Samstag, 21. November 2009

Politik



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25.07.2008
 

US-Wahlkampf

McCain lästert über Obamas Berlin-Trip

Barack Obama hat mit seinem Berlin-Besuch für ein weltweit beachtetes Spektakel gesorgt. Sein republikanischer Rivale McCain tingelte derweil durch US-Örtchen mit deutschem Flair - und lästert nun über die Rede seines Gegners: Der Senator lasse sich voreilig wie ein Sieger feiern.

Washington/Columbus/Berlin - Auch John McCain genoss am Donnerstagabend deutsches Flair - ebenso wie sein Rivale Barack Obama, der in Berlin vor rund 200.000 Zuhörern eine aufsehenerregende Rede hielt. Der Präsidentschaftsbewerber der Republikaner saß aber nur in German Village, einem Vorort von Columbus im US-Bundesstaat Ohio, und ließ sich in "Schmidt's Sausage House und Restaurant" eine Bratwurst schmecken. Dabei kritisierte er Obamas Rede vor der Siegessäule: Dieser lasse sich voreilig in Berlin wie ein Sieger feiern und stelle sich als Weltbürger dar. "Ich kümmere mich lieber zuerst um die Amerikaner", ließ der Senator aus Arizona erklären.

Er ziehe Wahlkampfauftritte "im Herzen der USA" vor und spreche lieber "über Dinge, die die Amerikaner bewegen". Bei den Gesprächen mit Geschäftsleuten aus German Village schob der 71-Jährige hinterher: "Ich würde auch gerne eine Rede in Deutschland halten", sagte er zu Journalisten. "Aber ich würde das viel lieber als Präsident der Vereinigten Staaten tun als nur als Präsidentschaftskandidat."

Erst wenige Stunden zuvor hatte McCain eine gegen Obama gerichtete Radiosendung geschaltet - in drei US-Städten, die ebenfalls Berlin heißen. Das berichtet die "Washington Times". Die US-Berliner leben in den Staaten Pennsylvania, Wisconsin und New Hampshire.

Eigentlich wollte McCain Obamas spektakulärer Berliner Rede einen TV-wirksam inszenierten Besuch auf einer Ölplattform im Golf von Mexiko entgegensetzen. Doch Hurrikan "Dolly" vereitelte den Flug. So hatte Obama mit seiner Botschaft in Berlin, die in erster Linie den Wählern daheim galt, die Aufmerksamkeit ganz für sich.

Obama selbst hat sich nach dem großen Auftritt an der Siegessäule über seine außenpolitische Reise sehr zufrieden geäußert. "Sie hat mir die Möglichkeit gegeben, über die schwierigen Themen zu sprechen, vor denen wir stehen", sagte er in einem Interview für den Sender CNBC. Er habe deutlich gemacht, dass Amerika Probleme wie den Atomstreit mit dem Iran oder Energiefragen und Klimaschutz nicht allein, sondern nur mit seinen Partnern lösen könne. "Bei all diesen Themen, die die Sicherheit und den Alltag der Amerikaner betreffen, kommt es auf unsere Fähigkeit an, solche Koalitionen zu schmieden."

Wowereit spricht von mutiger Botschaft

Deutsche Politiker waren vom Auftritt des Senators aus Illinois begeistert. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte Obamas Rede als starke und mutige Botschaft. "Sie ist ein Zeichen dafür, dass es in der US-Politik neue Akzente gibt und eine Hommage an Berlin", ließ er über seinen Sprecher mitteilen. Auch der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) zeigte sich angetan. "Der junge Senator verkörpert das, wonach sich viele Menschen sehnen: Charisma und Führung", sagte Stoiber SPIEGEL ONLINE. "Die deutsche Politik wird sich aber auch mit seiner Forderung auseinandersetzen müssen, mehr gemeinsame Verantwortung für globale Probleme in der Welt zu übernehmen."

Außenpolitiker der Großen Koalition sind ebenfalls angetan: Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Eckart von Klaeden sagte: "Die Rede war im besten Sinne amerikanisch und bis auf die persönlichen Nuancen hätte sie so oder ähnlich auch von John McCain gehalten werden können." Der CDU-Politiker sprach von einer "perfekten Wahlkampfinszenierung" Obamas.

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Gert Weisskirchen, sagte SPIEGEL ONLINE: "Das war die Rede eines Weltbürgers, die sich nicht nur an deutsche oder Europäer, sondern auch an die US-Amerikaner gerichtet hat." Obamas wichtigste Botschaft sei gewesen, "dass Europa und die USA die Probleme und Krisen der Welt - vom Klimawandel bis hin zur Lösung von gewaltsamen Konflikten - nur gemeinsam lösen können" und dass dafür das transatlantische Verhältnis "auf einer Basis der Ideale" erneuert werden müsse.

Offenbar hat Obama Volker Ratzmann, den Grünen-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, vollkommen von sich überzeugen können: "Ich bin mir sicher, dass die Berliner den zukünftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten erlebt haben", sagte er.

WORTLAUT: BARACK OBAMA IN BERLIN ÜBER ...

Klicken Sie unten auf die Stichworte, um die wesentlichen Ausschnitte zu lesen - die gesamte Rede im englischen Wortlaut finden Sie hier...

… das transatlantische Verhältnis

... Afghanistan und den Anti-Terror-Kampf

... den Klimaschutz

... die Bedeutung von Berlin

fat/phw/dpa/ddp/AFP/Reuers/AP

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