Zchinwali - Chefarzt Nodar Kokojew steht müde in seinem Operationssaal. Der spärlich beleuchtete Kellerraum ist von einer dicken Staubschicht überzogen. Nur einige nackte Glühbirnen spenden Licht. Unter der Decke verläuft ein Abflussrohr, von dem ein widerlicher Gestank ausgeht. "Es ist katastrophal, aber wir haben keine Wahl", sagte der Arzt. "Wir haben hier schon viele Menschen operiert, vielleicht 40 oder 50", sagt er.
Flüchtlinge in Zchinwali: "Ein Krieg von Soldaten gegen Zivilisten"
Der Krankenhauskeller ist ein weitverzweigtes Labyrinth aus grauen Betonwänden. Es gibt weder Gas noch fließendes Wasser. Ein kleiner Generator produziert Strom. In einem langen Gang stehen Dutzende leere Betten auf dem schmutzigen Fußboden. Die meisten Patienten sind am Sonntag und Montag nach Russland geflohen. Nur wenige harren noch immer in der zerstörten Klinik aus. Isolda Dagujewa sitzt da wie gelähmt. Das Haus der alten Frau sei von einem Panzer zerstört worden, erklärt ein Pfleger.
Die ersten Bomben feuerte die georgische Armee am Donnerstagabend auf Südossetiens Hauptstadt ab. Drei Tage und vier Nächte blieben Ärzte und Schwestern ununterbrochen im Keller. Erst am Montag trauten sie sich wieder ins Freie. Innerhalb von drei Tagen habe die Klinik bis zu 160 Verletzte aufgenommen, sagt der Chirurg Timur Tibilow. "Unsere 25 Ärzte und 30 Krankenschwestern haben sechs Tage lang Tag und Nacht pausenlos gearbeitet", sagt Nodar Kokojew. Die Medikamentenvorräte sind inzwischen aufgebraucht. "Wir waren nicht darauf vorbereitet", sagt er.
Insgesamt gehen die südossetischen Behörden von 2000 Toten allein in Zchinwali aus. Auch Krankenhausangestellte kamen bei den Gefechten ums Leben. Eine Hebamme, die sich in den Keller ihre Hauses geflüchtet hatte, wurde von georgischen Soldaten getötet. Ein junger Arzt starb auf der Straße. Eine Krankenschwester geht zu einem Fenster und zeigt in den Garten der Klinik. Auf dem Rasen stehen Kreuze. Dort seien eine Mutter und ihre Tochter beerdigt worden, erklärt sie. Der Friedhof wurde von georgischen Panzern zerstört.
Amélie Herenstein/AFP
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