Von Gregor Peter Schmitz, Washington
Deshalb wird Obama seine Visite nun wohl weniger grandios inszenieren als geplant - auch wenn der Berliner Senatssprecher Richard Meng am Sonntag erneut betonte, das Angebot einer Rede am Brandenburger Tor bestehe weiterhin. Wahrscheinlicher ist aber mittlerweile ein Auftritt an anderer Stelle. Etwa am Rathaus Schöneberg, dem Flughafen Tempelhof, vor dem Reichstag oder am Gendarmenmarkt. Bilder von jubelnden Europäern für die Wahlkampfspots daheim lassen sich auch dort einfangen. Ein Gang durch das Brandenburger Tor oder ein Besuch des Kennedy-Museums am Pariser Platz würden daneben immer noch ins Programm passen.
In jedem Fall aber wollen Obamas Berater jede weitere öffentliche Debatte verhindern. "Sie haben kein Interesse daran, nachzukarten", sagt Szabo. "Obwohl sie Merkels scharfe Wortwahl bestimmt nicht völlig vergessen werden." Auch auf die Diskussion über Einflussversuche der Bush-Regierung auf Bundeskanzlerin Merkel werden sie sich nicht einlassen. Immerhin haben sowohl das Weiße Haus als auch das Bundeskanzleramt solche Gerüchte scharf zurückgewiesen.
Andererseits ist es ein offenes Geheimnis, dass das Weiße Haus den Wahlkampf von John McCain stets im Auge hat - und so vielleicht einen zu herzlichen Empfang für Obama in Berlin verhindern wollte. Veteranen der Bush-Wahlkämpfe sind in dessen Stab gewechselt.
Schon bei McCains Kolumbien-Reise Anfang Juli gab es Vorwürfe, das Weiße Haus habe diesem einen PR-Erfolg zugeschachert. Denn McCain war von der mit Bush befreundeten kolumbianischen Regierung über Einzelheiten der Befreiung von Ingrid Betancourt vorab informiert worden, was ihn sehr präsidial aussehen ließ. Auch in diesem Fall bestritt das Weiße Haus jede Einflussnahme.
Kurz nach Obamas Europa-Trip steht eine noch wichtigere Reise für Obama an: in den Irak. Vielleicht um von der Berlin-Debatte abzulenken, enthüllte sein Team am Wochenende dazu erste Details: Chuck Hagel, republikanischer Senator aus Nebraska, wird Obama begleiten.
Hartnäckig halten sich Gerüchte, Hagel - ein Außenpolitik-Experte, der Bushs Irak-Politik ungewöhnlich offen kritisiert hat - könnte sich eine Vizepräsidentschaftskandidatur unter Obama vorstellen. Obama lobte den Republikaner am Sonntag bereits überschwänglich. Hagel folge keiner Ideologie, sondern wolle immer die Wahrheit herausfinden - und sei noch dazu ein richtig guter Typ.
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