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09.08.2008
 

Kommentar zur Kaukasus-Krise

Hilflose Heißsporne, halbseidene Krieger

Ein Kommentar von Christian Neef

2. Teil: Spielball der verletzten Großmacht

Das alles hätte sich Mitte der neunziger Jahre, als vorübergehend liberalere Kräfte nicht nur in Tiflis, sondern sogar in Zchinwali und Suchumi regierten, vielleicht noch lösen lassen. Aber dann kam das neue Russland ins Spiel, diese verletzte Großmacht, Leute wie Putin, die ihrerseits nie mit dem Verlust Georgiens fertig geworden waren. In den abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien erkannten sie ein wunderbares Instrument, um den Staat am Südrand des Kaukasus in Aufruhr zu halten. Als dann auch noch der Westen – und hier zuallererst die USA – Geschmack an der strategischen Lage Georgiens bekam, war es mit der Ruhe in Tiflis endgültig vorbei. Er werde alles tun, um die Aufnahme Georgiens in die Nato zu verhindern, hat Putin immer wieder gesagt – und was eignete sich besser dazu, als all die köchelnden Konflikte künstlich am Leben zu halten.

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Wie der Konflikt zu lösen ist? Im Moment wohl gar nicht, müsste man aus heutiger Sicht sagen, wenn man denn ehrlich ist. Später vielleicht dadurch, dass die Südosseten nach Russland übersiedeln, was natürlich den bitteren Beigeschmack einer Deportation hätte und an Stalins Vertreibungen während der vierziger Jahre erinnern würde. Die Abchasen aber brauchen eine weitgehende Autonomie.

Der Westen zaudert

Und der Westen? Er hat, man ist es ja nun fast schon gewohnt, durch seine Zweideutigkeiten die Lage verschärft. Er ist für Georgiens "territoriale Integrität", aber wie der arme Saakaschwili die nun herstellen soll, das sagt er nicht. Diplomatisch scheint es nicht zu funktionieren, der militärische Weg aber ist zu Recht verpönt. Das Hauptproblem aber ist die westliche Haltung zu Russland, seit nahezu 20 Jahren schon. Deutliche Worte mit Moskau zu reden, ist schon lange nicht mehr en vogue, was die Russen stets als Schwäche auslegen. Klare Worte dagegen nehmen sie durchaus ernst. Man müsse Russland "einbinden" und auf Moskaus Empfindlichkeiten Rücksicht nehmen, lautet seit dem ersten Tschetschenien-Krieg 1994 die Parole. Diese Politik hat weder Russlands brutales Vorgehen in Grosny verhindern können, noch den Krieg um Berg-Karabach oder die Massaker von Suchumi und Zchinwali.

Selbsttäuschung, Angst vor einer schwer berechenbaren Großmacht, Unkenntnis der ethnischen Probleme in der Region und heillose Zerstrittenheit im eigenen Haus EU – so bleibt man einflusslos am Kaukasus.

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