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01.07.2008
 

Taliban-Triumph

Afghanistan-Einsatz blutiger als Irak-Krieg

Immer schneller, brutaler, raffinierter: Die Kämpfe in Afghanistan sind heftig wie seit Jahren nicht mehr. Das Land steht am Wendepunkt, erstmals starben dort jetzt mehr ausländische Soldaten als im Irak - der Brennpunkt für die US-Streitkräfte verschiebt sich.

Kabul/Bagdad - Der perfide durchgeplante Anschlag auf das Hauptgefängnis in Kandahar war der vorläufige Höhepunkt der neuen Taliban-Offensive in Afghanistan: Am 13. Juni bombten sich die Extremisten den Weg durch die Knastmauern und befreiten Hunderte Insassen. In den Tagen danach lieferten sich Nato-Truppen und Regierungseinheiten schwere Kämpfe mit den Taliban. Die Gefechte zeigen einen Trend, der jetzt auch in Zahlen belegt ist: Afghanistan wird zum neuen Hauptproblem der US-geführten Militäreinsätze.

Truppen in Afghanistan: "Kampf am Wendepunkt"
DDP

Truppen in Afghanistan: "Kampf am Wendepunkt"

Die offiziellen Todeszahlen zu gefallenen Soldaten legen nahe, dass das Land den Irak als problematischsten Brennpunkt ablöst. Einer Zählung der Nachrichtenagentur AP zufolge wurden im Juni schon den zweiten Monat in Folge mehr US- und internationale Nato-Soldaten in Afghanistan getötet als im Irak.

45 Soldaten der Nato- oder US-Truppen haben demnach im Juni in Afghanistan ihr Leben gelassen - 31 dagegen im Irak. Der Trend: In Afghanistan fallen immer mehr Soldaten - im Irak immer weniger.

"Der Kampf in Afghanistan ist an einem Wendepunkt"

Für die internationale Koalition ist der Juni damit der verlustreichste Monat seit dem Beginn des Kampfes gegen die Taliban in Afghanistan Ende 2001. Insgesamt verzeichneten die internationale Afghanistan-Truppe Isaf und die US-geführte Koalition Operation Enduring Freedom (OEF) seit Jahresbeginn 122 Todesfälle.

"Der Kampf in Afghanistan ist an einem Wendepunkt", sagte Mustafa Alani, Chef für Sicherheits- und Terrorismusstudien am Gulf Research Center in Dubai. "Die Rebellen schlagen öfter zu, vernetzen sich immer besser, und durch die politische Instabilität des Landes können die Taliban gedeihen."

Im Irak beruhigt sich die Lage dagegen zusehends, auch für Zivilisten. So wurden im Juni dort nach Angaben des Gesundheitsministeriums 448 Zivilisten getötet - im Mai waren es noch 505, im April 968. Damit ist die Totenzahl weiter auf dem tiefsten Stand seit vier Jahren.

Die meisten Soldaten sterben durch Sprengstoffanschläge

Dabei galt schon das vergangene Jahr als verlustreichstes seit Beginn des Einsatzes - damals zählten die ausländischen Truppen 232 Todesfälle. Die Statistik am Ende dieses Jahres könnte diese Zahl noch übertreffen.

Am häufigsten kommen die Opfer bei Sprengstoffanschlägen ums Leben. Zuletzt wurden die Truppen entlang der unruhigen pakistanisch-afghanischen Grenze noch verstärkt, womit mehr Soldaten den Angriffen der Taliban aus dem Grenzgebiet ausgesetzt sind. Derzeit sind rund 70.000 ausländische Soldaten in Afghanistan im Einsatz.

Die islamischen Extremisten haben sich auf kleine Anschläge in immer kürzeren Abständen verlegt. Im Juni kamen bei vier Angriffen je vier Soldaten ums Leben. Zuvor hatte kein Angriff seit vergangenem August mehr als drei Soldaten auf einmal getötet.

Mindestens 39 mutmaßliche Taliban in Kämpfen getötet

Die internationale Eingreiftruppe hat in den vergangenen Monaten ihren Kampf gegen die Dschihadisten verschärft.

Bei Militäreinsätzen töteten die Streitkräfte allein seit dem gestrigen Montag in Luft- und Bodeneinsätzen nach eigenen Angaben mindestens 39 mutmaßliche Taliban. In der Provinz Urusgan starben vier Polizisten bei einer Bombenexplosion und zwei weitere wurden schwer verletzt. An der afghanisch-pakistanischen Grenze beteiligte sich auch die pakistanische Armee an Anti-Taliban-Einsätzen, bei denen etliche Aufständische getötet wurden.

amz/AFP/AP

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