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07.06.2008
 

Hillarys Abschied

Clinton übergibt Obama das Kommando

Von Gregor Peter Schmitz, Washington

Mit einer emotionalen Rede beendet Hillary Clinton ihre Kandidatur - und lobt ihren Rivalen Barack Obama überschwänglich. Gemeinsam mit ihm will sie um das Weiße Haus kämpfen. So gut wirkte sie dabei, dass die Gerüchte neu hochschießen: Werden sie doch ein Traumpaar?

Washington - Herzstück des "National Building Museum" in Washington ist ein gewaltiger Festsaal mit Arkadengängen. In den drängen sich jetzt viele Menschen und lugen herunter in den vollen Raum. Sie stützen ihre Arme auf, und sehen aus wie neugierige Theaterbesucher in den Logenrängen kurz vor der Premiere.

Hillary Clinton: "Es ist nicht genau die Party, die ich mir vorgestellt hatte"
AFP

Hillary Clinton: "Es ist nicht genau die Party, die ich mir vorgestellt hatte"

Es ist kurz nach zwölf Uhr, jeden Moment soll der Vorhang aufgehen für einen ganz besonderen Auftritt: Hillary Clintons Abschiedsrede, nach 17 Monaten erbittertem Dauerduell mit Barack Obama. Noch weiß niemand, welche Rolle die Hauptdarstellerin spielen wird. Die entschlossene Wahlkämpferin in eigener Sache - die noch am Tag von Obamas Sieg am Dienstag erklärte, sie sei die bessere Kandidatin? Oder die Parteisoldatin der Demokraten, die heute "We are familiy" aus dem Lautsprecher schallen lässt - und die neue beste Freundin von Obama werden will?

Um Viertel vor ein Uhr klettert eine Mischung von beidem auf die Bühne. Clinton, in schwarzem Hosenanzug, blickt auf ihre jubelnden Anhänger und sagt lächelnd: "Es ist nicht genau die Party, die ich mir vorgestellt hatte - aber ich bin sehr froh, hier zu sein."

Angekündigt ist eine Dankesrede an ihre treuesten Unterstützer. Die stehen direkt vor der Bühne, die meisten Frauen, sie rufen im Chor "Hillary, Hillary". Einige ihrer jungen Mitarbeiterinnen an der Pressetribüne umarmen sich stumm, gerade haben sie noch in Reisekatalogen geblättert. Für viele ist es der letzte Arbeitstag, Geld bekommen sie noch bis zum 15. Juni. Clinton blickt alle gerührt an. Sie dankt allen, die "an Türen geklopft haben, die am Telefon für mich geworben haben, die durch das ganze Land gezogen sind."

Aber angekündigt ist auch: Ihre offizielle Unterstützung für Barack Obama. Es dauert fast zehn Minuten, bis sie zum ersten Mal dessen Namen ausspricht. "Ich will alles tun, um Barack Obama zum Präsidenten zu machen. Und ich hoffe, Ihr arbeitet so sehr für ihn wie für mich" Clinton lobt seine Stärke, seine Entschlossenheit - nach Monaten, in dem sie immer vorgehalten hat, nicht bereit zu sein für das Weiße Haus.

Clintons Lob für ihren Rivalen klingt noch ein wenig hölzern, als lese sie vom Manuskript ab. Aber sie wird mit jedem Satz überzeugender - je mehr sie sich von der Person Obama löst und zum großen Ziel der Demokratischen Partei überleitet: Im November gegen die Republikaner zu siegen. "Als ich den Wahlkampf begonnen habe, wollte ich sicherstellen, einen Demokraten im Weißen Haus zu sehen", erinnert Clinton ihre Anhänger. "Wir dürfen diesen Moment nicht verpassen." Manche Leute sagten sicher, das sei nicht zu schaffen. Doch Clinton donnert: "Heute stehe ich Seite an Seite mit Senator Obama und sage: 'Yes, we can.'"

Der Satz ist Barack Obamas Kernbotschaft - und kommt nun aus dem Mund seiner Rivalin. Der Moment steht für das endgültige Ende der Demokraten-Schlammschlacht. Noch am Dienstag tobten Obamas Helfer, als Clinton den Sieg ihres Bewerbers nicht offiziell anerkennen wollte. Auch deren sehr offene Bewerbung für den Vize-Posten kam nicht gut an. Die Clinton-Leute haben das rasch eingesehen. Es gab ein Geheimtreffen der beiden Rivalen am Donnerstag in Washington. Aber seither ist die Botschaft eindeutig: Clinton soll helfen, doch die Kommandos gibt jetzt Obama. Ihre Rede ist Teil dieser neuen Strategie der Demokraten.

Doch natürlich muss sich Clinton von ihren Truppen würdig verabschieden - schon um sie in Obamas Lager führen zu können. Dafür darf sie auch noch einmal die Werbetrommel für ihre Kandidatur rühren. "18 Millionen Menschen haben für mich gestimmt", erinnert sie stolz. Aus allen Teilen der Gesellschaft, Reiche und Arme, Schwarze und Weiße, Männer und Frauen. Und mehr noch: Zu Beginn ihrer Bewerbung hätten viele noch gefragt: Kann eine Frau wirklich Oberbefehlshaberin sein? "Von nun an wird das nichts Besonderes mehr sein."

Keine Zeit für Nostalgie

Die Frage drängt sich auf: Wenn diese Koalition so groß ist? Wenn endlich eine Frau Präsidentin werden sollte? Warum dann nicht jetzt? Warum nicht Hillary Clinton? So scheint das auch die kleine Gruppe ihrer Anhänger zu sehen, die vernehmlich buhen, sobald Clinton ihren Rivalen Obama erwähnt.

Insgeheim sieht das wahrscheinlich Clinton selbst immer noch ein wenig so. Aber sie hat keine Zeit für Nostalgie. "Jeder Moment, den wir zurückblicken, gucken wir nicht nach vorne", ruft sie. "Die Zeit ist zu kurz, der Einsatz zu hoch." Wir müssen zusammenstehen. Und ich tue das mit einem Herzen voller Dankbarkeit."

Sie schafft es, optimistisch zu klingen - nicht bitter. Die Rede ist auch eine persönliche Siegeserklärung. Das Endlosduell mit Obama hat sie endgültig in eine eigene politische Marke verwandelt. Die Emanzipation von Ehemann Bill ist vollzogen. Am Anfang der Rede steht der kurz mit ihr auf der Bühne. Aber er spricht nicht, er muss rasch abtreten. Der Polit-Star der Familie ist jetzt Hillary.

Und vielleicht geht es ja noch weiter für sie. Clintons unermüdlicher Wahlkampfmanager Terry McAuliffe rattert gleich nach der Rede schon wieder herunter, warum Clinton eine guter Vizepräsidentin wäre. Der Gedanke ist in der Tat nach diesem Auftritt weit weniger unwahrscheinlich als noch am Dienstag. "Sie hat beides geschafft - ihn zu loben und sich würdig zu verabschieden", jubelte Pat Buchanan auf "MSNBC". Andere sagten: Barack Obama solle sich die Rede genau anschauen, wenn er einen Vizepräsidenten suchen. Dessen Team räumte Minuten nach der Ansprache die "Obama"-Website frei - für ein großes Foto von Hillary Clinton. Darüber steht: "Thank you, Senator Clinton."

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