Hamburg/Kathmandu/Brüssel - Anlässlich der Eröffnung der Olympischen Spiele haben Menschenrechtsgruppen auf der ganzen Welt gegen die Politik Pekings protestiert. In Nepal wurden am Freitag mindestens 1400 Exil-Tibeter bei anti-chinesischen Protesten nahe der chinesischen Botschaft festgenommen.
Die Demonstranten in Nepals Hauptstadt Kathmandu, unter ihnen zahlreiche buddhistische Mönche und Nonnen, schrien mit Blick auf den chinesischen Präsidenten "Schande, Schande Hu Jintao". "Wir wollen den Millionen von Zuschauern (...) und den Hunderten Athleten mitteilen, dass die Menschenrechte in Tibet nicht existieren", sagte der tibetische Student Tashi Tsering. Nach Verhören sollten die Demonstranten am Abend wieder freigelassen werden.
Der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) gelang es, kurzfristig einen Piratensender in Peking einzurichten. "Wir sind in Peking mit einer mobilen Radiostation unterwegs gewesen, heute Morgen lokaler Zeit um 8.08 Uhr, und haben dort zwanzig Minuten lang Beiträge gesendet, zu Presse- und Meinungsfreiheit", sagte die RSF-Deutschland-Geschäftsführerin Elke Schäfter dem Fernsehsender n-tv. Die Sendung war in mehreren Vierteln der chinesischen Hauptstadt zu hören. Laut der Organisation handelte es sich um die erste Ausstrahlung eines nicht-staatlichen Rundfunkprogramms seit der kommunistischen Machtübernahme vor knapp 60 Jahren.
In Berlin demonstrieren 50 bis 80 RSF-Mitglieder vor der chinesischen Botschaft. Dabei waren Transparente mit der Aufschrift "China ist das größte Gefängnis für Journalisten" zu sehen. In Paris erwirkte die Reporter-Organisation im Eilverfahren, dass ein Demonstrationsverbot der Polizei aufgehoben wurde. Auch dort demonstrierten vor der chinesischen Botschaft ein paar hundert Menschen.
Auch in Brüssel demonstrierten vor den Gebäuden des EU-Ministerrats und der EU-Kommission etwa 200 Tibeter. In einem offenen Brief an Kommissionspräsident José Manuel Barroso forderten sie die EU auf, mit dazu beizutragen, den von China ausgeübten Druck auf Tibet zu verringern und für die Wahrung der Menschenrechte zu sorgen. In der türkischen Hauptstadt Ankara versuchte sich ein Demonstrant vor der chinesischen Botschaft selbst anzuzünden. Dort demonstrierten rund 300 Menschen, die meisten von ihnen Uiguren, eine von der chinesischen Regierung unterdrückte muslimische Minderheit.
In der indischen Hauptstadt Neu Delhi stürmten tibetische Mönche die chinesische Botschaft, sie wurden aber vor dem Gebäude von der Polizei abgefangen. An der Aktion beteiligten sich nach Polizeiangaben etwa 150 Mönche. Sie wurden alle in Gewahrsam genommen.
Der chinesische Präsident Hu Jintao erklärte, seine Regierung werde an den Verpflichtungen festhalten, die vor sieben Jahren bei der Vergabe der Spiele gegeben wurden. US-Präsident George W. Bush rief China auf, das Recht auf Meinungsfreiheit zu respektieren. "Ich bin der festen Überzeugung, dass sich Gesellschaften, die die freie Äußerung von Ideen zulassen, zu den wohlhabendsten und friedlichsten entwickeln", sagte Bush bei der Einweihung der neuen US-Botschaft in Peking. Bush will am Samstag mit Hu zusammentreffen.
flo/AFP/AP
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