London - Nach knapp 30 Jahren diplomatischer Eiszeit mit Iran wollen die USA einem Zeitungsbericht zufolge wieder eine Vertretung in Teheran errichten. Die Entscheidung soll erst im nächsten Monat bekannt gegeben werden, berichtete der britische "Guardian" am Donnerstag. Die Entsendung von US-Diplomaten nach Iran wäre ein klarer Kurswechsel des scheidenden Präsidenten George W. Bush, der in den vergangenen Jahren stets eine harte Position gegen die Regierung in Teheran eingenommen hatte.
Die USA hatten ihre diplomatischen Beziehungen zu Iran nach der Geiselkrise 1979-81 abgebrochen. Damals hielten radikale Studenten 52 US-Diplomaten 444 Tage lang in der amerikanischen Botschaft als Geiseln fest.
Geplant sei zunächst eine Interessenvertretung ähnlich wie auf Kuba. Das sei praktisch ein halber Schritt hin zur Errichtung einer ständigen US-Botschaft in Teheran, berichtete der Washington-Korrespondent der britischen Zeitung ohne Nennung von Quellen. In der vergangenen Woche hatte der US-Diplomat William Burns bereits im Kongress erklärt, die USA würden einen solchen Schritt prüfen.
Präsident Bush führte in den vergangenen sieben Jahren eine hart abgrenzende Politik gegenüber Iran. In den vergangenen Wochen kamen Gerüchte auf, die USA wollten militärisch gegen das Atomprogramm Teherans vorgehen. Doch in den letzten Tagen seiner Administration wolle Bush etwas Positives hinterlassen, auf dass er sich beziehen kann, mutmaßt der "Guardian" nun als Grund für den Sinneswandel.
Die Rückkehr der US-Diplomaten nach Teheran hängt vom Einverständnis Irans ab. Doch Präsident Mahmud Ahmadinedschad habe Anfang der Woche betont, dass er nichts gegen eine Delegation aus den USA habe. Iran begrüße jedes Ersuchen, das die Verhältnisse der beiden Staaten verbessere, so Ahmadinedschad.
Ein hochrangiger Vertreter des US-Außenministeriums soll zunächst an einem in Genf geplanten Gespräch über das iranische Atomprogramm teilnehmen. Die Nummer drei im US-Außenministerium, William J. Burns, reist am Samstag zu einem Treffen des EU-Außenbeauftragten Javier Solana mit Irans Atomunterhändler Said Dschalili nach Genf. Bei dem Gespräch soll es um das Verhandlungsangebot gehen, das die fünf Uno-Vetomächte und Deutschland Mitte Juni vorgelegt hatten.
Iran bestreitet Vorwürfe der westlichen Nationen, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung an Atomwaffen zu arbeiten. Teheran lehnt einen Stopp der Urananreicherung ab.
fat/Reuters/AFP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH