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08.08.2008
 

Irak-Häftlinge

US-Truppen sperren gewalttätige Gefangene in Holzkäfige

Ein einfacher Holzverschlag, in dem ein erwachsener Mann gerade noch stehen kann: Das US-Militär hat Fotos von Isolationszellen in irakischen Gefangenenlagern veröffentlicht. Besonders gewalttätige Häftlinge werden in den Käfigen von anderen Insassen getrennt - zum Teil stundenlang.

Washington - Seit Bekanntwerden der schweren Misshandlungen im irakischen US-Gefängnis Abu Ghraib sollen die Bedingungen für Kriegsgefangene deutlich verbessert worden sein, hat das US-Verteidigungsministerium mehrfach erklärt. Doch jetzt ist neues Bildmaterial aufgetaucht, das die menschenwürdige Behandlung der Häftlinge in Frage stellt. Wie das Blog "The Memory Hole" und US-Nachrichtenseite CNN.com berichten, ist es bei den US-Truppen im Irak offenbar üblich, besonders gewalttätige Häftlinge von ihren Mitinsassen zu isolieren - indem man sie in holzkistenähnliche Mini-Zellen sperrt.

Mehrere Fotos, die das Militär veröffentlichte, dokumentieren die Unterkünfte der irakischen Insassen. Sie seien im Armeejargon als "Isolationsbox" bekannt, hieß es. Auf den grobkörnigen Schwarzweiß-Bildern sieht man einfache Holzboxen, die durch eine Tür verschließbar sind. Im oberen Teil der Zelle ist ein Holzgitter zu erkennen.

In einigen Fällen sollen die Kisten kaum größer als die Häftlinge selbst sein. Die Kantenbreiten einiger Kisten würden dann nicht mehr als drei Fuß, die Längen nicht mehr als sechs Fuß betragen, berichtet CNN. Das entspricht umgerechnet etwa einem Meter Breite und 1,80 Meter Höhe. Laut irakischem Gesundheitsministerium ist der durchschnittliche irakische Mann zwischen 1,52 und 1,82 Meter groß.

"Auf isolierte Gefangene geben wir besonders acht"

Das US-Militär wies Vorwürfe einer unmenschlichen Behandlung Gefangener zurück. Es würden strenge Regeln gelten, die für die Sicherheit der Insassen garantieren: Alle 15 Minuten würden die Boxen kontrolliert, hieß es. Häftlinge, die vom Rest der Gruppe isoliert werden, dürften nie länger als zwölf Stunden am Stück in einer solchen Kiste verbringen.

"Auf isolierte Gefangene geben wir besonders acht", zitierte CNN.com den Militärsprecher Neal Fisher. Niemals sei ein Häftling krank geworden oder gar gestorben, weil er in einer "Isolationsbox" gesessen habe.

Menschenrechtler kritisierten die Kisten-Praxis des US-Militärs scharf. "Wir befürchten, dass die Holzzellen auch dann zum Einsatz kommen könnten, wenn es sehr heiß und schwül ist", sagte Jennifer Daskel von Human Rights Watch. "Auch wissen wir nicht, ob die Gefangenen ausreichend mit Wasser und Essen versorgt werden."

Das Blog "The Memory Hole", das zuvor bereits Fotos von Soldatensärgen in US-Militärflugzeugen veröffentlichte, hat die Anfrage auf Herausgabe der Kisten-Fotos schon 2005 gestellt und die Aufnahmen Ende 2005 erhalten. Der Blogbetreiber hat sie aber erst kürzlich im Internet veröffentlicht. Unklar blieb zunächst, warum der Blogger eine so lange Zeit verstreichen ließ.

amz/itz/plö

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