Obama-Plan
Europäer sollen für US-Steuersenkungen bluten
Die einen schicken mehr Truppen, die anderen sparen: Bei seinem Frankreich-Besuch hat US-Senator Barack Obama mehr Nato-Truppen für Afghanistan gefordert. Das hätte auch für die US-Wähler Vorteile, rechnet er vor. In den Vereinigten Staaten könnten dann die Steuern sinken.
Berlin/Paris - Seine Rechnung ist eine einfache: Wenn die USA in Afghanistan mehr Hilfe von den Nato-Partnern bekommen, könnten die Vereinigten Staaten möglicherweise langfristig die Zahl ihrer eigenen Soldaten reduzieren - mit positiven Folgen für die schwächelnde Wirtschaft im eigenen Land und für gebeutelte Steuerzahler. Barack Obama verspricht sich von einem stärkeren Engagement der Nato-Bündnispartner Vorteile in den USA.
AFP
Obama-Besuch bei Nicolas Sarkozy: "Weniger Milliarden Dollar ausgeben"
"Wenn wir mehr Nato-Soldaten in Afghanistan haben, bedeutet das auf lange Sicht vielleicht weniger US-Soldaten. Das wiederum bedeutet, dass wir für den Einsatz weniger Milliarden Dollar ausgeben", sagte der US-Präsidentschaftsbewerber laut einem CNN-Bericht in Berlin kurz vor seiner Weiterreise nach Paris. Das eingesparte Geld könnte für Steuersenkungen eingesetzt werden, um etwa Familien zu entlasten, die unter den hohen Energiepreisen leiden, sagte Obama: "Das wird Einfluss auf unsere Wirtschaft haben."
Auch in seiner Rede am Donnerstag vor der Siegessäule in Berlin hatte der demokratische Präsidentschaftsbewerber die Bedeutung der Afghanistan-Politik betont. "Amerika kann diese nicht alleine schaffen", sagte Obama. "Die afghanische Bevölkerung benötigt unsere Truppen und Ihre Truppen, unsere Hilfe und Ihre Hilfe zur Abwehr der (islamistischen) Taliban und der Terrorgruppe (al-Qaida)." Eine konkrete Forderung an die Europäer, sich mehr in die direkten Kämpfe mit dem Taliban einzuschalten, erhob er dabei allerdings nicht direkt.
Ungewöhnlich scharf kritisierte Obama am Freitag die israelische Siedlungspolitik im Westjordanland. "Aggressiver Siedlungsbau" würde den Geist bisheriger Vereinbarungen mit den Palästinensern verletzen oder sogar im Widerspruch zu diesen Abkommen stehen, sagte Obama in Interview der Zeitung "Jerusalem Post".
Im neuen SPIEGEL 30/2008:
Deutschland trifft den Superstar
Barack Obamas Auftritt in Berlin
Wenn Israel aus Sicherheitsgründen Land im Westjordanland behalten wollen, solle die Regierung darüber nachdenken, ob ihr dies "die Feindschaft" der Palästinenser wert sei, wurde Obama weiter zitiert. Israel hatte am Donnerstag die Errichtung weiterer Siedlungen im Westjordanland angekündigt. Bei der Wiederaufnahme der Friedensgespräche im vergangenen Jahr hatte die Regierung zugesagt, keine neuen Siedlungen in dem Autonomiegebiet zu bauen.
Außerdem appellierte Obama an Iran, im Atomstreit einzulenken. Die Führung in Teheran sollte ein Angebot von EU-Ratspräsident Nicolas Sarkozy annehmen, wonach dem Land Handelserleichterungen in Aussicht gestellt werden, wenn es die Urananreicherung stoppt. Teheran dürfe nicht darauf warten, dass der nächste US-Präsident Druck ausübe, "weil der Druck nur zunehmen wird", sagte Obama bei einer Pressekonferenz mit Sarkozy in Paris. Die USA und andere westliche Staaten werfen Iran vor, den Bau von Atomwaffen zu planen. Iran hat erklärt, sein Atomprogramm diene ausschließlich zivilen Zwecken.
Sarkozy und Obama waren sich 2006 in Washington begegnet, als Sarkozy noch Innenminister war. Er habe "eine sehr gute Erinnerung" an das Treffen mit dem demokratischen Senator, sagte der französische Präsident der Tageszeitung "Le Figaro". Er betrachte Obama als seinen Freund. Der konservative Staatschef legt großen Wert auf gute Beziehungen zu den Vereinigten Staaten, nachdem das Verhältnis mit den USA unter seinem Vorgänger Jacques Chirac wegen des Irak-Krieges sehr kühl geworden war.
