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08.08.2008
 

Georgiens Offensive in Südossetien

Putin kündigt Vergeltung für tote russische Soldaten an

Eskalation im Kaukasus: Georgien und Russland steuern im Streit um das abtrünnige Südossetien auf einen Krieg zu. Mehrere russische Soldaten sollen bei Gefechten getötet worden sein. Ministerpräsident Putin drohte Tiflis mit Rache.

Tiflis/Moskau - Georgien ordnet eine Mobilmachung an, Russland antwortet mit Drohungen: Im Kampf um die kaukasische Bergregion Südossetien sind bislang alle Aufrufe zu Vernunft vergeblich. Georgische Truppen begannen am Freitagmorgen mit einer Großoffensive zur Rückeroberung der seit 16 Jahren abtrünnigen Region, die enge Beziehungen zu Russland unterhält.

Die georgischen Truppen hätten begonnen, die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen, erklärte General Mamuka Kuraschwili an. Präsident Micheil Saakaschwili sagte in einer TV-Ansprache, georgische Truppen seien in die Außenbezirke von Zchinwali eingerückt, der Hauptstadt der abtrünnigen Region. Sie kämpften nun um das Stadtzentrum. "Hunderttausende Georgier sollten jetzt zusammenstehen und ihr Land retten", sagte Saakaschwili im Fernsehen in Tiflis.

Saakaschwili warf Russland vor, Kampfflugzeuge hätten georgische Orte und Einrichtungen bombardiert. Dabei seien Menschen verletzt worden. "Eine offene Aggression ist gegen Georgien gestartet worden", sagte Saakaschwili. Sein Land werde sein Territorium aber nicht aufgeben und auf seine Freiheit nicht verzichten. Der Präsident ordnete die Mobilmachung und die Einberufung der Reservisten an.

Russland bestritt Angriffe gegen Georgien. "Das ist Unsinn", sagte ein Sprecher des Ministeriums in Moskau. "Die Information, dass russische Flugzeuge nach Georgien geflogen sind und dass ein russisches Flugzeug abgeschossen wurde, entsprechen nicht der Realität." Kremlchef Dmitrij Medwedew rief den nationalen Sicherheitsrat zu einer Sondersitzung zusammen, um Maßnahmen zu erörtern.

Ministerpräsident Putin ließ dagegen die Muskeln spielen. Der eigentliche starke Mann in Moskau drohte Georgien mit Vergeltung für die Offensive in Südossetien. Die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) müsse angemessen auf die georgische Aggression reagieren, um weiteres Blutvergießen zu verhindern, sagte Putin vor Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking. Russland hat in Südossetien Friedenstruppen stationiert.

Auch der russische Parlamentspräsident Boris Grislow kündigte an, die Führung in Moskau werde ihre Landsleute in Südossetien nicht im Stich lassen. Russland werde dazu alle notwendigen Schritte unternehmen und die Sicherheit seiner südlichen Grenze gewährleisten, erklärte Grislow einer Meldung der Nachrichtenagentur RIA zufolge.

Denn beim Beschuss ihrer Stellungen durch georgische Artillerie sind in Südossetien nach russischen Angaben mehrere russische Friedenssoldaten getötet worden. Die Nachrichtenagentur Interfax meldete am Freitag unter Berufung auf einen Sprecher der Friedenstruppen, deren Kaserne in Zchinwali habe mehrere Treffer erhalten. Bei dem Beschuss der Klinik in Zchinwali seien möglicherweise Menschen getötet worden.

Der Führer der russischen Provinz Nordossetien, Teimuras Mamsurow, fuhr nach Zchinwali. "Wir organisieren gemeinsam eine Verteidigung hier", erklärte er laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax. Hunderte Freiwillige strömten von Nordossetien nach Südossetien, meldete Interfax. Sie zitierte auch den Führer in Abchasien mit den Worten, rund 1000 Freiwillige seien aus seiner Region unterwegs nach Südossetien.

In der Nacht zum Freitag waren heftige Gefechte aus Südossetien gemeldet worden, bei denen mindestens 15 Menschen getötet wurden. "Der Angriff kommt von allen Seiten", hieß es in einer kurzen Erklärung auf der Website der Regierung der Separatisten. In den Außenbezirken der Hauptstadt tobten heftige Gefechte. Georgien habe mit Kampfflugzeugen, schwerer Artillerie und Raketen angegriffen, viele Häuser in Zchinwali stünden in Flammen. Die georgischen Truppen hätten Zchinwali fast vollständig eingeschlossen, fünf Dörfer seien von ihnen eingenommen worden, erklärte der georgische Minister Temur Jakobaschwili. Später hieß es, große Teile der Hauptstadt seien eingenommen worden.

als/AP/dpa/AFP/Reuters

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