Tiflis/Moskau - Seine Entscheidung verkündete der georgische Präsident Micheil Saakaschwili in einer Fernsehansprache: Es falle ihm schwer, aber er habe in der abtrünnigen Region Südossetien den Waffenstillstand befohlen. Georgische Soldaten dürften ab sofort keine Schüsse aus Südossetien erwidern. Es gebe bereits viele Tote und Verletzte, sagte Saakaschwili. "Keiner sollte uns als Aggressor hinstellen", sagte er.
Russland und die prorussische Führung in Südossetien hatten Georgien "Provokationen und Kriegstreiberei" vorgeworfen. Georgien hingegen hatte Südossetien die Schuld an den schwersten Gefechten seit Jahren gegeben.
Saakaschwili bot Russland Gesprächsbereitschaft an. Er erneuerte sein Angebot, Südossetien "weitreichende Autonomie" einzuräumen. Südossetien hatte Georgien Annektierungsversuche vorgeworfen. Die Führung in Tiflis betonte, der einseitige Waffenstillstand sei ein Zeichen für Georgiens Bereitschaft, den Konflikt friedlich zu lösen.
Bei schweren Feuergefechten in der georgisch-südossetischen Konfliktzone waren in der vergangenen Nacht mindestens 20 Menschen verletzt worden. Unter ihnen seien Frauen und andere Zivilisten, berichteten russische und georgische Medien übereinstimmend.
In Tiflis scheiterten am Donnerstag Gespräche des russischen Sonderbeauftragten Juri Popow mit Georgiens Integrationsminister Temur Jakobaschwili.
Von Georgien aus hätten sich am Donnerstag Militärkolonnen mit mindestens 200 Soldaten auf Südossetien zubewegt, meldeten russische Agenturen unter Berufung auf Augenzeugen und Reporter. In der Region nahe der südossetischen Hauptstadt Zchinwali kamen bei den schwersten Auseinandersetzungen seit 2004 zuletzt mehrere Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Berichte über weitere Todesfälle am Donnerstag wurden nicht bestätigt.
Südossetien hatte zu Sowjetzeiten weitgehende Autonomie über die eigene Sprache und Bildung. Der Widerstand georgischer Nationalisten mündete in einen blutigen Militärkonflikt Anfang der 1990er Jahre.
Georgien und Russland schlossen 1992 ein Waffenstillstandsabkommen, in dessen Folge auch die Schaffung einer Gemischten Kontrollkommission mit je 1500 russischen, georgischen und nordossetischen Soldaten vereinbart wurde. Das Abkommen hielt aber nur bis 2004. Im Juli und August 2004 starben Dutzende Menschen bei Gefechten in der Konfliktzone.
hen/dpa
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