Aus Gori berichtet Matthias Gebauer
Gori – Der 44-jährige Deutsche Sönke T. aus Lübeck in Schleswig-Holstein war mit seiner Frau und zwei Kindern im Alter von einem und vier Jahren am Dienstag auf der Schnellstraße von der Schwarzmeerküste in Richtung der Hauptstadt Tiflis unterwegs, als Unbekannte den Opel Omega der Familie "mit Kugeln regelrecht zersiebten", wie der Familienvater SPIEGEL ONLINE berichtete.
Der Vorfall ereignete sich in der Nähe der Stadt Gori, mitten im Krisengebiet des Kaukasus-Kriegs und nur wenige Kilometer entfernt von Südossetien.
Sönke T. wurde bei dem Angriff mehrfach von Kugeln getroffen, eine verletzte seine Lunge und musste entfernt werden. Noch schwerer wurde seine aus Georgien stammende Frau verletzt, die deutsche Staatsangehörige ist: Sie traf gut ein Dutzend Geschosse.
"Mit ihren Waffen voll draufgehalten"
Die beiden Erwachsenen mussten nach dem Angriff in einem Krankenhaus behandelt werden, sind jedoch mittlerweile außer Lebensgefahr. Sönke T. konnte das Krankenhaus am Freitagmittag verlassen.
Das Fahrzeug wurde vollkommen zerstört. "Die Scheiben waren waren komplett zerlöchert, und auch die Türen. Die Angreifer haben mit ihren automatischen Waffen voll drauf gehalten", sagte der Familienvater.
Die deutsche Botschaft hatte die Familie nach der Attacke betreut. Das Auswärtige Amt (AA) bestätigte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, dass zwei deutsche Staatsangehörige bei Gori am Dienstagabend verletzt worden sind. Die beiden Deutschen seien im Krankenhaus und würden von der deutschen Botschaft betreut, sagte ein Sprecher am Donnerstagabend. Das AA hatte exakt solche Gefahren nach Ausbruch der Krise erwartet und deshalb versucht, Deutsche direkt von der Schwarzmeerküste in Sicherheit zu bringen.
Offenbar war die Familie südossetischen Guerillas zum Opfer gefallen, die nach dem militärischen Sieg der russischen Armee und dem Rückzug der Georgier in die Region um Gori eindrangen. "Die Angreifer waren nicht uniformiert und haben uns in eine Falle gelockt", sagte Sönke T. SPIEGEL ONLINE in Tiflis. Es habe sich "definitiv" nicht um russische Soldaten gehandelt.
Der Familienvater wollte seinen Aussagen zufolge Frau und Kinder am Dienstag von der Schwarzmeerküste abholen, da sie keine Reisepässe dabei hatten und folglich nicht über die Türkei aus Georgien ausreisen konnten. "Als wir an Gori vorbeikamen, waren zwei Polizeiautos vor uns", berichtete Sönke T., "doch das hielt die Angreifer nicht ab". Der Deutsche sprach von einer Falle. "Die wollten Rache an den Georgiern nehmen", sagte er.
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