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10.07.2008
 

Erklärung zur Geiselnahme

PKK will Deutschland zu Politikwechsel zwingen

Die kurdische Guerilla-Organisation PKK hat Bedingungen für die Freilassung der entführten deutschen Bergsteiger gestellt: Deutschland solle seine "gegen das kurdische Volk und gegen die PKK gerichtete feindliche Politik" aufgeben, fordern die Kidnapper in einer Erklärung.

Istanbul - Einen Tag lang haben die Entführer geschwiegen, nun hat sich die PKK mit einer drastischen Forderung zu Wort gemeldet: Die drei deutschen Bergsteiger, die am Dienstagabend entführt wurden, sollen nur unter bestimmten Bedingungen freigelassen werden, hieß es in einer Erklärung, die die PKK-nahe Nachrichtenagentur Firat verbreitete.

Solange der deutsche Staat nicht erkläre, dass er "seine gegen das kurdische Volk und gegen die PKK gerichtete feindliche Politik aufgibt", würden die am Ararat entführten deutschen Staatsbürger nicht freigelassen, heißt es in dem Schreiben. Eine rasche Freilassung der Deutschen stehe nicht bevor. Die Entführten sind den Angaben der PKK zufolge aber bei guter Gesundheit.

Mit der Forderung nach einer Änderung der deutschen Kurdenpolitik spielt die Organisation offenbar auf das kürzlich verhängte Verbot des PKK-Propagandasenders Roj-TV durch die deutschen Behörden an. Die PKK kämpft seit 1984 für einen eigenen Staat der Kurden oder zumindest ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei, auch mit Anschlägen in Touristengebieten. In Deutschland ist die PKK seit November 1993 verboten.

Laut der Nachrichtenagentur verlangen die Kidnapper, dass die türkische Regierung sofort ihre Operationen auf dem Gebiet einstellt, "damit die Sicherheit und das Leben der Gefangenen gewährleistet werden kann". Weiter soll der Anführer des militärischen Arms der "Provinz Serhat" gesagt haben: "Wir hegen keine feindlichen Gefühle gegenüber der deutschen Bevölkerung, die drei Gefangenen wurden bis zu diesem Zeitpunkt in keiner Weise schlecht behandelt."

Die drei Männer im Alter von 33, 47 und 65 Jahren waren am Dienstagabend von PKK-Kämpfern in einem Camp am Berg Ararat auf 3200 Metern Höhe verschleppt worden, zehn weitere deutsche Bergsteiger aus der Gruppe sind in Sicherheit.

Die zehn Touristen sind inzwischen in der osttürkischen Stadt Van eingetroffen. Sie sollen einen sehr erschöpften und abgekämpften Eindruck machen und werden von deutschen Botschafts-Mitarbeitern betreut und abgeschirmt. "Es geht uns gut", sagte allerdings einer von ihnen SPIEGEL ONLINE. Am späten Nachmittag sollen sie per Flugzeug nach Ankara gebracht werden. Ob die Gruppe dann weiter nach Deutschland fliegt, ist bisher nicht bekannt.

Die Bergfahrt war vom Vorsitzenden der Sektion Kelheim des Deutschen Alpenvereins, Helmut H., organisiert worden. Der 65 Jahre alte H. ist eines der drei Entführungsopfer. H.s Schwester ist zuversichtlich, dass die Geiselnahme ein gutes Ende nehmen wird. "Ich glaube das geht alles gut aus. Mein Bruder ist da sehr, sehr abgeklärt", sagte Elfriede H. am Donnerstag der AP. "Ich traue mich wetten, dass ihm seine durchdachte und menschliche Art helfen wird." H. habe als Bergsteiger bereits Touren in verschiedenste Länder wie Bolivien und Tibet organisiert und sei sehr erfahren.

Die türkischen Behörden haben den Berg im Osten des Landes inzwischen für Touristen gesperrt. Bis auf weiteres dürften keine Alpinisten mehr dorthin, sagte der Gouverneur der Provinz am Donnerstag.

flo/fat/ffr/AFP/Reuters/AP/dpa/ddp

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