Von Matthias Gebauer und Shoib Najafizada
Berlin - Der Attentäter attackierte die Patrouille der Bundeswehr nach Informationen von SPIEGEL ONLINE am Dienstag gegen 15 Uhr afghanischer Zeit. Der Vorfall ereignete sich demnach rund 35 Kilometer südlich von Kunduz im Norden des Landes, wo die deutschen Soldaten regelmäßig Kontrollfahrten unternehmen.
Nach Angaben aus Bundeswehrkreisen sprengte sich der Angreifer, der sich den Deutschen auf einem Motorrad genähert hatte, neben einem Fahrzeug der Bundeswehr in die Luft.
Die Wucht der Explosion beschädigte mindestens ein Fahrzeug schwer und verletzte drei Soldaten, zwei von ihnen sollen schwerverwundet sein. Die Verletzten wurden von einem Rettungshubschrauber der Bundeswehr zur medizinischen Betreuung ins Camp Marmal in Masar-i-Scharif geflogen.
Die Taliban verbreiteten die Nachricht über den Anschlag noch am Mittwochnachmittag per Telefon unter Journalisten in Afghanistan und rühmten diesen als erneuten Erfolg gegen die deutschen Truppen.
"Einer unserer Kämpfer, ein junger Mann, hat sich erfolgreich nahe den Deutschen in die Luft gesprengt", sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahed SPIEGEL ONLINE per Telefon von einem unbekannten Ort. Er sprach von zwölf getöteten Soldaten und zwei zerstörten Autos. Üblicherweise übertreiben die Taliban die Opferzahlen in ihren Mitteilungen stark.
Immer mehr Angriffe auf die Bundeswehr
Der örtliche Polizeichef, Abd al-Rahman Saidkhili, bestätigte den Vorfall. Demnach kam es zu dem Angriff, als die Deutschen von Kunduz in die Region Baghlan fahren wollten. Den Ort des Anschlags gab der Polizeichef mit Charshandet an. Über die Hintergründe der Tat habe man bisher keine Erkenntnisse.
Ein Augenzeuge des Vorfals sagte SPIEGEL ONLINE per Telefon, der Angreifer habe eine "massive Explosion" ausgelöst. "Zwei Fahrzeuge der Deutschen wurden fast vollkomen zerstört", sagte Abdul Safi, der in der Nähe des Anschlagsorts wohnt. Entgegen den anderen Angaben sprach er von vier Verletzten. "Als die Helikopter kamen, wurden vier Deutsche auf Liegen abtransportiert", so der Augenzeuge.
Die Region um Kunduz, einst als relativ sicher eingestuft, entwickelt sich immer mehr zur Gefahrenregion. Die Gewalt richtet sich dabei mehr und mehr auch gegen die Bundeswehr.
Am Mittwoch war ebenfalls bekannt geworden, dass Entführer in Kabul seit rund zwei Wochen einen aus Hamburg stammenden Deutsch-Afghanen in ihrer Gewalt haben. Der Krisenstab in Berlin geht von kriminellen Motiven aus.
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