Brüssel - Es ist das erste Mal, dass die EU den USA im Zwist um Einreiseformalien mit Konsequenzen droht: Für Diplomaten aus den USA soll ab 2009 eine Visumpflicht gelten, falls Washington nicht wie versprochen allen EU-Bürgern eine Einreise ohne formelle Erlaubnis ermöglicht. Diesen Plan wolle Justizkommissar Jacques Barrot am Donnerstag den Innenministern der 27 EU-Staaten vorlegen, sagte ein Kommissionssprecher am Mittwoch.
Internationale Reisende: US-Visumpflicht für manche Europäer verärgert Brüssel
Im jüngsten Kommissionsbericht zur Visapolitik mit Drittstaaten heißt es, trotz aller Anstrengungen der Kommission und einzelner Mitgliedstaaten habe man in Bezug auf die USA keine Fortschritte erzielt. Nach wie vor müssten Reisende aus Griechenland und elf neuen Mitgliedstaaten ein Visum beantragen. Washington rechtfertigt das mit Sicherheitsanforderungen, die erfüllt sein müssten.
"Es ist nicht hinnehmbar, dass Staatsangehörige bestimmter Drittländer ohne Visum in die EU reisen können, diese Länder aber für die Einreise mancher EU-Bürger an der Visumpflicht festhalten", kritisierte Barrot. Die Kommission werde deshalb "Vergeltungsmaßnahmen" vorschlagen: Für die Inhaber von Dienst- und Diplomatenpässen soll eine EU-weite Visumpflicht vorübergehend wieder eingeführt werden. Das könne Tausende US-Diplomaten betreffen, hieß es aus Kommissionskreisen. Bisher können US-Diplomaten wie alle US-Bürger ohne Visum in die meisten EU-Länder einreisen.
Eine Visumpflicht für US-Diplomaten gibt es nach Brüsseler Angaben bisher nur in Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Polen, Portugal, Spanien und Zypern.
fat/dpa/Reuters
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH