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Massaker in Südwest-Afrika Wie die Hereros um Wiedergutmachung kämpfen

3. Teil: Dort, wo jetzt Bundesbürger in kurzen Khakihosen herumstrolchen, mähten damals die Schutztruppler Tausende Herero nieder.

Noch heute sind diese Zeiten bei den Herero lebendig. Der Herero-Aktivist Otto Klaus-Dieter Kenamue, 52, trägt nicht nur die Vornamen des früheren Arbeitgebers seiner Eltern, sondern auch die Last der Vergangenheit. Über ihm hängt das Portrait Kaiser Wilhelms II. nebst seiner Gattin Auguste Viktoria, und vor ihm liegt ein Wiener Schnitzel. Die ehemalige deutschkaiserliche Polizeistation am Waterberg beherbergt heute ein Ausflugslokal und jede Menge Devotionalien, und manchmal kommt Otto Klaus-Dieter hierher.

Man hat einen guten Blick von hier auf das offene Feld. Da unten mähten "Nineteen-Null-Vier" die Feldhaubitzen und Maschinengewehre der Schutztruppler Tausende heranstürmender Herero nieder. Fast das gesamte Volk soll damals am Waterberg versammelt gewesen sein: 30.000 bis 60.000 Menschen mitsamt ihren Rinderherden.

Ihnen gegenüber standen gerade einmal 100 deutsche Offiziere, 1500 Soldaten, 30 Geschütze und 12 Maschinengewehre. In den frühen Morgenstunden des elften August begann die große Schlacht, und als sie in der Nacht endete, war der Berg, den die Herero "Omuverumue" (die enge Pforte) nennen, getränkt vom Blut. Die Überlebenden versuchten nach Osten zu entkommen, in die Omaheke, was in der Sprache der Herero das "steinlose Land" bedeutet.

Eben dort war eine Lücke von den Deutschen nicht geschlossen worden, und dahinter lockte das britisch besetzte Betschuanaland, das heutige Botswana.

Kenamue bittet um Verständnis: Man wolle doch nur die Anerkennung des Unrechts gegen sein Volk. All das Geld, all die Zuwendungen aus Deutschland, würden schließlich für das Ovamboland verbraucht.

Die Ovambo jedoch, die heute die Mehrheit in der Swapo-Regierung stellten, hätten unter den Deutschen nicht ihr Land verloren. Die lebten viel zu weit im Norden, an der Grenze zu Angola, wo sich damals kein Schutztruppler sehen ließ: "Es waren die Herero, die beraubt wurden", sagt er in perfektem Deutsch. Und es seien die Herero, die unter der jetzigen Regierung litten. Auch deshalb wird in Amerika gestritten: Um moralische Unterstützung im Namibia des Stammeszwists.

Die Herero mussten lernen, mit der Vergangenheit zu leben

Zweimal im Monat trifft sich Otto Klaus-Dieter Kenamue mit den anderen Mitgliedern des Herero-Reparation-Movements in einer Wellblechhütte, die mit der deutschen Bezeichnung "Kommando" versehen ist. Das Kommando liegt am Rande der Stadt Okanhandja; er ist den Herero ein heiliger Ort: Ihre Führer wurden hier ernannt und später begraben, und hier brach auch der Aufstand aus.

"Wir werden uns diesmal nicht so einfach abspeisen lassen", kündigt Chief Kuaima Riruako an: "Die Deutschen haben sich mit dem Holocaust an Juden, Sinti und Roma beschäftigt, nun werden sie sich auch mit dem Genozid an den Herero auseinandersetzen müssen."

Als die Überlebenden der Schlacht vom Waterberg in die Omaheke und dann weiter in die Kalahari-Wüste getrieben wurden, sicherten Schutztruppler die Wasserlöcher und vergifteten sie zum Teil.

Es war ein grausiges Ende, das General von Trotha für die Herero vorgesehen hatte. Hermann Graf von Schweinitz folgte den Flüchtenden mit einem Reitertrupp nach Osten. "Tausende gefallenes Vieh, namentlich Großvieh", erspähte er, "zahlreiche Gerippe von Menschen und Pferden bleichten in der Sonne." An vielen Stellen hätten die "mit dem Dursttode Ringenden mit fiebernder Hand 15 bis 20 Meter tiefe Löcher aufgewühlt, um Wasser zu graben, vergeblich." Einen "Todeszug durchs Sandfeld" habe er gesehen.

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