US-Wahlkampf
McCain-Sprecher schimpft über anbiedernde Deutsche
Präsidentschaftsbewerber McCain schlägt zurück. In einem TV-Spot attackiert er Barack Obama für dessen Reiseplanung: Der Senator habe in Deutschland lieber ein Fitnessstudio besucht als verletzte US-Soldaten. McCains Sprecher versteigt sich gar zu pauschalen Beschimpfungen.
Washington - Demokrat Barack Obama hat die Herzen der Europäer im Sturm erobert - zum Unmut seines Rivalen im Rennen ums Weiße Haus, John McCain. Der Republikaner kommentierte die Auslandsreise Obamas nun mit einem neuen Fernsehspot.
AP
Republikaner McCain: "Immer für unsere Soldaten da"
Darin kritisiert McCain seinen Kontrahenten dafür, dass er Zeit für einen Besuch im Fitnessstudio gehabt habe, nicht aber für verwundete Soldaten. US-Präsidentschaftsanwärter Obama hatte einen für vergangenen Freitag geplanten Abstecher in das US-Militärkrankenhaus in Landstuhl kurzfristig abgesagt. Nach Angaben eines Sprechers änderte der Senator seine Pläne, weil er den Besuch nicht zu einem Wahlkampftermin machen wollte.
McCains Wahlkampfteam hingegen schlachtete die Absage für die eigenen Zwecke aus. "Sieht so aus, als ob das Pentagon keine Kameras erlaubt hat", hieß es in dem Spot. Und weiter: "John McCain ist immer für unsere Soldaten da."
Noch einen Schritt weiter ging McCains Sprecher Tucker Bounds. Die Landstuhl-Absage zeige die mangelnde Erfahrung Obamas, sagte Bounds in mehreren Interviews. Der Senator ziehe eben "einen Haufen kriecherischer Deutscher" einem Besuch bei verwundeten Truppen vor, sagte Bounds dem US-Sender Fox News. Der Zeitschrift "The Nation" zitiert ihn ähnlich: Statt die verwundeten Soldaten zu besuchen, habe sich Obama "an seine Planung gehalten und internationale Spitzenpolitiker und "fawning" Deutsche getroffen". Der Begriff "fawning" wird abgeleitet von "fawn", dem Rehkitz, und kann in unterschiedlichen Konnotationen übersetzt werden - schmeichlerisch, umwerbend, anhimmelnd, anbiedernd, kriecherisch oder unterwürfig.
Die genauen Hintergründe für Obamas Absage sind noch unklar. Obamas Sprecher Tommy Vietor sagte, der Besuch in Landstuhl sei abgesagt worden, nachdem das Verteidigungsministerium Bedenken gegen politische Aktivitäten in einer Militäreinrichtung geäußert habe. Das Pentagon erklärte hingegen, Obama sei nie aufgefordert worden, nicht nach Landstuhl zu kommen.
"Wir waren eine Woche weg"
Der Senator hatte in der vergangenen Woche Deutschland und den Irak, Afghanistan, Israel, Jordanien, Frankreich und Großbritannien besucht. In Afghanistan und im Irak hatte Obama sich mit Truppen getroffen, war dort allerdings Teil einer offiziellen Kongressdelegation. Am Donnerstagabend hatte Obama vor 200.000 Menschen an der Berliner Siegessäule gesprochen.
Obama verteidigte sich noch in London gegen die Attacken seines Kontrahenten. McCain habe ihm doch eine Auslandsreise nahegelegt und nach seinem Sieg bei den Vorwahlen selbst eine gemacht. Genau wie das Wahlkampfteam von McCain erkenne er an, dass der nächste Präsident effektive Beziehungen zu den Verbündeten schmieden müsse. Seine Reise sei wichtig gewesen, "weil ich überzeugt bin, dass viele der Themen, denen wir zu Hause gegenüberstehen, nicht ohne starke Partner im Ausland gelöst werden können", erklärte Obama weiter.
"Wir waren eine Woche weg. Die Leute sind über Benzinpreise und Zwangsversteigerungen besorgt." Andererseits könnten viele der Probleme zu Hause nur gemeinsam mit Partnern im Ausland gelöst werden. Am Sonntag hält er in Chicago eine Wahlkampfrede. Tolle TV-Bilder, jubelnde Massen, geschickte Diplomatie: Obamas Auslandswoche war in Übersee ein Erfolg. Doch in den USA erwartet ihn nun der harte Wahlkampf-Alltag. Bislang konnte der
Hoffnungsträger der Demokraten sich nicht nennenswert von seinem Rivalen absetzen.
ffr/AP/dpa/AFP
WORTLAUT: BARACK OBAMA IN BERLIN ÜBER ...
