Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



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10.07.2008
 

Entführungsdrama in der Türkei

Berlin lehnt Verhandlungen mit PKK ab

Die Bundesregierung bleibt hart: Laut den Ministern Steinmeier und Schäuble wird es keine Verhandlungen mit der kurdischen Rebellengruppe über die deutsche Haltung zur PKK geben. Jetzt hat das BKA Experten in die Türkei geschickt, um die dortigen Behörden in der Geiselkrise zu unterstützen.

Istanbul/Frankfurt - Verhandlungen gibt es nicht, doch was ist die Alternative? Die kurdische Guerilla-Organisation PKK hat der Bundesregierung Bedingungen für die Freilassung der drei entführten Deutschen gestellt. Berlin müsse seine "feindliche Politik gegenüber dem kurdischen Volk und der PKK" beenden, verlangten die Rebellen am Donnerstag.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier wies alle Forderungen umgehend zurück: "Die Bundesrepublik lässt sich nicht erpressen." Steinmeier forderte die sofortige und bedingungslose Freilassung der Geiseln. Der Krisenstab arbeite unvermindert intensiv an einer Lösung des Falles. Details zu möglichen Ansätzen sind bislang nicht bekannt.

Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble lehnte die PKK-Forderungen ab. "Es kommt nicht infrage, dass wir mit der PKK darüber verhandeln, ob wir deutsche Gesetze anwenden oder nicht", sagte Schäuble im MDR. Nach seinen Worten wurden auch Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes in die Türkei geschickt. Er habe mit seinem türkischen Kollegen wegen des Falls telefoniert, sagte Schäuble dem Radiosender MDR Info. Zudem habe das Bundeskriminalamt Mitarbeiter in die Türkei geschickt, damit sie dortige Stellen unterstützen. Es gehe darum, energisch und umsichtig zu handeln. "Wir tun alles, dass die Drei wohlbehalten wieder freikommen", versicherte Schäuble.

Die deutschen Behörden gingen zuletzt gegen den kurdischen Sender Roj TV vor. Am 19. Juni hatte das Bundesinnenministerium jegliche Unterstützung des in Dänemark ansässigen Senders verboten. Die PKK selbst ist in Deutschland seit 1993 verboten.

Die Kurdische Arbeiterpartei versicherte am Donnerstag, den Dienstagabend am Berg Ararat im Osten der Türkei verschleppten Bergsteigern gehe es gut. Solange die Bundesregierung ihre Politik aber nicht ändere, kämen sie nicht frei. Zudem müsse die Türkei ihr militärisches Vorgehen gegen die PKK beenden.

"Wir hegen keine Feindseligkeit gegenüber dem deutschen Volk", hieß es in einer von der PKK-nahen Nachrichtenagentur Firat verbreiteten Erklärung weiter. Die 33, 47 und 65 Jahre alten Geiseln seien gut behandelt worden. Ein PKK-Sprecher im Nordirak sagte: "Die deutsche Regierung behandelt uns wie Feinde, und das wollen wir nicht." Er teilte nicht mit, ob die drei Männer aus Bayern auf türkischem oder irakischem Gebiet festgehalten würden.

CHRONIK: ENTFÜHRTE DEUTSCHE IM AUSLAND

Juli, Türkei: Drei deutsche Alpinisten (65, 47, 33) werden am Berg Ararat von PKK-Kämpfern entführt. Die Geiselnehmer fordern einen Kurswechsel in der deutschen Kurdenpolitik. Deutsche Behörden hatten zuvor den in Dänemark ansässigen Kurdensender Roj TV verboten.

Juni, Somalia: Piraten kapern das Segelboot eines Paares aus Süddeutschland und verschleppen die beiden in das Bergland der halbautonomen Region Puntland. Die Piraten fordern ein Lösegeld in Millionenhöhe. Das Paar war mit seiner Segelyacht von Ägypten unterwegs nach Thailand.

Türkische Polizeieinheiten durchkämmten auf der Suche nach den Geiseln die Provinz Agri. Die drei Männer gehörten zu einer 13-köpfigen Gruppe, die den 5137 Meter hohen Ararat besteigen wollten. In einem Basislager auf rund 3200 Metern Höhe wurden sie überfallen. Die übrigen Mitglieder der Gruppe würden von einem Mitarbeiter der deutschen Botschaft konsularisch betreut, teilte das Auswärtige Amt mit.

Der Deutsche Alpenverein (DAV) bemängelte die Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt (AA). Ein Kriseninterventionsteam des DAV sei in der Türkei eingetroffen, habe aber keinerlei Kontakt zu der Gruppe der zehn nicht entführten Bergsteiger herstellen können. "Das AA schottet hier völlig ab", sagte DAV-Bergsportleiter Wolfgang Wagner.

Die Alpenverein-Sektion im bayerischen Kelheim organisierte die Reise, ihr Vorsitzender Helmut H. ist eine der Geiseln. Der 65-Jährige habe sich selbst zur Verfügung gestellt, da er sich als Organisator verpflichtet gefühlt habe, sagte seine Schwester Elfriede. Der 65-Jährige habe als erfahrener Bergsteiger bereits Touren nach Bolivien und Tibet organisiert. DAV-Hauptgeschäftsführer Thomas Urban sagte, H. habe schon zuvor eine Tour auf den Ararat geführt, die normal verlaufen sei. "Das ist kein exotisches Gebiet." Auch habe es keine explizite Reisewarnung gegeben.

Betroffenheit herrschte bei den Kollegen des 33 Jahre alten Lars R.: "Das hat bei uns wie eine Bombe eingeschlagen. Wir sind alle ganz erschlagen", sagte Jürgen Engl, der Standortleiter der Saline Bad Reichenhall. R., der in Laufen an der Salzach wohnt, sei erst vor neun Monaten Vater geworden.

Das Auswärtige Amt rät in seinen Reisehinweisen seit rund einer Woche von Reisen in die Provinzen Hakkari, Sirnak und Mardin sowie das Gebiet um Siirt dringend ab. Seit der Entführung wurden in den Warnhinweis auch die Provinzen Agri und das angrenzende Igdir aufgenommen.


Größere Kartenansicht
Berg Ararat: Legendäre Bergsteigerregion im Osten der Türkei

ffr/AP/dpa

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