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17.07.2008
 

Polit-Duell in Österreich

Biedermann gegen Boulevard

Von Marion Kraske, Wien

Nach dem Dauerzoff in Österreichs Großer Koalition rüsten sich SPÖ und ÖVP für Neuwahlen. Die Spitzenkandidaten Faymann und Molterer sind ungleiche Kontrahenten - der eine ein stocksteifer Bürokrat, der andere Dauergast in den bunten Revolverblättern.

Wien – Es ist ein Lächeln, wie man es aus der amerikanischen Zahnpastawerbung kennt, fast wie eingefroren. Ein Lächeln, das nie versiegt.

Faymann, Molterer: "Es reicht!"
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REUTERS

Faymann, Molterer: "Es reicht!"

Dieses Lächeln gehört zu Werner Faymann, dem neuen Hoffnungsträger der alpenländischen SPÖ. Er soll bei den im Herbst anstehenden Neuwahlen den Karren für die SPÖ aus dem Dreck ziehen. Die Umfragewerte sind katastrophal, beinahe so verheerend wie bei der deutschen Schwesterpartei SPD - derzeit kommen die Genossen gerade mal auf 30 Prozent.

Faymann soll seine Partei zum Sieg führen und dabei mehr Profil zeigen als sein glückloser Vorgänger Alfred Gusenbauer. Und genau das ist das Problem. Denn Faymann, der smarte Dauerlächler, ist ein Mann ohne Konturen. Er trägt sein silbernes Haar zu einem Seitenscheitel gelegt, er bevorzugt unauffällige Anzüge, unauffällige Krawatten. Wenn er spricht, dann leise, als wolle er nicht, dass er unnötig für Aufsehen sorgt. Ein durchschnittlicher Typ. Einer, der nicht aneckt, weder optisch noch inhaltlich.

Glatter als ein Aal

Selbst Parteifreunde wissen mitunter nicht zu sagen, welche Überzeugungen der 48-jährige Familienvater eigentlich vertritt. Er selbst sagt, er sei kompromissorientiert. Parteiinterne Kritiker sehen das anders. Der frühere Salzburger Landesvorsitzende Wolfgang Radlegger ätzt: Aalglatt sei noch der falsche Ausdruck. Gegen diesen Typus von Politiker fühle sich ein Aal rauer an.

Dem eigenen Fortkommen schadete die Wendigkeit nicht: Konsequent kletterte der Jurist Faymann die Karriereleiter zielstrebig nach oben, er tummelte sich bei den Jungsozialisten, wurde Wiener Stadtrat für Wohnungsbau und schließlich, in der gescheiterten Großen Koalition mit der ÖVP, Verkehrs- und Infrastrukturminister.

Groß aufgefallen ist Faymann im Kabinett Gusenbauer indes nie. Anders in den diversen Gazetten: Hier ist der SPÖ-Mann dauerpräsent, er gilt als Darling des Boulevard. Erst am Wochenende ließ er sich mit seiner Frau Martina von der Zeitung "Österreich" ablichten. "Der private Faymann" plaudert da samt Angetrauter über seine Traumstadt Venedig, Kochkünste und Töchterchens Lieblingssänger, den Alpenbarden Hansi Hinterseer.

Noch besser stellt sich Faymann mit der medialen Konkurrenz: Mit Hans Dichand, dem mächtigen Herausgeber der einflussreichen "Kronen-Zeitung", verbindet Faymann eine langjährige Freundschaft. Liebevoll soll er den 87-Jährigen gar Onkel Hans nennen. Faymann bestreitet die Anrede, die innige Beziehung zu dem Altmeister des meinungsstarken Kleinformats stellt er aber nicht in Abrede.

Ein Brief an Onkel Hans

Eben dieser Onkel Hans war es auch, dem Faymann und Gusenbauer jüngst einen Brief schrieben, in dem sie eine neue außenpolitische Linie der SPÖ verkündeten: Künftig sollen EU-Verträge vom Volk abgesegnet werden. Ein peinlicher Kotau vor dem europafeindlichen Boulevard, sagen Kritiker. Dichand hatte mit seiner "Krone" zuvor wochenlang wüste Tiraden gegen die EU veröffentlicht. Faymann soll er ein unsittliches Angebot unterbreitet haben: Im Gegenzug für den 180-Grad-Schwenk in der Europapolitik, munkelt man in Wien, habe der Herausgeber versprochen, ihn mit Hilfe der "Krone" ins Kanzleramt zu hieven.

Die ÖVP reagierte umgehend auf die neue EU-Linie der Genossen und kündigte die Koalition auf. Und auch parteiintern hagelte es Kritik. Der Brief an Dichand, sagt nun der ausgefuchste Wiener Bürgermeister Michael Häupl, sei "schlicht falsch" gewesen.

Zweifellos hat Faymanns Image gelitten. Etliche Genossen fürchten, dass sich die Nähe zu Dichand als kontraproduktiv erweisen könnte. Glaubwürdigkeit ist Meinungsforschern zufolge schon jetzt nicht gerade Faymanns Stärke.

Anders Faymanns Gegenspieler Wilhelm Molterer. Der studierte Soziologe und langjährige Bauernbündler gilt als pflichtbewusst, als verlässlich, als Arbeitstier. Eine große Führungspersönlichkeit ist der 53-Jährige allerdings nicht. Selbst in den eigenen Reihen hat er den Ruf eines Zauderers, der sich gegen seinen übergroßen Vorgänger, Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel, lange nicht durchzusetzen verstand.

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