Washington - Ein SPIEGEL-Interview mit dem irakischen Premierminister Nuri al-Maliki hat für Aufregung im US-Wahlkampf gesorgt. Maliki begrüßte in dem Gespräch die Ankündigung des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Barack Obama, die US-Truppen innerhalb von 16 Monaten nach dessen möglichem Einzug ins Weiße Haus abzuziehen. "Das, finden wir, wäre der richtige Zeitraum für den Abzug, geringe Abweichungen vorbehalten", sagte der Iraker. Er wolle zwar keine Wahlempfehlung abgeben, sagte Maliki, doch wer in Irak "mit kurzen Fristen" rechne, sei "näher an der Wirklichkeit".
Am Sonntag mühte sich Malikis Büro, die Äußerungen zu relativieren. Diese seien "missverstanden" worden, ließ der irakische Regierungssprecher Ali Debbagh in Bagdad verbreiten. Der SPIEGEL bleibt jedoch bei seiner Darstellung.
Obamas Team lobte umgehend die Aussagen des irakischen Politikers. Obamas Chef-Außenpolitikberaterin Susan Rice sagte: "Senator Obama begrüßt die Unterstützung von Premier Maliki für seinen Zeitplan, US-Kampftruppen innerhalb von 16 Monaten heimzuholen. Das ist eine wichtige Gelegenheit, Verantwortung an die Iraker zurückzugeben und gleichzeitig unser Engagement für einen Sieg in Afghanistan zu verstärken."
Susan Rice sagte zuvor dem SPIEGEL: "Obama glaubt, dass Pakistan und Afghanistan für Europa und die USA derzeit die größte Herausforderung darstellen. Al-Qaida formiert sich dort neu, die Taliban werden wieder stärker. Weder Deutschland noch Amerika dürfen glauben, weiter halbherzige Maßnahmen in Afghanistan und Pakistan ergreifen zu können - ohne dafür den Preis zahlen zu müssen."
Obama besuchte am Samstag US-Truppen in Afghanistan und plant nun die Weiterreise in den Irak. Kommende Woche wird er auch in Israel, Jordanien, Deutschland, Frankreich und Großbritannien erwartet.
"Unsere aktuelle Irak-Strategie hat Erfolg"
Das McCain-Lager schlug nach den Reaktionen aus dem Obama-Lager auf das Interview rasch zurück. "Wenn unter bestimmten Bedingungen ein weiterer Rückzug von US-Truppen aus dem Irak möglich sein sollte, dann liegt es am Erfolg der US-Truppenerhöhung, die Senator Obama immer abgelehnt hat", verlautete aus dem Team des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber John McCain hat ein langfristiges Engagement der USA im Irak nicht ausgeschlossen.
Die amerikanische und irakische Regierung verhandeln derzeit noch über ein Abkommen zum weiteren Verbleib von US-Truppen im Irak. Zwar scheinen sowohl das Weiße Haus als auch Großbritanniens Premierminister Gordon Brown mittlerweile über konkretere Abzugspläne nachzudenken - doch haben sie einen festen Zeitrahmen bislang immer abgelehnt. Das Weiße Haus erklärte am Samstag, man habe nach dem SPIEGEL-Interview mit Maliki gesprochen. "Wir teilen die Ansicht, dass - sollten die Sicherheitsfortschritte weitergehen - wir unseren angepeilten Zeitrahmen für einen Abzug einhalten können", sagte ein Regierungssprecher.
Das Weiße Haus verbreitete Malikis Lob für Obamas Abzugspläne versehentlich selbst: Am Samstag verschickte es den Interviewtext an einen Medien-E-Mail-Verteiler. ABC News berichtete, ein Mitarbeiter des Weißen Hauses habe den Verweis auf das Interview intern weiterleiten wollen - aber leider auf den falschen Knopf gedrückt.
gps/AP
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