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"Wenn wir ehrlich miteinander sind, dann wissen wir, dass wir auf beiden Seiten des Atlantiks gelegentlich auseinandergedriftet sind und unser gemeinsames Schicksal vergessen haben."
"In Europa hat sich viel zu sehr die Ansicht durchgesetzt, dass Amerika ein Teil dessen ist, was auf der Welt falsch läuft, und nicht die Kraft ist, die Hilfe zur Verbesserung bietet. In Amerika gibt es Stimmen, die die Wichtigkeit der Rolle Europas für unsere Sicherheit und unsere Zukunft verhöhnen und bestreiten. Beide Meinungen gehen an der Wahrheit vorbei (...)."
"Ja, es gab Differenzen zwischen Amerika und Europa. Es wird sie ohne Zweifel auch in der Zukunft geben. Aber die Last der gobalen Verantwortung bindet uns aneinander. Ein Wechsel der Führung in Washington wird diese Last nicht von uns nehmen. (...) Amerikaner und Europäer werden mehr tun müssen, nicht weniger."
"Ich weiß, dass mein Land nicht perfekt ist. Gelegentlich taten wir uns schwer, das Versprechen von Freiheit und Gleichheit für alle unsere Bürger zu erfüllen. Wir haben unseren Anteil an Fehlern gemacht, und es gab Zeiten, in denen unser Handeln rund um die Welt nicht unseren besten Absichten gerecht wurde. Ich weiß aber auch, wie sehr ich Amerika liebe."
"Wahre Partnerschaft und wahrer Fortschritt erfordern unablässige Arbeit und anhaltende Opferbereitschaft. Sie erfordern, die Lasten zu teilen (...). Sie erfordern Verbündete, die aufeinander hören, voneinander lernen und - am wichtigsten - sich gegenseitig vertrauen.
Deswegen darf sich Amerika nicht zurückziehen. Deswegen darf sich Europa nicht zurückziehen. Amerika hat keinen besseren Partner als Europa."
"Jetzt ist die Zeit, in der wir den Terrorismus besiegen und die Quellen des Extremismus austrocknen müssen, die ihn speisen. Die Bedrohung ist real, und wir können nicht vor unserer Verantwortung zurückschrecken, diese zu bekämpfen."
"Niemand heißt den Krieg willkommen. Ich sehe die enormen Schwierigkeiten in Afghanistan. Aber mein Land und Ihres haben ein gemeinsames Interesse daran, dass die erste Mission der Nato außerhalb ihrer Grenzen zum Erfolg wird. (...) Amerika kann das nicht allein. Das afghanische Volk braucht unsere Truppen und Ihre Truppen."
"In diesem Moment bringen Autos in Boston und Fabriken in Peking die Polarkappen in der Arktis zum Schmelzen, die Küsten des Atlantik werden überflutet, und Farmen in Kenia und Kansas leiden unter der Dürre."
"Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir gemeinsam diesen Planeten retten müssen."
"Wir müssen sicherstellen, dass alle Nationen der Welt - einschließlich meiner eigenen - den Ausstoß an Treibhausgas mit jener Ernsthaftigkeit reduzieren, wie es Ihr Land tut."
"Ich bin nach Berlin gekommen, so wie viele meiner Landsleute vor mir. Ich spreche heute Abend nicht als Präsidentschaftskandidat zu Ihnen, sondern als Bürger - als stolzer Bürger der USA und als Weltbürger."
"Diese Stadt kennt den Traum von Freiheit ganz genau. Sie wissen es: Heute abend sind wir nur deshalb hier, weil Männer und Frauen aus unseren beiden Nationen zusammengekommen sind, um zu arbeiten, zu kämpfen und Opfer für ein besseres Leben zu bringen."
"Wir verfügen über eine Partnerschaft, die in diesem Sommer vor 60 Jahren wirklich begonnen hat - an jenem Tag, als das erste amerikanische Flugzeug der Luftbrücke in Tempelhof landete."
"Selbst in den dunkelsten Stunden haben die Berliner die Flamme der Hoffnung am Leben erhalten. Die Bürger von Berlin haben nicht aufgegeben."
"Völker der Welt - schaut auf Berlin, wo eine Mauer fiel, ein Kontinent sich vereinigte und der Lauf der Geschichte bewies, dass keine Herausforderung zu groß ist für eine Welt, die zusammensteht."