Am Freitagabend traf der Präsidentschaftskandidat zur letzten Etappe seiner Europa-Reise in London ein: Obama wird am Samstag den britischen Premierminister Gordon Brown treffen. Auf seinem Programm stehen auch Gespräche mit Oppositionsführer David Cameron und dem früheren Premierminister Tony Blair.
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Edmund Stoiber, CSU-Ehrenvorsitzender, Ex-Ministerpräsident Bayerns
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WORTLAUT: BARACK OBAMA IN BERLIN ÜBER ...
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"Wenn wir ehrlich miteinander sind, dann wissen wir, dass wir auf beiden Seiten des Atlantiks gelegentlich auseinandergedriftet sind und unser gemeinsames Schicksal vergessen haben."
"In Europa hat sich viel zu sehr die Ansicht durchgesetzt, dass Amerika ein Teil dessen ist, was auf der Welt falsch läuft, und nicht die Kraft ist, die Hilfe zur Verbesserung bietet. In Amerika gibt es Stimmen, die die Wichtigkeit der Rolle Europas für unsere Sicherheit und unsere Zukunft verhöhnen und bestreiten. Beide Meinungen gehen an der Wahrheit vorbei (...)."
"Ja, es gab Differenzen zwischen Amerika und Europa. Es wird sie ohne Zweifel auch in der Zukunft geben. Aber die Last der gobalen Verantwortung bindet uns aneinander. Ein Wechsel der Führung in Washington wird diese Last nicht von uns nehmen. (...) Amerikaner und Europäer werden mehr tun müssen, nicht weniger."
"Ich weiß, dass mein Land nicht perfekt ist. Gelegentlich taten wir uns schwer, das Versprechen von Freiheit und Gleichheit für alle unsere Bürger zu erfüllen. Wir haben unseren Anteil an Fehlern gemacht, und es gab Zeiten, in denen unser Handeln rund um die Welt nicht unseren besten Absichten gerecht wurde. Ich weiß aber auch, wie sehr ich Amerika liebe."
"Wahre Partnerschaft und wahrer Fortschritt erfordern unablässige Arbeit und anhaltende Opferbereitschaft. Sie erfordern, die Lasten zu teilen (...). Sie erfordern Verbündete, die aufeinander hören, voneinander lernen und - am wichtigsten - sich gegenseitig vertrauen.
Deswegen darf sich Amerika nicht zurückziehen. Deswegen darf sich Europa nicht zurückziehen. Amerika hat keinen besseren Partner als Europa."
"Jetzt ist die Zeit, in der wir den Terrorismus besiegen und die Quellen des Extremismus austrocknen müssen, die ihn speisen. Die Bedrohung ist real, und wir können nicht vor unserer Verantwortung zurückschrecken, diese zu bekämpfen."
"Niemand heißt den Krieg willkommen. Ich sehe die enormen Schwierigkeiten in Afghanistan. Aber mein Land und Ihres haben ein gemeinsames Interesse daran, dass die erste Mission der Nato außerhalb ihrer Grenzen zum Erfolg wird. (...) Amerika kann das nicht allein. Das afghanische Volk braucht unsere Truppen und Ihre Truppen."
"In diesem Moment bringen Autos in Boston und Fabriken in Peking die Polarkappen in der Arktis zum Schmelzen, die Küsten des Atlantik werden überflutet, und Farmen in Kenia und Kansas leiden unter der Dürre."
"Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir gemeinsam diesen Planeten retten müssen."
"Wir müssen sicherstellen, dass alle Nationen der Welt - einschließlich meiner eigenen - den Ausstoß an Treibhausgas mit jener Ernsthaftigkeit reduzieren, wie es Ihr Land tut."
"Ich bin nach Berlin gekommen, so wie viele meiner Landsleute vor mir. Ich spreche heute Abend nicht als Präsidentschaftskandidat zu Ihnen, sondern als Bürger - als stolzer Bürger der USA und als Weltbürger."
"Diese Stadt kennt den Traum von Freiheit ganz genau. Sie wissen es: Heute abend sind wir nur deshalb hier, weil Männer und Frauen aus unseren beiden Nationen zusammengekommen sind, um zu arbeiten, zu kämpfen und Opfer für ein besseres Leben zu bringen."
"Wir verfügen über eine Partnerschaft, die in diesem Sommer vor 60 Jahren wirklich begonnen hat - an jenem Tag, als das erste amerikanische Flugzeug der Luftbrücke in Tempelhof landete."
"Selbst in den dunkelsten Stunden haben die Berliner die Flamme der Hoffnung am Leben erhalten. Die Bürger von Berlin haben nicht aufgegeben."
"Völker der Welt - schaut auf Berlin, wo eine Mauer fiel, ein Kontinent sich vereinigte und der Lauf der Geschichte bewies, dass keine Herausforderung zu groß ist für eine Welt, die zusammensteht."
hen/AP/dpa/AFP