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13.08.2008
 

Kaukasus-Krise

"Die USA haben Wichtigeres zu regeln"

Der renommierte amerikanische Russland-Experte Clifford Gaddy rät von einem militärischen Eingreifen im Kaukasus-Konflikt ab. Die frühere Offerte von US-Präsident Bush an Georgien, der Nato beizutreten, hält er für falsch. Europa rät er, Russland ein paar wichtige Fragen zu stellen.

SPIEGEL ONLINE: Sollte die Nato in Georgien militärisch aktiv werden, wenn der Konflikt wieder eskaliert?

Clifford G. Gaddy: Nein.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sanktionen die richtige Antwort?

Gaddy: Wohl kaum. Ich kann mir nicht vorstellen, welche Art von Sanktionen das sein sollten. Wirtschaftssanktionen sind undenkbar, weil Russland am längeren Hebel sitzt als der Westen. Juristische und politische Sanktionen wie der Rauswurf Russlands aus der Gruppe der acht führenden Industriestaaten oder das Verhindern eines Beitritts Russlands zur Welthandelsorganisation würden im besten Falle ineffektiv sein, im schlimmsten Fall kontraproduktiv. Das sind doch alles nur verschiedene Möglichkeiten, sich in den eigenen Fuß zu schießen.

SPIEGEL ONLINE: Was erwarten Sie von den Europäern in dieser Situation?

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SPIEGEL ONLINE

Gaddy: Sie sollten die Gewaltanwendung verurteilen, auf Zurückhaltung drängen, für eine friedliche Lösung plädieren und darauf verzichten, die Russen zu provozieren. Es wäre produktiver, sie würden die Gelegenheit nutzen, um miteinander eine ernste, aber ruhige Diskussion über folgende Fragen zu beginnen: Was will Russland wirklich? Was sollte und was kann der Westen langfristig tun?

SPIEGEL ONLINE: Vor einigen Monaten wollte US-Präsident Bush Georgien den Weg zur Nato-Mitgliedschaft bahnen. Ein schwerer politischer Fehler?

Gaddy: Ja.

SPIEGEL ONLINE: Erwarten Sie einen neuen, jahrelangen Machtkampf zwischen Amerika und Russland?

Gaddy: Nein. Die USA haben zu viele andere, wichtigere Angelegenheiten zu regeln und Russland ist nicht wirklich interessiert, sich mit den USA anzulegen. Aber der wichtigste Grund, warum es diesen Machtkampf nicht geben wird, ist der: Es gibt nichts zu streiten. Die USA haben ihren Status als Weltführungsmacht bereits verloren. Russland kann und will diesen Platz nicht besetzen. Russlands Ziel ist eher ein negatives. Man will sicherstellen, dass von den engsten Nachbarstaaten keine Bedrohung ausgeht. Rußland wird daher fortfahren, diese Nachbarn zu drangsalieren und zu schikanieren. Dieses Verhalten ist für die USA moralisch nicht akzeptabel, aber es stellt keine ernsthafte Bedrohung der USA dar. Was bleibt? Am Ende wird die Rhetorik zwischen Russland und Amerika heißer und das Verhältnis kühler sein.

Das Interview führte Gabor Steingart

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