Tiflis/Moskau - Ungeachtet einer georgischen Anordnung zur Waffenruhe ist die Hauptstadt von Südossetien in der Nacht zum Freitag unter heftigen Beschuss gekommen. Laut einer Meldung von Interfax wurde Zchinwali aus der Richtung von georgisch-kontrollierten Gegenden angegriffen. Das berichtete die russische Nachrichtenagentur unter Berufung auf einen Sprecher der Friedenstruppe in der abtrünnigen georgischen Region. Eine amtliche Bestätigung war zunächst nicht zu erhalten. "Die Angriffe kommen aus allen Richtungen", hieß es in einer kurzen Botschaft auf der Internetseite der Separatisten.
Angesichts der zunehmenden Kriegsgefahr in Südossetien hatte der georgische Präsident Michail Saakaschwili seine Truppen am Donnerstag aufgefordert, das Feuer einzustellen. In einer Fernsehansprache rief er die Führung der abtrünnigen Region auf, Verhandlungen mit seiner Regierung aufzunehmen. Er schlug vor, dass Russland Garant einer weitgehenden Autonomie Südossetiens wird, das Gebiet aber bei Georgien verbleiben sollte.
Verwirrung um Waffenstillstand
Berichte um einen angeblichen Waffenstillstand zwischen Georgien und den Separatisten sorgten am Abend für Verwirrung: Die Feuerpause werde mindestens bis zum Beginn von gemeinsamen Gesprächen dauern, bei denen Russland vermitteln soll, zitierte Interfax den Chef der russischen Friedenstruppen in der Region. Bereits eine Stunde später meldete die Nachrichtenagentur AFP, es gebe keinen Waffenstillstand: "Es wurde kein Waffenstillstandsabkommen geschlossen, weil wir leider gar keinen Kontakt mit den Abtrünnigen haben", zitierte die Agentur den georgischen Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates, Alexander Lomaija.
Südossetien hatte sich in einem Krieg Anfang der neunziger Jahre von Georgien gelöst. Ebenso wie das abtrünnige Abchasien gehört die Bergregion völkerrechtlich weiter zu Tiflis, wird jedoch wirtschaftlich von Russland unterstützt. In den vergangenen Monaten hatten die Spannungen um die Kaukasus-Regionen zugenommen, weil Moskau die Aufnahme offizieller Beziehungen zu den beiden Regionen angekündigt hatte. Am Freitag sollen Gespräche zwischen georgischen und südossetischen Vertretern unter russischer Vermittlung stattfinden.
Bei schweren Feuergefechten in der georgisch-südossetischen Konfliktzone waren in der vergangenen Nacht mindestens 20 Menschen verletzt worden. Unter ihnen seien Frauen und andere Zivilisten, berichteten russische und georgische Medien übereinstimmend. Von Georgien aus hätten sich am Donnerstag Militärkolonnen mit mindestens 200 Soldaten auf Südossetien zubewegt, meldeten russische Agenturen unter Berufung auf Augenzeugen und Reporter.
amz/dpa/AP/Reuters
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