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06.08.2008
 

Olympische Spiele

Massive Polizeipräsenz schützt Fackellauf in Peking

Der Platz des Himmlischen Friedens war abgeriegelt, die Zuschauer wurden genau ausgewählt: In Peking hat die letzte Etappe des olympischen Fackellaufs begonnen. Völlig unklar ist noch, was mit vier Demonstranten geschehen ist - sie hatten Pro-Tibet-Spruchbänder entrollt und wurden abgeführt.

Peking - Erst nach einer Stunde hatten die chinesischen Sicherheitskräfte die Lage wieder im Griff - dann wurden vier Demonstranten aus Großbritannien und den USA abgeführt, die aus Protest gegen die Tibet-Politik Spruchbänder am Olympiastadion aufgehängt hatten. Der Verbleib der drei Männer und einer Frau konnte anschließend nicht geklärt werden. Sie gehören zu der New Yorker Gruppe "Studenten für ein freies Tibet".

Es war das erste Mal, dass Demonstranten an einer Sportstätte der Olympischen Spiele in Peking protestierten. Ein Sprecher des Organisationskomitees in Peking kritisierte die Aktion. "Wir hoffen, dass Ausländer die entsprechenden chinesischen Gesetze und Bestimmungen respektieren", sagte Sprecher Sun Weide.

Nach Angaben der Chinesen wurden die Aktivisten im Alter von 23 bis 34 Jahre nicht festgenommen. Für die New Yorker Zentrale war die Gruppe aber nicht mehr erreichbar. Laut Olympiakomitee wurde die Polizei erst durch einen Anruf auf die Aktion aufmerksam - obwohl an der betreffenden Kreuzung zu jeder Tages- und Nachtzeit Sicherheitskräfte postiert sind. Die Polizei benötigte zwölf Minuten, um die Aktion zu beenden, wie die Staatsagentur Xinhua berichtete. Dutzende neugierige Pekinger verfolgten die Aktion.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf China dagegen eine "massive Zunahme" von Menschenrechtsverletzungen vor. Sie kritisierte, dass die chinesische Führung ihre Versprechen auf ganzer Linie gebrochen habe. "Die Pekinger Spiele haben eine Rückwärtsbewegung bei einigen fundamentalen Grundrechten ausgelöst", sagte Sophie Richardson, die Asien-Beauftragte der Menschenrechtsorganisation. Als Beispiel nannte sie Festnahmen, verschärftes Vorgehen gegen Meinungs- und Versammlungsfreiheit und die Vertreibung von Wanderarbeitern aus Peking.

Zwei Stunden nach dem Zwischenfall gab es dann keine Störaktionen mehr. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen begann am Eingang zum Kaiserpalast im Zentrum der chinesischen Hauptstadt die letzte Etappe des Fackellaufs. Der Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen) war weiträumig abgeriegelt.

Der Präsident des Pekinger Organisationskomitees, Liu Qi, übergab die Fackel am kaiserlich roten "Mittagstor" der "Verbotenen Stadt" zunächst an den ersten chinesischen Astronauten Yang Liwei. Unter den ersten Trägern war auch NBA-Basketballstar Yao Ming. Er ist damit wohl aus dem Rennen für die Wahl des letzten Fackelläufers, der am Freitag im Nationalstadion das olympische Feuer entfachen darf. Da der populäre chinesische Hürdenläufer Liu Xiang zum Auftakt des Fackellaufes auch bereits am Zuge war, wird nun gerätselt, wer als letzter bei der Eröffnungsfeier das Feuer tragen darf.

Die Fackel wurde auch in Peking ständig von einer Truppe speziell ausgebildeter Sicherheitskräfte begleitet, die mitunter Fotografen aus dem Weg schubsten, um den Weg für die Läufer freizumachen. Am Anfang stand auf dem Platz des Himmlischen Friedens nur eine schmale Reihe von jubelnden Zuschauern. Das Publikum bestand größtenteils aus vorher ausgewählten Bürgern. Nicht jeder Pekinger durfte so nah an das olympische Feuer. "Unser Chef hat organisiert, dass wir hier sein können", sagte eine Lehrerin. Gemeinsam mit 20 Kollegen von ihrer Grundschule sei sie gekommen.

"Das ist alles so aufregend", erklärte sie in dem Moment, als die Fackel wenige Meter von ihr entfernt vorbeigetragen wurde. "Morgen werde ich meinen Schülern davon erzählen." Viele Besucher hatten nicht so viel Glück. Ohne Anmeldung kamen sie an den zahlreichen Sicherheitssperren nicht vorbei. "Ich habe das Feuer nicht einmal aus der Ferne gesehen", sagte Lin Yuling.

als/AP/dpa

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