenden Anhängern den einstigen Rivalen euphorisch zu loben - und sich so als Wahlhelferin zu empfehlen. Am Mittwoch gab sie bei ihrem Aipac-Auftritt einen Vorgeschmack. "Ich weiß, Senator Obama ist ein treuer Freund Israels", sagte Clinton. Der Applaus war heftig. Derlei Einigkeit werden die Demokraten brauchen. Denn die republikanischen Wahlkampfstrategen warten nicht. Seit Tagen verschicken die bereits E-Mails mit dem Titel "Demokraten gegen Obama", in denen sie etwa Clinton-Kritik an ihrem Parteifreund genüsslich zitieren.

Zumindest in den nächsten Tagen wird Obama sich damit aber nicht befassen. Für die nächsten drei Tage sieht der Terminkalender des frisch gekürten Kandidaten keinen einzigen öffentlichen Auftritt vor - erstmals seit vielen Monaten. Obama ließ verlauten, er wolle seine Frau schön ausführen.

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