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04.08.2008
 

Südafrika

ANC-Chef Zuma will Korruptionsprozess abwenden

Er soll Bestechungsgelder angenommen haben, nun steht er vor Gericht - und seine Anhänger glauben weiter fest an die Unschuld von Jacob Zuma. Der Chef der südafrikanischen Regierungspartei ANC ließ über seinen Anwalt Einspruch gegen das Verfahren einlegen.

Pietermaritzburg - Begleitet von Protesten seiner Anhänger hat in Südafrika der Korruptionsprozess gegen den Chef der Regierungspartei ANC, Jacob Zuma, begonnen. Der 66-Jährige betrat das Gericht im südöstlichen Pietermaritzburg am Montagmorgen durch eine Hintertür, um nicht fotografiert und gefilmt zu werden.

Bei dem zweitägigen Verfahren vor dem Oberlandesgericht in Pietermaritzburg soll geprüft werden, ob die Wiederaufnahme eines Korruptionsprozesses gegen Zuma rechtmäßig ist. Der Prozess war wegen Verfahrensfehlern zunächst niedergeschlagen worden. Sein Anwalt wandte ein, Zuma sei nicht, wie in der Verfassung vorgeschrieben, erst selbst zu dem Fall angehört worden.

Der Prozess soll generell klären, ob Zuma in seiner Zeit als Vize-Präsident von dem südafrikanischen Unternehmen Thint, einer Tochter des französischen Rüstungskonzerns Thales, rund 68.000 Euro angenommen hat, um im Gegenzug die Untersuchung eines Waffengeschäfts zu verhindern. Der Prozess könnte Zumas Wahl zum neuen südafrikanischen Präsidenten verhindern.

Zuma selbst nahm lächelnd auf der Anklagebank Platz und grüßte seine Anhänger im Gerichtssaal. Damit muss das Gericht zunächst über die Beschwerde entscheiden, so dass mit einer Vertagung des Prozesses gerechnet wurde. Die Verteidigung Zumas versucht um jeden Preis, eine Verurteilung vor den Wahlen im April 2009 zu verhindern. "Wir hoffen, dass die Anklage fallengelassen wird", sagte ANC-Sprecher Jesse Duarte.

Singen, tanzen und beten für den ANC-Chef

Der Prozess könnte über Zumas politische Zukunft entscheiden. Er soll den ANC im kommenden Jahr in den Präsidentschaftswahlkampf führen und gilt als wahrscheinlicher Präsidentschaftskandidat. Für den Fall einer Verurteilung kündigte er jedoch einen Rückzug aus der Politik an.

Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Tausende ANC-Anhänger, darunter ANC-Generalsekretär Gwede Mantashe, sowie Gewerkschafter und Kommunisten gegen das Verfahren. Sie sangen, tanzten und sprachen Gebete für den Parteichef, den sie als Opfer eines Komplotts des derzeitigen Präsidenten Thabo Mbeki sehen. Zuma hatte Mbeki im Dezember vergangenen Jahres von der Parteispitze verdrängt. Um Anhänger des ANC-Chefs aus dem ganzen Land nach Pietermaritzburg zu bringen, waren extra Busse gemietet worden. Die ANC-Führung ließ ein weißes Zelt vor dem Gerichtsgebäude aufstellen, in dem führende Parteimitglieder gegen das Verfahren protestieren wollten.

Neben Bestechung wirft die Anklage Zuma unter anderem Betrug und Geldwäsche vor. Insgesamt ist er in 16 Punkten angeklagt. Der Parteichef weist die Vorwürfe zurück. Zuma hatte bereits 2006 wegen Vergewaltigung vor Gericht gestanden, wurde aber freigesprochen. Dem Politiker war vorgeworfen worden, die HIV-positive Tochter eines Freundes missbraucht zu haben. 2005 entließ Mbeki Zuma als Vize-Staatschef wegen eines früheren Korruptionsskandals.

ffr/AFP/dpa

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