Von Carsten Volkery
Berlin - Die Mahnung aus dem Kanzleramt war deutlich. Das Brandenburger Tor sei "der bekannteste und ein geschichtsträchtiger Ort in Deutschland", verlautete am Montag aus dem Umfeld. Nur bei ganz besonderen Anlässen werde es für politische Kundgebungen genutzt, und auch dann nur von gewählten Präsidenten. Im Klartext: Der demokratische Präsidentschaftsbewerber aus den USA, Barack Obama, soll bei seinem Berlin-Besuch am 24. Juli besser an einem anderen Ort in der Hauptstadt reden.
Doch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ließ sich von der Warnung des Kanzleramts nicht beeindrucken - und sagte in einer Pressekonferenz am Dienstag, er würde sich freuen, wenn Obama einen Auftritt am Brandenburger Tor für Botschaften nutzen würde.
"Wir schließen gar nichts aus", sagte ein Sprecher des Berliner Senats SPIEGEL ONLINE. "Das Brandenburger Tor wäre sicher ein sehr schöner Ort." Im Senat wurde darauf verwiesen, dass die Entscheidung über den Veranstaltungsort beim Land Berlin und nicht beim Kanzleramt liege.
Ein Berater Obamas bekräftigte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, dass das Brandenburger Tor der Wunschort des Demokraten für seine Grundsatzrede zum transatlantischen Verhältnis sei. Es wäre als Kulisse "einfach großartig", sagte der Berater. Schließlich sei John F. Kennedys Auftritt 1963 am Schöneberger Rathaus in der Erinnerung noch lebendig.
Grünen-Fraktionsvizechef Jürgen Trittin prognostizierte, dass Obama am Ende vor dem Brandenburger Tor reden wird: "Glauben sie, dass Wowi sich die Gelegenheit entgehen lässt, mit Barack Obama da aufzutreten?", fragte Trittin auf N24. "Ich glaube, Wowi sagt, der soll auftreten, ich komme mit ins Bild, und prima ist." Das erscheint tatsächlich nicht ganz abwegig. Im Kanzleramt wurde darum eindringlich davor gewarnt, das Wahrzeichen der Freiheit zu einer "beliebigen Kulisse" für ausländische Wahlkämpfer zu machen.
Die Bundesregierung wartet inzwischen mit einem Kompromissvorschlag auf: Obama müsse ja vielleicht keine Rede halten, sondern könne einfach durchs Tor spazieren. "Bisher ist jeder amerikanische Gast auch durchs Brandenburger Tor gegangen", sagte Karsten Voigt, der Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit. "Dann waren immer auch Journalisten dabei. Und dann hat er immer auch was gesagt."
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